Corona-Pandemie So bereiten sich Kirchen auf Advents- und Weihnachtsgottesdienste vor

Es ist in Leipzig zu Heiligabend einer der Termine für Christen und Nichtchristen: 16 Uhr die Christvesper mit dem Thomanerchor. Jedes Jahr ist die Thomaskirche um dieses Zeit rappelvoll. Viele Familien schicken schon eine Stunde vorher einen Vertreter aus, der ausgrüstet mit zahlreichen Mützen und Schals ganze Bankreihen für die Lieben besetzt. Wer zu spät kommt, dem bleibt ein Stehplatz. Aber auch die sind heiß begehrt. Das war vor Corona. Und jetzt? Was planen Kirchgemeinden in Sachsen in der Advents- und Weihnachtszeit?

Wir üben uns im Improvisieren

In den Kirchen ist sehr viel Kreativität gefragt, sagt Superintendent Mathias Imbusch vom Kirchenkreis Torgau-Delitzsch. Das Geschäft der Kirchen sei es, auf den Nächsten zu schauen. Dies gelte beim diesjährigen Weihnachtsfest umso mehr.

Ideen gibt es in den Gemeinden viele. So ist Superintendentin Hiltrud Anacker vom Kirchenkreis Freiberg gerade mit der Stadt Freiberg und dem Landkreis Mittelsachsen im Gespräch, ob es möglich sein könnte, auf dem Untermarkt einen Weihnachtsgottesdienst im Freien anzubieten. Dabei sei aber nicht nur die Corona-Schutz-Verordnung zu beachten, so Anacker. Geplant werden müssten auch Fluchtwege, Ordner, Technik. Und wer soll das bezahlen? Vom Landkreis gebe es zwar schon positive Signale, aber man sei noch weit von einer Genehmigung entfernt.

Mehr Gottesdienste, weniger Teilnehmer, strengere Regeln

Viele Gemeinden würden derzeit schon eine zweite oder dritte Planung für Weihnachten angehen, erzählt Superintendent Jochen Kinder vom Kirchenbezirk Leipziger Land. Hieß es im Oktober noch, Veranstaltungen sollten hauptsächlich draußen stattfinden, werde jetzt schon wieder davon abgerückt. Kinder sieht im Moment eine Möglichkeit darin, mehr Gottesdienste anzubieten. Bislang gab es am 24. Dezember beispielsweise in der St. Marienkirche in Borna zwei Christvespern. Nun plane die Gemeinde mit vier Vespern.

Eine Variante, die auch der Bischof im Bistum Dresden-Meißen erwägt. Weil Weihnachtsgottesdienste mit Großveranstaltungscharakter derzeit nicht denkbar seien, schlägt Bischof Heinrich Timmerevers zusätzliche Messfeiern vor, damit sich die Kirchgänger besser verteilen können. In den Gemeinden werde auch darüber nachgedacht, Gottesdienste nach draußen zu verlegen.

Regeln für Gottesdienste im Bistum Dresden-Meißen Für Gottesdienste im Bistum Dresden-Meißen gelten neue Infektionsschutzregeln. Die hat der Bischof in einer Dienstanweisung veröffentlicht. Bei so hohen Infektionszahlen wie in den Oberlausitzer Landkreisen ist die Dauer der Gottesdienste auf eine Dreiviertelstunde zu begrenzen. Gesang der Gemeinde ist untersagt. Nach den Messfeiern sollen die Christen das Kirchgelände unverzüglich verlassen. Auch vor der Kirche ist ab sofort eine Mund-Nase-Bedeckung zu tragen.

Eintrittskarten zum Gottesdienst

Die Frauenkirche in Dresden plant für die Weihnachtsfeiertage aufwendig gestaltete Gottesdienste. Allerdings rechnet die Stiftung Frauenkirche nach eigenen Angaben wegen der Corona-Pandemie nur mit wenigen hunderten Besuchern pro Gottesdienst. Interessenten werden gebeten, sich an die Frauenkirche zu wenden, da der Einlass an den Feiertagen in diesem Jahr nur mit Platzkarten erfolgt. Auch kleinere Kirchen verfolgen die Platzkartenstrategie. So bittet die Gemeinde in Rückmarsdorf bei Leipzig, sich vorab anzumelden. Vier Plätze pro Familie könnten dort reserviert werden.

Minimum: Offene Kirchen

Für Superintendentin Hiltrud Anacker braucht es in diesem Corona-Jahr ein Minimum: die offene Kirche als Ort der kurzen Besinnung. Auf diesen kleinsten gemeinsamen Nenner werden sich wohl viele Gemeinden einigen. Und auch dafür laufen bereits die Vorbereitungen. Die Kirche in Dölzig bei Schkeuditz lädt zum Wandern durch die Weihnachtsgeschichte ein. In Borna werden die Besucher am Ende des Rundgangs durch die offene Kirche das Weihnachtslicht in der eigenen Laterne mit nach Hause nehmen können. In anderen Kirchen werden Christen Zeit haben, kurz an der Weihnachtskrippe zu verweilen oder einen kleinen Gebetstext mitnehmen können.

Quelle: MDR/gg

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio| 01.12.2020 | 16:30 Uhr

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