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Den Regenschirm musste das Wetterfröschlein im Sommer 2021 öfter als üblich in Sachsen aufspannen. Im ersten Quartal 2022 könnte er den Schirm seltener benötigen, sagen Wetterexperten. Bildrechte: dpa

JahresbilanzWetterfazit für 2021 in Sachsen: Halber Jahresniederschlag fehlt

von MDR SACHSEN

Stand: 26. Januar 2022, 20:02 Uhr

Nach den drei wärmsten Jahren in Sachsen überhaupt (2018, 2019, 2020) fühlte sich 2021 recht entspannt an. Aber: Auch 2021 hat sich der längerfristige Erwärmungstrend fortgesetzt - zwar etwas reduzierter, dennoch leiden Böden vielerorts noch immer unter Dürre. Und bis zum Frühling soll es auch niederschlagsärmer als üblich bleiben.

"Entspannung? Ja. Entwarnung? Nein", das ist das Fazit von Wetter- und Klimaexperten zum Wetter im vergangen Jahr in Sachsen. 2021 war es auch zu warm, aber dafür haben Niederschläge in der zweiten Jahreshälfte die Situation im Wasserhaushalt etwas entspannt. Das geht aus einer am Mittwoch vom Deutschen Wetterdienst (DWD) und dem Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie (LfULG) vorgestellten Jahresbilanz hervor.

2021 war ein Segen im Vergleich zu den drei trockenen Jahren zuvor.

Johannes Franke | Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie (LfULG)

Juni extrem warm - Jahr 0,8 Grad wärmer

Die Klimaexperten stellten für 2021 insgesamt einen Temperaturanstieg von 0,8 Grad Celsius fest. Dieser Wert bezieht sich auf den Vergleich der Temperaturen aus den Jahren 1961 bis 1990. Insbesondere der Juni 2021 wurde mit einem Anstieg von 3,7 Grad als deutlich zu warm eingestuft. Dabei hatte Sachsen bereits von 2018 bis 2020 die drei wärmsten Jahre seit Beginn der Wetteraufzeichnung 1881 erlebt.

Viel Regen im Sommer

Dagegen war der Jahresniederschlag im Vergleich zur Klimareferenzperiode (1961 bis 1990) um 13 Prozent höher. Vor allem die Sommermonate Juli und August wurden mit einem Plus von 77 beziehungsweise 79 Prozent als viel zu niederschlagsreich eingestuft. Darauf folgte dann ein trockener Herbst. Im September fehlten 49 Prozent Regen, im Oktober waren es 53 Prozent.

Ausgeräumte Landschaften, ausgedörrter Boden über den Sommerwind weht und Boden abträgt. So extrem wie 2019 und 2020 war die Dürre auf Sachsens Äckern 2021 nicht, doch Spuren der drei vorangegangenen Trockenjahre sind noch heute abzulesen. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Niederschlag und Grundwasser

Grundsätzlich galt 2021: In West- und Südsachsen fiel mehr Regen als in Ostsachsen. Der Niederschlag konnte in leichtere Böden eindringen. In schweren Böden wie Löß hat er das Grundwasser nicht erreicht oder nicht aufgefüllt. Laut Bericht sind die Grundwasserstände in der zweiten Jahreshälfte 2021 etwas gestiegen. Trotzdem lagen sie im Jahresmittel weiter auf niedrigem Niveau.

Die aktuellen Bodenwasserdefizite in den schweren Lößböden haben mittlerweile ein Niveau erreicht, bei dem auch ein überdurchschnittlich feuchter Winter nicht zu einer Auffüllung führen würde!

Jahresbilanz zur Ressource Wasser des LfULG

Halber Jahresniederschlag fehlt

An zwei von drei Messstellen für Grundwasserstände liegen die Werte noch immer 42 Zentimeter unter den monatstypischen Werten. Oder plastischer formuliert: Sachsens Böden fehlt derzeit ein halber Jahresniederschlag von 350 Millimetern.

Stürme und Trockenheit haben Sachsens Wäldern zugesetzt, so dass sich der Borkenkäfer ausbreiten konnte. Wie hier auf einer Kammlage im Erzgebirge in der Nähe von Pockau-Lengefeld mussten viele Hektar Wald gerodet werden (Archivbild von 07/2021). Besonders schlecht geht es dem Wald im Erzgebirge und im westlichen Tiefland Sachsens. Bildrechte: dpa

Wetter trifft auf Klimawandel

Dass diese Wasserlücke so bald aufgefüllt sein könnte, glaubt Johannes Franke vom LfULG nicht. "Eine nachhaltige Erholung wird durch den fortschreitenden Klimawandel erschwert", sagte er.

So werde sich die Erwärmung auch in den kommenden Jahrzehnten fortsetzen, sagte der Experte voraus. Bis 2050 erwartet Franke einen Temperaturanstieg von bis zu 2,5 Grad, bis 2080 um 4,2 Grad voraus. Zudem würden die Niederschlagsmengen immer wieder großen Schwankungen unterliegen.

Starkregen und Unwetterereignisse wie im Juli in Deutschland und weltweit können uns jederzeit treffen.

Falk Böttcher | Deutscher Wetterdienst

Lokal begrenzte Starkregenereignisse können nur schwer ganz präzise vorhergesagt werden. Umso wichtiger ist es laut Deutschem Wetterdienst, dass die Menschen wissen, was im Notfall zu tun ist. Bildrechte: imago images / A. Friedrichs

Ausblick auf 2022

Die Wetter- und Klimaexperten sagten am Mittwoch für Sachsen voraus, dass es bis Ende März kühler als durchschnittlich werde, aber trockener als zur Jahreszeit üblich. Von April bis Ende Mai erwarten sie durchschnittliche Niederschlagsmengen und etwas wärmere Temperaturen als im langjährigen Mittel.

Quelle: MDR (kk)/dpa

Dieses Thema im Programm:MDR SACHSEN | SACHSENSPIEGEL | 26. Januar 2022 | 19:00 Uhr