Energiepreisfolgen Sachsens Genossenschaftsmietern drohen höhere Nebenkosten

Sachsens Wohnungsgenossenschaften stimmen ihre Mieter auf massiv steigende Nebenkosten ein. Ursache sind die explodierenden Energiepreise. Sie werden erst im kommenden Jahr auf der Betriebskostenabrechnung deutlich.

Ein Stromzähler zeigt die verbrauchten Kilowattstunden an
Spätestens 2022 müssen Mieter mehr für Nebenkosten berappen. Darauf haben die Wohnungsgenossenschaften in Sachsen hingewiesen. Bildrechte: dpa

Die Mieter in Sachsen müssen sich auf deutlich höhere Betriebskostenabrechnungen einstellen. Der Hauptgrund dafür seien die extrem gestiegenen Energiepreise, sagte Sven Winkler, Referent des Verbandes der Wohnungsgenossenschaften (VSWG). Die Mitgliedsunternehmen des Verbandes bewirtschaften knapp 300.000 Wohnungen im Freistaat.

Das wird in den Betriebskostenabrechnungen für viel Frust sorgen.

Sven Winkler Verband der Wohnungsgenossenschaften

Je nachdem, womit die Wohnungen beheizt würden, könnten auf die Mieter für das Jahr 2022 Nachzahlungen bis zu 500 Euro zukommen, so Winkler. Für das Jahr 2021, das demnächst abgerechnet wird, werde der Anstieg hingegen noch moderat sein.

Vermieter geben Kosten weiter

Der Wohnungswirtschaft seien bei dem Thema die Hände gebunden. Das seien Kosten, die die Unternehmen nur weiterreichten, sagte Winkler. Neben den hohen Gas- und Strompreisen seien gestiegene Baukosten und der KfW-Förderstopp für energieeffiziente Gebäude zwei Themen, die den Genossenschaften derzeit Sorgen machen. Der Förderstopp betreffe in Sachsen ungefähr zehn Unternehmen, denen jetzt zehn Millionen Euro Investitionskosten für energetische Sanierungen verloren gehen könnten. Sie würden deswegen ihre Projekte nicht stoppen, aber sie teurer als geplant zur Vermietung anbieten müssen.

400 neue Wohnungen im Freistaat

Im vorigen Jahr haben die Genossenschaften rund 400 neue Wohnungen gebaut. Damit bewege sich der Neubau in etwa auf dem Niveau der Vorjahre. Demgegenüber standen 500 Wohneinheiten, die vor allem im ländlichen Raum abgerissen werden mussten. Dort fehlen Mieter. Für dieses Jahr rechnet der VSWG bei Neu- und Rückbau mit ähnlichen Größenordnungen.

Zwei Männer entladen einen LKW.
Die Wohnungsgenossenschaften haben 400 neue Wohnungen gebaut, aber ac Bildrechte: Colourbox

Freistaat gibt 2,1 Millionen Euro für Rückbau

Unterdessen hat der Freistaat Sachsen hat angekündigt, in diesem Jahr 2,1 Millionen Euro für den Rückbau leerstehender Wohngebäude bereitzustellen. "Wir begrüßen sehr, dass die Landesregierung die Wohnungswirtschaft dabei unterstützt, dem Leerstand im ländlichen Raum abseits der großen Metropolen wirkungsvoll zu begegnen", so Rainer Seifert, Direktor des Verbands der Wohnungs- und Immobilienwirtschaft in Sachsen. "Nicht berücksichtigt wurde im Programm allerdings die Entwicklung der Bau- und Entsorgungskosten." Flexible Teilrückbau-Lösungen seien dabei aber weiterhin ausgeschlossen, hieß es.

Genossenschaftsverband: Leerstände auch in Großstädten

Die Unternehmen planten Investitionen zwischen 500 und 700 Millionen Euro. Verbandschefin Mirjam Luserke betonte, dass es aus Sicht der Genossenschaften in Sachsen keinen angespannten Wohnungsmarkt gebe - auch nicht in den Großstädten Leipzig und Dresden. Dort hätten die Mitgliedsunternehmen nach wie vor Leerstände, hieß es.

Die Durchschnittsmiete bei den sächsischen Genossenschaften lag voriges Jahr bei 5,20 bis 5,30 Euro pro Quadratmeter.

MDR (lam)/dpa

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN | Nachrichten | 27. Januar 2022 | 14:00 Uhr

1 Kommentar

lk2001 vor 15 Wochen

Es ist absolut Undiskutabel Steuergeld in den Abriss von Wohnungen zu stecken. Es gehört in die Förderung des Zuzugs in den ländlichen Raum. Förderung von Arbeit vor Ort und wenn das nicht klappt in ÖPNV, Straßen und Schulen, Kitas etc. Das würde die Lage in den Städten viel mehr entspannen. Das Leben von vielen Menschen auf engem Raum fördert Pandemien und Frust.

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