Mietwohnungen Genossenschaften: Leerstand ist das Problem, nicht Wohnungsknappheit

Die sächsischen Wohnungsgenossenschaften haben trotz der Corona-Pandemie ihre Investitionen im vergangenen Jahr um 50 Millionen Euro erhöht. Mit dem Geld haben sie unter anderem 411 neue Wohnungen gebaut. Von Wohnungsknappheit möchten sie dennoch nicht reden. Stattdessen stehen andere Probleme im Vordergrund. Vor allem der sich weiter verschärfende Wohnungsleerstand in Sachsen treibt den Verantwortlichen die Sorgenfalten auf die Stirn. Hinzu kommen Anforderungen für den Klimaschutz.


Der neue "Lipsia-Turm". Das erste Nachwende-Hochhaus im Leipziger DDR-Plattenbauviertel Grünau hat auf seinen 13 Etagen Platz für 60 Ein- bis Drei-Raumwohnungen.
Ein Beipiel für genossenschaftliche Bauprojekte ist der neue "Lipsia-Turm" in Leipzig. Es handelt sich dabei um das erste Nachwende-Hochhaus im Plattenbauviertel Grünau. Bildrechte: dpa

In Sachsen gibt es nirgendwo einen überhitzten Wohnungsmarkt. Diese Auffassung vertritt der Verband Sächsischer Wohnungsgenossenschaften (VSW). Bei der Vorstellung der Jahresstatistik für 2020 sagte Vorstand Mirjam Luserke am Donnerstag:

Weder in Dresden noch in Leipzig, geschweige denn im ländlichen Raum gibt es in Sachsen einen angespannten Wohnungsmarkt.

Mirjam Luserke Vorstand des Verbandes Sächsischer Wohnungsgenossenschaften

Auch die im Zuge der geplanten Fusion der Wohnungsriesen Vonovia und Deutsche Wohnen geführte Diskussion über gedeckelte Mieten in Berlin und deren Ausdehnung auf ganz Deutschland hält sie nicht für sinnvoll: "Das ist ein fatales Signal. Nach dem Aus für den Mietendeckel schnappen wir gerade nach Luft und wehren uns deshalb auch entschieden gegen die Mietpreisbremse in Sachsen", sagte die Verbands-Chefin, die darauf verwies, dass die Genossenschaften im Freistaat Wohnungen im Durchschnitt für Mieten von 5,11 Euro pro Quadratmeter anböten. Auch im Vergleich zum Vorjahr sei der Anstieg mit 1,6 Prozent moderat ausgefallen, so Luserke.

Wohnungsleerstand wird immer schlimmer

Das größere Problem ist aus ihrer Sicht ohnehin der zunehmende Wohnungsleerstand im Freistaat. "Selbst in Leipzig stehen über die Stadt verteilt 2.000 genossenschaftliche Wohnungen leer, im Landkreis Meißen sind es elf Prozent." Sie plädiere dafür, das Metropolendenken zu überwinden. "Warum soll eine junge Familie nicht auch nach Meißen ziehen. Mit der entsprechenden Infrastruktur ist das doch machbar", meinte Luserke.

Abriss von 500 Wohnungen pro Jahr

Wie der VSW mitteilte, ist der Leerstand außerhalb der drei Großstädte seit 2015 wieder langsam angestiegen. Aktuell beträgt er demnach durchschnittlich 8,3 Prozent. Trotz eines Rückbaus von reichlich 500 Wohnungen pro Jahr ist das eine weitere Verschlechterung um einen halben Prozentpunkt im Vergleich zu dem von den Genossenschaften eigentlich als Talsohle angesehenen Tiefstwert von 2014. Besonders betroffen sind unter anderem der Vogtland- und der Erzgebirgskreis. "Jedes 14. unserer 209 im Verband organisierten genossenschaftlichen Wohungsunternehmen in Sachsen weist einen Leerstand von mehr als 20 Prozent auf", verdeutlichte Luserke die Lage.  

Sorge, dass Klimaschutz nicht bezahlbar ist

Neben dem Leerstand bereitet den Wohnungsgenossenschaften auch der Klimaschutz Sorge. "Wir haben die Treibhausgasemissionen in unserem Bestand seit 1990 um 61 Prozent verringert. Die nach dem Urteil des Bundesverfassungsgerichts von der Politik beschlossenen Verschärfungen und die neue Lage, dass der CO₂-Preis nicht mehr vollständig auf die Mieter umgelegt werden darf, kann uns wirtschaftlich treffen", sagte Mirjam Luserke, die dabei insbesondere die Versorger in der Pflicht sieht. "Wir haben einen Fernwärmeanteil von 80 Prozent. Die Versorger sind am Zuge, um die CO₂-Bilanz zu verbessern."

Neue Wohnungen kosten zehn Euro pro Quadratmeter

Trotz der Auswirkungen durch Corona investierten die sächsischen Wohnungsgenossenschaften mit rund 568 Millionen Euro noch einmal 50 Millionen Euro mehr als im Vorjahr. Mit rund 187 Millionen Euro floss ein Großteil des Geldes in die Modernisierung. Für den Neubau wurden mit reichlich 76 Millionen Euro rund 18 Millionen Euro weniger als im Vorjahr investiert. Es entstanden 411 zusätzliche Wohnungen. Die Kaltmieten betragen dort mindestens zehn Euro pro Quadratmeter, was laut Verband mit den Baukosten zusammenhängt. Insgesamt macht dieses Preissegment aber nur 0,1 Prozent des Wohnungsbestandes der Genossenschaften aus, während den Angaben zufolge 85 Prozent der beinahe 300.000 Wohnungen weniger als sechs Euro pro Quadratmeter kosten.

Quelle: MDR/sth

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | Nachrichten | 27. Mai 2021 | 11:00 Uhr

2 Kommentare

Christoph_Strebel vor 17 Wochen

Wie könnte man Leute überreden, aus den überhitzten Wohnungsmärkten nach Sachsen umzuziehen? Besonders jene, die keine Arbeit mehr brauchen? Oder die via Homeoffice ihre Arbeit mitbringen?
Es ist landschaftlich wunderschön dort.

mattotaupa vor 17 Wochen

"im Durchschnitt für Mieten von 5,11 Euro pro Quadratmeter"was genau nutzt die durchschnittsmiete? wenn man konkret in l, c oder dd ne wohnung sucht, welchen mehrwert hat dann die niedrigere miete in sebnitz, niesky oder kamenz? "Warum soll eine junge Familie nicht auch nach Meißen ziehen." jobs? einkommen? arbeitsweg? "In Sachsen gibt es nirgendwo einen überhitzten Wohnungsmarkt." definition zu "überhitzt"? aus sicht von immobilienbesitzern oder mietinteressierten?

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