Hintergrund Die Geschichte der Sommerzeit

Die Idee der Sommerzeit reicht Jahrhunderte zurück - und dabei ging es immer um die Frage, das Tageslicht besser auszunutzen.

Zwei Wecker stehen im Schlosspark
Das Thema Zeitumstellung erhitzt die Gemüter. Bildrechte: IMAGO

Schon US-Präsident Benjamin Franklin regte im 18. Jahrhundert eine Zeitumstellung an, um Kerzen einzusparen. In Deutschland führten schließlich Not und knappe Ressourcen in den Kriegsjahren zur Einführung der Sommerzeit in den Jahren 1916 bis 1918 und 1940 bis 1945. Dabei galt von April 1940 bis November 1942 die Sommerzeit durchgehend - also auch im Winter.

Nach dem Krieg unterschiedliche Sommerzeiten in Ost und West

Hände halten eine große Uhr, welche 2 Uhr anzeigt und ein Zeigefinger weist auf die 3 im Ziffernblatt.
Wer hat an der Uhr gedreht.... Bildrechte: colourbox.com

Nach dem Zweiten Weltkrieg bestimmten die Besatzungsmächte die Zeitumstellung. In den Westzonen galt eine einheitliche Sommerzeit, in der sowjetischen Besatzungszone und Berlin galten Extraregelungen. 1945 gab es im Osten sogar eine so genannte doppelte Sommerzeit mit plus zwei Stunden, die der Moskauer Zeit entsprach und bis Mitte November dauerte. Von 1950 bis 1979 wiederum gab es in Deutschland keine Sommerzeit.

Die BRD und die DDR führten die Sommerzeit 1980 wieder ein. Der Bundestag hatte als Nachwirkung der Ölkrise in den 70er-Jahren 1978 die Zeitumstellung beschlossen, 1980 trat das Gesetz in Kraft. Damit wollte sich die BRD den westlichen Nachbarländern anpassen, die bereits seit 1977 aus energiepolitischen Gründen auf die Sommerzeit setzten. Der Schritt wurde mit der DDR-Regierung abgestimmt.

Ausnahmen Büsingen und heiße Debatte in der DDR

Dabei gab es in beiden deutschen Staaten Ausnahmen. Die Exklave Büsingen am Hochrhein richtete sich nach der Schweiz und führte die Sommerzeit erst 1981 ein.

In der DDR löste die Zeitumstellung eine heftige politische Debatte aus. Im Herbst 1980 kündigte Ostberlin an, die Sommerzeit wieder abzuschaffen. Das "Neue Deutschland" verkündete, das "Experiment" habe keine wirtschaftlichen Vorteile gebracht, sondern nur "zusätzliche Kosten". Das wiederum wurde in der Bundesrepublik als Abgrenzung zum Westen verstanden. Außerdem hätten unterschiedliche Zeitregelungen für große Probleme bei der Abstimmung im Zugverkehr - vor allem in Berlin - gesorgt.

Als dann die Sowjetunion Anfang der 80er-Jahre die Sommerzeit beschloss, machten Honnecker und Co. einen Rückzieher. Es blieb bei der ausgemachten einheitlichen Regelung in Ost und West.

Seit 1996 einheitliche EU Regelung

1996 wurden in der gesamten Europäischen Union die teils unterschiedlichen Sommerzeitregelungen vereinheitlicht. Russland wählte einen Sonderweg, dort gilt seit 2011 quasi immer Sommerzeit, es gibt also keine Zeitumstellung. In Finnland, dem Baltikum und den osteuropäischen Ländern gilt entsprechend der Zeitverschiebung die Osteuropäische Sommerzeit, in Portugal, Großbritannien und Irland die Westeuropäische Sommerzeit.

Unterschiedliche Regelungen weltweit

In Nordamerika gibt es größtenteils Sommerzeitregelungen, zumeist ab dem zweiten Sonntag im März. Ausnahmen machen etwa die US-Bundesstaaten Arizona, Hawaii und Indiana. In Kanada (außer in einigen Regionen) und Mexiko sowie auf Kuba und auf den Bahamas gelten die gleichen Zeitumstellungsregeln wie in den USA.

In Afrika und allen Regionen in Äquatornähe gibt es keine Sommerzeit, weil die Unterschiede zwischen Tag und Nacht das gesamte Jahr über relativ gering sind. Auch Südamerika verzichtet daher überwiegend auf eine Sommerzeitregelung. Ausnahmen machen einige Bundesländer in Brasilien und Argentinien, sowie Chile und Paraguay. Auch in Asien haben sich lediglich die Länder im Nahen Osten sowie die Mongolei der Sommerzeitregelung angeschlossen. Dagegen hat Neuseeland auch die Zeitumstellung eingeführt, Australien in einigen Bundesstaaten.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL FERNSEHEN | 08. Februar 2018 | 10:55 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 24. März 2014, 14:32 Uhr