Bildung Diskussion um Abitur-Prüfungen 2021 in Thüringen

In Thüringen wird über die Abiturprüfungen unter Corona-Bedingungen diskutiert. Bildungsminister Helmut Holter möchte eine Entscheidung über die Form und den Zeitpunkt der diesjährigen Prüfungen vertagen. Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft hatte gefordert, sie in diesem Jahr notfalls ausfallen zu lassen. Die Landeselternvertretung und mehrere Landtagsfraktionen kritisieren den Vorschlag.

Abiturienten warten 2018 auf den Beginn einer schriftlichen Prüfung.
Noch soll in Thüringen keine Entscheidung über die diesjährigen Abiturprüfungen fallen. (Archivbild) Bildrechte: dpa

Für Thüringens Bildungsminister Helmut Holter (Linke) ist es für eine Entscheidung über die diesjährigen Abiturprüfungen während der Corona-Pandemie noch zu früh. "Wir sollten noch ein Stück abwarten, wie sich das Infektionsgeschehen insgesamt entwickelt", sagte Holter. Er reagierte damit auf eine Forderung der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), die Abiturprüfungen in diesem Jahr wegen der Corona-Krise notfalls ausfallen zu lassen.

Holter verwies außerdem darauf, dass die gleiche Diskussion bereits im vergangenen Jahr geführt worden sei. Die Abiturprüfungen seien dann abgelegt worden und in Thüringen im Durchschnitt sogar besser gewesen als im Jahr zuvor. Daher habe er keine Sorge, dass das Abitur schlecht ausfalle, sagte Holter. Außerdem seien die Prüfungen bereits von Anfang auf Ende Mai verschoben worden.

GEW-Forderung: Bei Infektions-Anstieg von Prüfungen absehen

GEW-Chefin Marlis Tepe sagte dem Redaktionsnetzwerk Deutschland am Montag: "Sollte das Infektionsgeschehen so dramatisch ansteigen, wie die dritte Welle in anderen europäischen Nachbarstaaten befürchten lässt, müssen die Länder flexibel reagieren und von Prüfungen absehen." Dann könnten etwa die Leistungen aus dem Unterricht zur Grundlage der Notengebung gemacht werden. Sollten Prüfungen pandemiebedingt ausfallen, müsste das Abitur trotzdem von den Bundesländern gegenseitig anerkannt werden.

Breit gefächerte Kritik an GEW-Forderung

Die GEW-Forderung stößt in Thüringen auf Kritik. Landeselternsprecher Roul Rommeiß sagte MDR THÜRINGEN, die Prüfungen sollten stattfinden, wenn es irgendwie machbar sei. Statt über eine Absage zu diskutieren, sei es besser, die Prüfungsaufgaben vor Ort in den Schulen anzupassen. Die Schulen wüssten am besten über den Bildungsstand ihrer Schüler Bescheid.

Auch Rolf Busch vom Thüringer Lehrerverband reagierte skeptisch. Er halte eine grundsätzliche Absage der Prüfungen für schwierig, sagte Busch. Gerade, weil die Schüler unterschiedlich gut auf die Abiturprüfungen vorbereitet seien.

Linke und CDU fordern vollwertigen Abschluss

Kritik kam auch von den Landtagsfraktionen. Der Linke-Abgeordnete und Vorsitzende des Bildungsausschusses, Torsten Wolf, sagte MDR THÜRINGEN, die sogenannte Abmilderungs-Verordnung der Landesregierung erlaube es jetzt schon, auf Prüfungen zu verzichten und eine Abiturnote nur auf Grundlage der Leistungen im Unterricht zu vergeben. Besser wäre es aber, an den Prüfungen festzuhalten und die Schulen selbst über die Prüfungsaufgaben entscheiden zu lassen.

Der Bildungsexperte der CDU-Fraktion, Christian Tischner, sagte MDR THÜRINGEN, er lehne ein Notabitur ab. Die Schüler wollten einen vollwertigen Abschluss. Laut Tischner ist es zum Beispiel möglich, den Schülern für die Abiturprüfung mehr Zeit zu geben oder eine größere Auswahl von Prüfungsaufgaben anzubieten.

Quelle: MDR THÜRINGEN/ls, dpa

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 06. April 2021 | 12:30 Uhr

8 Kommentare

LisaWelter vor 23 Wochen

Warte mal, identische Vorraussetzungen bei dem Jahrgang 2020 und 2021? Ich kann mich sehr gut daran erinnern, dass der letzte Jahrgang den ganzen Stoff noch mitbekommen hat. Denn wenn man die Tage nachzählt, dann sind es zwischen dem ersten Lockdown und den ersten Prüfungen 2020, weniger als 2 Monate, minus 2 Wochen Osterferien. Der Jahrgang 2021 hatte mehr Lockdown als Schule!!! Wenn allgemeine Prüfungen geschrieben werden sollen, dann bitte ich Sie doch auch einfach mal allgemeine Voraussetzungen der Schulen zu schaffen.
Jahrgang 2020 und 2021 haben komplett andere Voraussetzungen, um die Prüfungen zu schreiben, also vergleicht bitte nicht etwas miteinander, was nicht zu vergleichen ist!

martin vor 23 Wochen

Sie berücksichtigen bei Ihrer Meinung nicht, dass die Abiturienten mitnichten ohne Prüfungen ein Abiturzeugnis erhalten würden. Die eigentlichen Abiturprüfungen machen doch sowieso meist noch nicht einmal 1/3 der Gesamtnote aus ...

Natürlich haben die jetzigen Schulabgänger (nicht nur die Abiturienten) gegenüber einem "normalen" Jahrgang meist Defizite. Aber erstens ist es ja nicht so, dass sie in den letzten 18 Monaten gar nichts gelernt hätten, zweitens sind das gleiche Startchancen / -probleme für (fast) alle und drittens sind die meisten weder zu blöd noch zu faul um Defizite in für sie wichtigen Bereichen wieder aufzuholen.

Tschingis vor 23 Wochen

@Durchblick
Ich habe den Artikel jetzt dreimal gelesen und finde keinen Hinweis darauf, dass die Politik das Abi durchwinkt.
Und sie tun ja so, als ob die Schüler gar nichts lernten. Wer eine Uni oder Ausbildung besuchen wird, weiß dass er nacharbeiten muss. Aber deswegen geht doch die Welt nicht unter. Sie trauen den Kindern aber auch gar nichts zu.

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