"Dramatische Lage" Minister Adams kündigt Landesaufnahmeprogramm für Afghanen an

Thüringens Migrationsminister Dirk Adams spricht sich angesichts der dramatischen Lage in Afghanistan für ein Landesaufnahmeprogramm für Menschen aus dem Land aus. Zuvor hatte der Flüchtlingsrat Thüringen ein solches Landesaufnahmeprogramm gefordert.

Dirk Adams
Thüringens Migrationsminister Dirk Adams will ein Landesaufnahmeprogramm für Menschen aus Afghanistan. Bildrechte: imago images / Steve Bauerschmidt

Thüringens Migrationsminister Dirk Adams (Grüne) hat angesichts der Machtübernahme durch die militant-islamistischen Taliban in Afghanistan ein Landesaufnahmeprogramm für Schutzsuchende aus Afghanistan in Aussicht gestellt.

Die Lage vor Ort gerate zunehmend außer Kontrolle, sagte er am Montag in Erfurt. Er strebe daher ein ähnliches Landesaufnahmeprogramm an, wie es das in Thüringen bereits seit 2013 für syrische Flüchtlinge gebe. "Es soll Personen, die zum großen Teil schon lange hier leben und arbeiten, ermöglichen, ihre Angehörigen nachzuholen. Ich habe mein Haus gebeten, alles Notwendige zu veranlassen", erklärte Adams.

Flüchtlingsrat Thüringen fordert ein solches Landesaufnahmeprogramm

Der Flüchtlingsrat Thüringen hatte bereits zuvor Aufnahmeprogramme der Bundesländer für afghanische Flüchtlinge gefordert. Ein Sprecher sagte, dabei gehe es um den Schutz von Menschen, die vor den radikal-islamischen Taliban flüchten. Die Vergangenheit habe gezeigt, dass man sich dabei nicht auf die Nachbarländer Afghanistans verlassen dürfe. Berlin habe ein solches Programm schon angekündigt. Nach Angaben des Flüchtlingsrats leben zurzeit 8.000 Afghanen in Thüringen.

Ortskräfte noch immer im Ungewissen

Adams hatte sich bereits vor rund vier Wochen gemeinsam mit vier weiteren Landeskollegeninnen und -kollegen in einem Brief an den Bundesinnenminister gewandt und um eine umgehende Aufnahme der Ortshelfer und deren Familien gebeten. "Es ist unverständlich, dass daraufhin so wenig geschehen ist und Menschenleben gefährdet werden." Thüringen hat seit Monatsbeginn rund 60 Ortshelfer und Angehörige aus Afghanistan aufgenommen.

Ein Mann sitzt vor zei Computerbildschirmen. 3 min
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MDR THÜRINGEN JOURNAL Mo 16.08.2021 19:00Uhr 02:37 min

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AfD kritisiert Pläne des Ministers

Die Thüringer AfD-Fraktion kritisierte die Pläne: "Unter Umgehung des Parlaments versucht Adams nun die Sommerpause zu nutzen, um sein hypermoralisches Mütchen zu kühlen und unter Missachtung der Bundesebene Thüringer Außenpolitik zu betreiben", so Fraktionschef Höcke. "Den Bürgern jetzt neuerliche Millionensummen für tausende afghanische Staatsbürger aufbürden zu wollen, ist nicht hinnehmbar." Höcke verwies außerdem auf Bundeswehreinsätzen in Mali, Djibouti, dem Libanon oder dem Südsudan, die einen ähnlichen Abschluss befürchten ließen, was Minister Adams nicht bedacht habe.

Quelle: MDR Thüringen/gh

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 16. August 2021 | 16:00 Uhr

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