Porträts Die fünf Angeklagten - Ein Überblick

Hauptbeschuldigte: Beate Zschäpe

Die mutmaßliche NSU-Terroristin Beate Zschäpe ist die Hauptangeklagte im NSU-Prozess und die einzige Überlebende des mutmaßlichen Terror-Trios, das sie zusammen mit Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt gegründet haben soll. Zschäpe - ausgebildete Gärtnerin - hatte die beiden Männer Anfang der 90er-Jahre in ihrer Geburtsstadt Jena kennengelernt, alle drei gehörten zunächst zur Thüringer Neonazi-Szene in Thüringen. 1998 tauchten die drei gewaltbereiten Rechtsradikalen unter, um einer drohenden Festnahme zu entgehen. Zschäpe, die wegen der zerrütteten Familienverhältnisse vor allem bei ihrer Großmutter aufwuchs, soll die beiden Männer einmal als "ihre Familie" bezeichnet haben.

Der Gruppe werden zehn Morde zur Last gelegt. 14 Jahre lebten die Drei – von den Behörden unentdeckt und unter falscher Identität – erst in Chemnitz, später in Zwickau. Die Bundesanwaltschaft geht davon aus, dass Zschäpe die "unverzichtbare Aufgabe" zugekommen sei, dem "Dasein der terroristischen Vereinigung den Anschein von Normalität und Legalität zu geben". Sie sei dafür verantwortlich gewesen, "die unauffällige Fassade" des Trios zu pflegen, damit es unentdeckt bleiben konnte. Auch habe sie das Geld der Gruppe aus den Raubüberfällen verwaltet, ohne das die terroristischen Verbrechen nicht hätten verübt werden können, heißt es in der Anklageschrift der Bundesanwaltschaft. Uwe Mundlos - ein Professorensohn - galt hingegen als intellektueller Kopf der Terrorgruppe. Uwe Böhnhardt wurde von Zeugen als Waffennarr mit großem Gewaltpotenzial beschrieben.

Die Gruppe flog am 4. November 2011 auf: Nach einem Banküberfall in Eisenach nahmen sich Mundlos und Böhnhardt kurz vor ihrer Festnahme das Leben. Zschäpe soll daraufhin die gemeinsame Wohnung in Zwickau in die Luft gejagt haben. Wenige Tage später stellte sie sich in Jena der Polizei. Am 5. November 2012 erhob der Generalbundesanwalt Anklage gegen Zschäpe unter anderem wegen Beteiligung an neun Morden, dem Mordanschlag auf zwei Polizeibeamte sowie den versuchten Morden durch zwei Bombenanschläge.

Im Prozess schwieg Zschäpe zunächst mehr als zwei Jahre beharrlich - auf Anraten ihrer Anwälte Anja Sturm, Wolfgang Heer und Wolfgang Stahl. Im Jahr 2015 brach sie mit ihren Verteidigern und holte sich mit Mathias Grasel und Hermann Borchert zwei neue Anwälte ins Boot, ohne dass die ersten drei ihr Mandat abgeben durften. Grasel und Borchert fuhren eine andere Strategie, Zschäpe gab nun eine schriftliche Erklärung ab, in der sie eine Beteiligung am NSU bestritt und angab, immer erst im Nachhinein von den Morden erfahren zu haben. Lediglich die Brandstiftung räumte sie ein. Ein Versuch der Verteidigung, ihr per psychologischem Gutachten eine verminderte Schuldfähigkeit zu bescheinigen, schlug fehl. Die Staatsanwaltschaft beantragte lebenslange Haft mit anschließender Sicherungsverwahrung.

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