Jahresbericht Recherchestelle: 212 antisemitische Vorfälle in Thüringen

212 antisemitische Vorfälle registrierte die Informationsstelle Rias im vergangenen Jahr in Thüringen. Für fast ein Viertel davon sah sie Bezüge zur Corona-Pandemie.

Auf einer Straße fehlt ein Pflasterstein.
Im August 2021 wurde der Stolperstein gestohlen, der an den Weimarer Textilwarenhändler Karl Sachs erinnert. Bei den Novemberpogromen 1938 war er in das Konzentrationslager Buchenwald verschleppt worden. Nach seiner Entlassung 1940 gelang ihm die Flucht nach Shanghai. Bildrechte: Ann-Sophie Bohm

Die Recherche- und Informationsstelle Antisemitismus (Rias) hat im vorigen Jahr 212 antisemitische Vorfälle in Thüringen registriert. Rund ein Viertel davon (23 Prozent) hatten einen direkten Bezug zur Corona-Pandemie, wie der Verband am Dienstag in Erfurt mitteilte.

Drei körperliche Attacken

In 120 Fällen handelte es sich demnach um gezielte Aktionen gegen die Coronaregeln der Stiftung "Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora" und das Institut für Demokratie und Zivilcourage in Jena. Dreimal wurden Menschen angegriffen. Zudem verzeichnete Rias 13 Sachbeschädigungen an jüdischen Einrichtungen und Gedenkstätten. Die Stelle trägt seit Januar 2021 solche Vorfälle zusammen.

Die Zahlen von Rias (pdf-Download) unterscheiden sich von der jährlichen Polizeistatistik. Der Verband, dessen Thüringer Stelle beim Institut für Demokratie und Zivilgesellschaft (IDZ) in Jena angesiedelt ist, registriert alle Vorfälle. Die Polizei erfasst hingegen alle Fälle, die auch strafrechtlich verfolgt werden. Die Zahlen wurden erstmals auf Bundesländer-Ebene präsentiert.

Abgeordnete für Diskussion des Berichts im Landtag

Die Landtagsabgeordnete Katharina König-Preuss (Linke) sagte zum am Dienstag vorgestellten Rias-Bericht, es sei ein Problem, dass es auch im Jahr 2022 weiterhin Jüdinnen und Juden gebe, die in Thüringen ihre eigene Religion und damit Sichtbarkeit verstecken müssten, um antisemitischen Vorfällen zu entgehen.

Katharina König-Preuss
Katharina König-Preuss Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Es gebe Defizite im Bereich von Polizei und Justiz, die angegangen werden müssten. Andernfalls sinke das Vertrauen von Betroffenen in den Staat. Die Einrichtung der Recherche- und Informationsstelle Antisemitismus (Rias) Thüringen sei eine richtige Entscheidung gewesen. König-Preuss warb dafür, den Bericht und etwaige Konsequenzen in den Fachausschüssen des Thüringer Landtages zu beraten.

MDR (csr)

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN | MDR THÜRINGEN JOURNAL | 07. Juni 2022 | 19:00 Uhr

1 Kommentar

O.B. vor 9 Wochen

"Es gebe Defizite im Bereich von Polizei und Justiz, die angegangen werden müssten."

Ich bin kein Fan aber die beiden Bereiche sind die letzte Konsequenz. Das Problem entsteht viel früher und sollte da angegangen werden. Polizisten einen Vorwurf machen ist Unfug denn die räumen "nur" auf. Die Justiz handelt auf Grundlage unserer Gesetze. Fangt mal in den Schulen an und beschäftigt Kinder in der Freizeit das könnte helfen. Den schwarzen Peter an die Organe weiterreichen die es verfolgen und bestrafen sollen ist wieder mal typisch aber nicht zielführend.

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