Gesundheitsministerium Astrazeneca-Impfstopp: Wie geht es in Thüringen weiter?

Thüringerinnen und Thüringer, die in dieser Woche einen Impftermin mit dem Coronavirus-Impfstoff von Astrazeneca haben, müssen sich gedulden. Thüringens Gesundheitsministerin Heike Werner (Linke) rechnet Ende der Woche mit einer Entscheidung, ob der Impfstopp für das Vakzin aufgehoben werden kann.

Hinweis auf den Stopp der Immunisierungen mit dem Mittel von Astrazeneca am Impfzentrum auf dem Messegelände in Erfurt
Auch im Impfzentrum auf dem Erfurter Messegelände wurden Astrazeneca-Impftermine ausgesetzt. Bildrechte: MDR/Corinna Ritter

Nach dem vorläufigen bundesweiten Impfstopp für das Vakzin von Astrazeneca ist laut Kassenärztlicher Vereinigung (KV) Thüringen noch unklar, wie es weitergeht. Die KV werde auf die Empfehlung der europäischen Arzneimittelbehörde EMA warten und dann entsprechend handeln, sagte Jörg Mertz, Chef des KV-Pandemiestabs und Koordinator der Impfungen.

Thüringerinnen und Thüringer, die in dieser Woche einen Impftermin mit dem Vakzin von Astrazeneca haben, müssten sich gedulden. Mertz sagte, sie würden im Laufe des Tages von der KV kontaktiert. Dabei werde ihnen mitgeteilt, dass sie erst nach der Sitzung der Ständigen Impfkommission (Stiko) am Donnerstag über das weitere Vorgehen informiert werden können. Das Thüringer Gesundheitsministerium erwartet nach eigenen Angaben Klarheit über ein weiteres Vorgehen nach der Gesundheitsministerkonferenz am Freitag.

Astrazeneca-Impfstopp: Auch Zweittermine betroffen

Auch bei der Frage nach dem zweiten Impftermin müsse abgewartet werden, was die EMA am Donnerstag entscheidet, hieß es von der KV. Grundsätzlich solle beim zweiten Termin mit dem gleichen Impfstoff geimpft werden. Astrazeneca wird derzeit unter der Woche in den großen Impfzentren in Erfurt und Gera verimpft. Für das bevorstehende Wochenende war ursprünglich geplant, an den kleineren Impfstellen auch Astrazeneca zu verimpfen. Das wird laut Mertz nun mit einem anderen Impfstoff geschehen.

Nach Angaben des Gesundheitsministeriums fallen durch den Astrazeneca-Stopp in Thüringen Tausende Impftermine aus. Allein die zentralen Impfzentren in Gera und Erfurt würden pro Tag 2.800 Termine vergeben. Wöchentlich fielen damit bis zu 20.000 Termine im Land aus, sagte eine Sprecherin des Gesundheitsministeriums. Der Sprecherin zufolge gehe es bei den Terminausfällen bisher um Erstimpfungen, nicht um die Verabreichung der zweiten Dosis.

Heike Werner: Zehn-Prozent-Versprechen "nicht zu erreichen"

Nach Angaben von Gesundheitsministerin Heike Werner (Linke) mussten in den beiden Impfzentren in Erfurt und Gera nach dem Stopp des Astrazeneca-Impfstoffs 200 Impfdosen vernichtet werden. Das Ziel der Landesregierung, bis zum Osterfest zehn Prozent der Thüringer Bevölkerung zu impfen, sei unter diesen Rahmenbedingungen nicht zu erreichen. Am Dienstag waren nach Angaben des Ministeriums 8,6 Prozent der Thüringerinnen und Thüringer zumindest einmal geimpft.

Heike Werner (Die Linke), Thüringer Ministerin für Arbeit, Soziales, Frauen und Familie
Heike Werner (Die Linke), Thüringer Ministerin für Arbeit, Soziales, Frauen und Familie. Bildrechte: dpa

Die Ministerin sprach von Planungen, die beiden großen Impfzentren in Erfurt und Gera spätestens im April auf das Präparat von Biontech umzustellen. "Wir erwarten dann größere Lieferungen."

Impfungen in Hausarztpraxen gefährdet

Auch das Impfen gegen Covid-19 in den Hausarztpraxen sei gefährdet, so Werner. Der Ausfall von Astrazeneca lasse sich nicht einfach durch die Angebote anderer Hersteller kompensieren. Mehr Klarheit, auch zu zusätzlichen Impfdosen für Thüringens Corona-Hotspot Greiz, erwarte sie von der nächsten Gesundheitsministerkonferenz sowie dem ebenfalls auf Freitag verschobenen Impfgipfel von Bund und Ländern.

Eigentlich sei vorgesehen gewesen, dass bereits im März Arztpraxen in den am stärksten von der Pandemie betroffenen Kreisen in die Impfungen einbezogen würden, sagte Werner. Dafür sei Impfstoff des Anbieters Moderna reserviert worden. "Jetzt nutzen wir diesen Impfstoff zum Nachholen abgesagter Termine." Sie halte jedoch daran fest, dass im April auch in Arztpraxen geimpft werden solle.

Werner versicherte, sie stehe dem russischen Vakzin Sputnik V aufgeschlossen gegenüber, allerdings fehlten für dessen Einsatz in Deutschland die nötigen Genehmigungen. Ein Einsatz des Produktes des US-Herstellers Johnson & Johnson sei noch nicht absehbar. Mit diesem Hersteller habe es noch keine Absprachen gegeben.

Quelle: MDR THÜRINGEN/ls

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 16. März 2021 | 12:00 Uhr

30 Kommentare

knarf2 vor 19 Wochen

Impfverweigerern eine Notwendigkeit bestimmter Impfungen zu erklären ist eben vollkommen sinnlos.Sie können nur hoffen daß sie wie in dem Fall Corona nicht heimsucht und sie nicht an eine Beatmungsmaschine müssen um dem Tot zu entgehen!Die auftretende Todesangst weil man keine Luft bekommt muß furchtbar sein!

Bria21 vor 19 Wochen

martin: Was ich eigentlich etwas ironisch damit ausdrücken wollte ist, dass man der Regierung sicher so einiges vorwerfen kann, sie ist aber sicher nicht verantwortlich für die Existenz des Virus ist, weder hat sie es erschaffen (auch wenn manche das gerne behaupten) noch kann sie es einfach wegbefeheln. Auch wenn man, ungeachtet der steigenden Zahlen, den Lockdown jetzt beenden würde, wäre damit nicht die Pandemie zu Ende.

martin vor 19 Wochen

@bria: Das Virus hat sie verursacht und der Bundestag hat den Beschluss gefasst. Aber manche Zeitgenossen kennen den Unterschied zwischen Regierung und Parlament nicht. Nun ja, wer Demokratie nicht mag, muss sich auch nicht damit befassen ....

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