Atommüll Bundesgesellschaft will in Thüringen Daten für Endlagersuche sammeln

Im Jahr 2031 will der Bund den Standort für das geplante Atommüll-Endlager gefunden haben. Das soll hochradioaktiven Abfall aus Kernkraftwerken für eine Million Jahre sicher aufnehmen - also so, dass keine Strahlung an die Erdoberfläche gelangt. Die Suche dafür ist aufwändig. Auch in Thüringen sind Flächen als mögliche Standorte ausgewählt worden. Nun sollen in einigen Thüringer Gebieten Daten erhoben werden, die bei der Entwicklung einer Methodik für die genauere Standortsuche helfen sollen.

Bei der Suche nach einem Standort für das geplante Atommüll-Endlager sollen Teile von Thüringen als Modellregion dienen. Wie die Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE) am Montag mitteilte, gehören Gebiete in Nord- und Ostthüringen zu zwei Teilgebieten, in denen Daten für die Standortsuche gesammelt werden sollen.

Dabei gehe es beispielsweise um die Anzahl vorhandener Bohrungen und geologische Daten. Mit den gewonnenen Daten soll bis Frühjahr 2022 eine Methode erarbeitet werden, nach der künftig alle ausgewählten Teilgebiete näher auf ihre Eignung als Endlager-Standort untersucht werden sollen.

Drei Wirtsgesteine: Tonerde, Steinsalz, kristallines Gestein

Bis zum Jahr 2031 will Deutschland einen endgültigen Standort zur Entsorgung seiner hochradioaktiven Abfälle aus Kernkraftwerken befunden haben. Dieses Endlager soll nach Angaben der BGE eine sichere Lagerung dieser Abfälle über eine Million Jahre gewährleisten. In Frage kommen drei sogenannte Wirtsgesteine, bei denen das Entweichen radioaktiver Strahlung unmöglich oder nur in sehr geringem Maße möglich ist. Dabei handelt es sich um Tonerde, Steinsalz sowie um kristallines Wirtsgestein. Für diese Wirtsgesteine hatte die BGE im Herbst vergangenen Jahres bundesweit 90 sogenannte Teilgebiete festgelegt, die nun näher untersucht werden sollen.

Teilgebiete für ein Atommüllendlager in Deutschland mit markierungen in den Farben lila, blau und orange
Die insgesamt 90 festgelegten Teilgebiete erstrecken sich auf etwa 54 Prozent der Fläche Deutschlands. Bildrechte: GDI-TH, Esri, HERE, Garmin, FAO, NOAA, USGS

Datensammlung für spätere Methode zur Standortauswahl

Für diese Untersuchung sollen Daten aus vier ausgewählten Modellregionen gesammelt werden und in eine Methodik einfließen. Bei diesen Modellregionen handelt sich um vier der 90 Teilgebiete. Zwei dieser Teilgebiete erstrecken sich über große Teile Thüringens: ein Teilgebiet für Steinsalz, das in Thüringen den größten Teil der Fläche nördlich von Erfurt umfasst, sowie ein Teilgebiet für kristallines Gestein, das sich von Baden-Württemberg über Bayern und Thüringen bis nach Sachsen erstreckt. In Thüringen sind dabei Gebiete im Süden und im Osten betroffen.

Die Auswahl der vier Teilgebiete sei noch keine Vorentscheidung, betonte die BGE am Montag. "Ein Gebiet zur Methodenentwicklung ist nicht besser oder schlechter geeignet als andere Gebiete", erklärte BGE-Geschäftsführer Steffen Kanitz.

Quelle: MDR THÜRINGEN/dr

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 05. Juli 2021 | 21:00 Uhr

32 Kommentare

Eulenspiegel vor 27 Wochen

Also ich war immer ein Gegner der Atomtechnologie. Aber hier geht es um die Hinterlassenschaften einer Technologie, die für Deutschland Gott sei dank Geschichte ist, die irgendwo hin muss. Ich denke ganz egal wo das Endlager hin kommt wichtig ist das es immer dabei bleibt „ sicher vor billig“.

Egone vor 27 Wochen

Zu Ihrer 2.Frage: Flüssigsalzreaktoren im Dauerbetrieb zuverlässig? Bzgl. des DFR weiß man das, wie bei allen Maschinen und Anlagen, erst dann wirklich, wenn man sie gebaut und den Dauerbetrieb erprobt hat. Bevor der erste A380 in der Luft war, war es ja auch „nur“ Theorie, daß er fliegt, oder? Oder meinen Sie der hätte gar nicht erst entwickelt werden dürfen, weil er vorher noch nie im Dauerbetrieb geflogen ist? ;-)
Flüssigsalzreaktoren (es gibt mehrere Typen, der DFR ist nur einer und die neueste Entwicklung die eben mit 2 Flüssigkeitskreisläufen arbeitet) sind prinzipiell schon ein „alter Hut“. In den 50ern wurde z.B. in den USA ein Flüssigsalzreaktor als Flugzeugantrieb gebaut(!) und zwar für Langstreckenbomber und Spionageflugzeuge die SU überwachen sollten.
Mit der Verfügbarkeit von Interkontinentalraketen wurde die Idee eines nuklear angetriebenen Langstreckenbombers letztlich verworfen.

Egone vor 27 Wochen

Sehr geehrter Herr Schmidt,
zu Ihrer 1. Frage: Vom DFR gibt es noch keinen Prototypen. Wie bei allen neuen Produkten steht am Anfang die Idee. Dann beginnt man die Idee zu entwickeln und zu berechnen, baut Modelle usw.. Dann folgt auch irgendwann der Bau eines oder mehrerer Prototypen. Diese werden dann auf Herz und Nieren erprobt, um Schwachstellen und Fehler zu finden. Die Erkenntnisse daraus fließen dann in die Entwicklung des Serienproduktes ein. So sieht ganz grob wohl so ziemlich jeder Entwicklungsprozeß aus.
Die Erfinder des DFR schreiben auf ihrer Seite: „Hier stehen wir: Viele theoretische Vorarbeiten haben bestätigt, daß unsere Idee machbar ist. Als ersten praktischen Schritt packen wir Komponenten-Tests an. Wenn alles nach Plan läuft, werden wir noch in diesem Jahrzehnt einen Prototyp fertigstellen.“ => Komponenten-Tests ab 2023 => Testanlage ab 2026 => Lizenzierung 2028 => Prototyp und Vorserie ab 2029 => Serienproduktion ab 2034.

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