Hörer machen Programm Wird die Mitte-Deutschland-Verbindung in Thüringen bald ausgebaut?

In Thüringen wird seit Monaten über den Ausbau der Mitte-Deutschland-Verbindung in Thüringen diskutiert. Unklar ist, wer für die Kosten des Ausbaus der eingleisigen Bahnstrecke zwischen Weimar, Gera und Gößnitz aufkommen soll. MDR AKTUELL-Hörer Ekkehard Müller fragt sich, wie die aktuellen Planungen zum Ausbau sind.

Eingleisige Bahnstrecke in Ostthüringen bei Gera
Die Mitte-Deutschland-Verbindung ist bisher streckenweise nur eingleisig. Bildrechte: MDR/Ronny Arnold

Die Bahnstrecke zwischen Jena und Gera ist knapp 50 Kilometer lang und wie etwa in Hermsdorf und Bad Klosterlausnitz doppelt ausgebaut. Doch zwei Abschnitte sind bislang nur eingleisig. Das betrifft einen Teil kurz vor Gera, der Teil nach dem Haltepunkt Töppeln. Auf diesem Abschnitt der sogenannten Mitte-Deutschland-Verbindung kann nur ein Zug rollen.

Das bremse den Schienenverkehr aus und schwäche die gesamte Region, erklärt Michael Sonntag, der Baudezernent der Stadt Gera: "Seit der Wende ist die Stadt Gera damit beschäftigt, die Deutschlandverbindung zu stärken. Die Elektrifizierung ist im Bundesverkehrswegeplan beschlossen. Was weiterhin natürlich ein großes Manko ist, dass nicht parallel der zweigleisige Ausbau dieser Strecke mit angedacht ist." Das sehe man auch am Verkehr, der auf der A4 unterwegs ist, denn die Autobahn sei die zentrale Trasse in Thüringen.

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MDR THÜRINGEN JOURNAL Mi 04.08.2021 19:00Uhr 02:08 min

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Hohe Kosten für den Ausbau

Die Elektrifizierung der Strecke kommt also, ist beschlossen und soll laut Bedarfsplan bis 2028 umgesetzt sein. Doch der Streit, ob im Zuge dieses Umbaus auch die eingleisigen Abschnitte ausgebaut werden, zieht sich seit Monaten. Dabei geht es wie so oft ums Geld: Also wer das bezahlen soll. Der Freistaat Thüringen sieht den Bund in der Pflicht, doch der will nicht. Begründung: Den hohen Investitionskosten von mindestens 130 Millionen Euro stehe nicht genügend Nutzen gegenüber.

Potenzial einer zweigleisigen Strecke

Olaf Behr von Pro Bahn Thüringen sieht das anders. Es sei an der Zeit, dass nachgesteuert werde: "Fakt ist, dass diese Strecke für Thüringen eine wichtige Strecke ist. Wir haben hier das größte Aufkommen und das größte Potenzial. Es ist eine Strecke mit überregionaler Bedeutung und weit mehr Potenzial, als sie heute hat. Damit ist es überfällig, dass sie vernünftig ausgebaut wird und zu einem vernünftigen Ausbau gehört auch das zweite Gleis", findet Behr.

Die Hoffnung: Ist die Strecke optimal ausgebaut, wird sie auch viel besser genutzt. Ostthüringen könnte dann wieder an den Fern- und Güterverkehr angebunden werden – Richtung Westen bis NRW und östlich weiter nach Sachsen. Denn dass auf dieser West-Ost-Trasse mehr Verkehr von der Straße auf die Schiene soll, ist seit Jahren das große Ziel.

Förderung durch neues Bundesverkehrsministerium unklar

Pro Bahn hofft da nun auch auf die neue Regierung in Berlin: "Die neue Bundesregierung hat sich, was den Bahnverkehr und auch den Umweltschutz betrifft, höhere Ziele gesteckt als die alte Bundesregierung. Da müssen Bund, Land und Bahn sich noch einmal drauf verständigen, ob da Förderprogramme genutzt werden oder ob der Bund da jetzt auch stärker in die Schiene investiert."

Auf Nachfrage schreibt das neue Bundesverkehrsministerium, dass es zu einzelnen Projekten, etwa auch zur Strecke Jena-Gera-Gößnitz, aktuell noch keine neuen Informationen gibt.

Thüringen geht Ausbau an

In Thüringen ist man da schon einen kleinen Schritt weiter: Man will nun zumindest mit der konkreten Planung der zweigleisigen Strecke quasi in Vorleistung gehen. Kostenpunkt für den Freistaat, so Thüringens Ministerin für Infrastruktur, Susanna Karawanskij: etwa 4,5 Millionen Euro.

In diesen sauren Apfel müsse Thüringen jetzt beißen: "Dieses Infrastrukturprojekt ist so wichtig, dass wir es anpacken. Aber nichtsdestotrotz ist der Bund hier weiterhin gefragt. Stichwort Verkehrswende, Stichwort Nachhaltigkeit. Diese Kriterien, die den Infrastrukturausbau betreffen, müssen meines Erachtens hier auch eine Rolle spielen", erklärt Karawanskij. Das letzte Wort scheint also immer noch nicht gesprochen.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 22. Dezember 2021 | 06:00 Uhr

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