Arbeitsmarkt Nachfrage nach Ausbildungsberufen in Thüringen stark gesunken

Einmal Unternehmensluft schnuppern, einmal richtig mit anpacken. Eigentlich gehört das für Thüringer Schüler dazu – in Schülerpraktika. Doch die sind dieses Jahr wegen der Corona-Pandemie fast überall ins Wasser gefallen. Auch Berufsberatung im Unterricht findet nur sporadisch statt. Auf einen Besuch bei einer Berufsmesse mussten die Jugendlichen ebenfalls verzichten. Die Folge: enorm gesunkene Bewerberzahlen für Ausbildungsberufe.

Auszubildender beim Schweißen
Besonders der Metallbau, die Schweißtechnik oder der Maschinenbau leiden unter der geringen Nachfrage nach Ausbildungsstellen. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

In Thüringen suchen bisher deutlich weniger Jugendliche einen Ausbildungsplatz als in den Vorjahren. Wie ein Sprecher der Bundesagentur für Arbeit mitteilte, haben sich bei den Thüringer Agenturen bis zum April rund 6.300 Bewerber gemeldet. In den vergangenen fünf Ausbildungsjahren waren es durchschnittlich mehr als 8.000 Bewerber.

Relativ stabil blieb dagegen die Zahl der Ausbildungsstellen insgesamt. Bisher sind es etwa 10.400. In den Jahren vor der Pandemie waren es aber noch deutlich mehr - im Ausbildungsjahr 2018/2019 beispielsweise knapp 12.000. Nach Angaben der Arbeitsagentur verändern aber auch die Digitalisierung und der Strukturwandel den Ausbildungsmarkt.

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Viele freie Stellen in der Metall- und Maschinenbranche

Wie gut die Chancen sind, dass Ausbilder und Azubis zusammenfinden, hängt von der Branche ab. So sollten es Jugendliche, die eine Stelle in Metallbau, Schweißtechnik oder Maschinenbau suchen, gerade besonders leicht haben. Nach Angaben der Arbeitsagentur gibt es dort noch viele freie Stellen, dafür aber wenige Bewerber.

Weniger Wahlmöglichkeit dagegen haben Jugendliche, die in Tourismus, Sport oder Gastronomie lernen wollen. Hier ist die Zahl der verfügbaren Lehrstellen gesunken. In der Tourismusbranche und im Sportbereich hat sie sich beinahe halbiert.

Die Arbeitsagenturen sagen aber auch: Die Zahlen jetzt sind ein Zwischenstand. Erst im Oktober wird feststehen, wie viele Stellen tatsächlich frei geblieben sind. Ausbildungsstart ist in Thüringen im August und September 2021.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Regionalnachrichten | 27. Mai 2021 | 07:00 Uhr

7 Kommentare

Matthi vor 27 Wochen

Die Politik hat doch jahrelang die geringeren Lohnkosten im Osten beworben für Neuansiedlung von Unternehmen. Das kann man der Politik vorwerfen aber für vernünftige Löhne sind die Unternehmen verantwortlich.

Matthi vor 27 Wochen

Was sehen die jungen Leute wenn sie zum Beispiel im Elternhaus einen Handwerker haben, ich kann es Ihnen Sagen. Viel körberlich schwere arbeit bei Wind und Wetter, mittelmäßiger Lohn trotz guter Ausbildung, im Winter Kurzarbeit noch weniger Lohn viele Überstunden von Frühjahr bis Herbst, wenn dann endlich Feierabend ist, ist man fertig und hat wenig Lust noch irgendetwas zu unternehmen. Ich habe den Mist hinter mir und war froh das meine Tochter eine Ausbildung in einer Bundesbehörde gemacht hat mit guten Tarifverträgen.

Matthi vor 27 Wochen

Begrenzung von Abitur oder Studium lehne ich ab. Die Berufe müssen Attraktiver werden und das ist Firmensache. Die Einstellung von vielen Firmen im Osten ist doch, gut ausgebildetes Personal zum Niedriglohn am besten zum Mindestlohn, wenn sie dann kein Personal bekommen heißt es Fachkräftemangel und wir brauchen Zuwanderung. Man darf nicht vergessen das mittlerweile die hohen Lebenshaltungskosten im Osten angekommen sind und viele junge Leute vergleichen, bei welchen Beruf ich mir was leisten kann.

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