Wirtschaft Elektromobilität: Drei Viertel der Thüringer Autozulieferer haben schon Aufträge

Die aktuelle Umfrage des Branchenverbands Automotive Thüringen zeichnet ein verhalten optimistisches Bild für 2021. Zwar rechnen einige Unternehmen mit Job-Abbau - eine größere Zahl plant allerdings, zusätzliche Mitarbeiter anzustellen. Drei Viertel der Unternehmen arbeiten inzwischen auch Aufträge für Elektrofahrzeuge ab. Trotz Krise ist für vier von zehn Firmen Fachkräftemangel ein Thema.

Autozulieferer
Die Lage in Thüringen ist regional sehr unterschiedlich - mancherorts werden Jobs abgebaut, anderswo finden die Betriebe zu wenig Mitarbeiter. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Wie geht es den Thüringer Auto-Zulieferern?

Die Lage je nach Betrieb mitunter höchst unterschiedlich. Das hat eine Umfrage des Branchenverbands Automotive Thüringen ergeben, an der sich gut 70 von 195 Unternehmen beteiligt haben. Es gibt Betriebe, die elektronische Bauteile herstellen. Bei ihnen ist die Lage oft sogar besser als vor einem Jahr. Bei einem Drittel der Firmen war der Umsatz zu Jahresbeginn ganz ähnlich wie im Vorjahr, bei einem weiteren Drittel zehn bis 15 Prozent darunter.

Jene Firmen, die Teile für den Antriebsstrang herstellen, bekommen hingegen häufiger den Druck der Elektromobilität zu spüren. Wer also ausschließlich Getriebe- oder Motorenteile herstellt, kann zwar vom wachsenden Bedarf an Hybrid-Fahrzeugen profitieren - nicht aber von reinen Elektroautos. "Wer da noch gar nicht dabei ist, muss sich sputen", sagt Rico Chmelik, Geschäftsführer des Branchenverbands Automotive Thüringen.

Was ist von der Corona-Krise geblieben?

Im vergangenen Mai hatten noch 40 Prozent der Firmen eine bevorstehende Notlage fürs Unternehmen ausgemacht. 25 Prozent Umsatzverlust standen in der Branche in Thüringen zu Buche. Inzwischen sehen noch 17 Prozent der Unternehmen eine hohe oder sehr hohe Wahrscheinlichkeit, dass ihnen das Geld ausgeht. "80 Prozent der Geldflüsse unter den Unternehmen passieren ohne signifikante Verzögerung", sagt Chmelik. Damit sei weiterhin ein stabiler Kreislauf gegeben. Insgesamt hatte es im vergangenen Jahr Betriebe gegeben, die schließen mussten - oder es gab entsprechende Ankündigungen. Das hatte aber nicht nur mit Corona zu tun. Zudem ist die Lage in Thüringen regional sehr unterschiedlich - mancherorts werden Jobs abgebaut, anderswo finden die Betriebe zu wenig Mitarbeiter. Auch Wirtschaftsminister Wolfgang Tiefensee (SPD) sieht "Licht am Ende des Tunnels".

Welche anderen Einflüsse spielen eine Rolle?

Einige Zulieferer hatten schon länger Krise und Veränderungen in der Autobranche gespürt. Mitunter hängt das mit der Elektromobilität zusammen. Größere Unternehmen haben angekündigt, einzelne Standorte zu schließen - zum Beispiel die Norma Group ihren Standort mit 180 Mitarbeitern im Eichsfeld. Teilweise sollen Arbeitsplätze in Länder mit geringeren Lohnkosten wandern. Corona-Einbußen hatten diese Entwicklungen teilweise verstärkt.

Wie viele Beschäftigte sind noch in Kurzarbeit?

In der aktuellen Umfrage zeigt sich, dass nur noch etwa 40 Prozent der Betriebe auf Kurzarbeit zurückgreifen - und das in sehr unterschiedlichem Ausmaß. "Das bewegt sich zwischen fünf und 60 Prozent", so der Verbands-Geschäftsführer. Es hängt auch von Kunden des Unternehmens und dem hergestellten Produkt ab.

Welche Rolle spielt die Elektromobilität für die Thüringer Fertiger?

Eine wachsende. Nach der Verbands-Umfrage haben fast drei Viertel der Unternehmen Aufträge im Rahmen der wachsenden Elektromobilität. Wie wichtig das für die einzelnen Unternehmen ist, ist aber sehr unterschiedlich. "Meist ist der Umsatzanteil für Elektroautos noch gering", so Chmelik. Der Verband erwartet jedoch exponenzielles Wachstum in den nächsten Jahren. "Wir wissen ja, was die Hersteller gerade für Produktionslinien aufbauen", so Chmelik. Für viele Zulieferer auch in Thüringen sei es gar keine Frage mehr, sich in dem Bereich zu engagieren.

Fahrzeuge wie der ID3 von Volkswagen würden längst in großen Stückzahlen gebaut. Allein in Thüringen hatten Elektrofahrzeuge und Plug-in-Hybrid-Fahrzeuge mit Elektro- und Verbrennungsmotor im Jahr 2020 zusammen bereits einen Anteil von mehr als zehn Prozent an den Verkäufen. Zum Jahresende war der Anteil sogar noch höher. "Aber bis 2030 wird der Verbrenner eine wichtige Rolle behalten", sagt Chmelik.

Wie sieht die nähere Zukunft aus?

32 Prozent der Unternehmen rechnen der Umfrage zufolge damit, in diesem Jahr mehr Personal einzustellen. 19 Prozent rechnen mit einem Rückgang - die Hälfte erwartet keine Änderungen. Das deutet eher auf Wachstum. Ebenso haben 40 Prozent der Unternehmen Probleme, offene Stellen zu besetzen. "Das ist erstaunlich viel", so Chmelik. Häufig werde das darauf hinauslaufen, das Bestandspersonal weiterzubilden. Die Mitarbeiter sollen so komplexere Tätigkeiten ausüben können. Dann würden weniger Beschäftigte mehr Arbeit erledigen.

Wie wichtig ist die Branche überhaupt für Thüringen?

Sie ist einer der wichtigsten Arbeitgeber. Rechnet man alle Beschäftigten in den Unternehmen zusammen, kommt man laut Automotive Thüringen auf etwa 55.000 Beschäftigte und mehrere Milliarden Euro Umsatz. Nicht alle arbeiten allerdings ausschließlich für den Automobil-Sektor. Diesen Kern machen etwa 42.000 Menschen aus. Manche Firmen fertigen zum Beispiel auch Teile für Medizintechnik oder Maschinenbau. Wenn im Automobilbereich dann Krise ist, fällt ein Ausweichen in andere Bereiche leichter.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 26. Februar 2021 | 16:00 Uhr

1 Kommentar

helmut57 vor 6 Wochen

Ich bin mir nicht sicher, ob wir wirklich diese Technologie brauchen!
Klimaneutral, ist das wirklich so? Das größte Problem, sind die Batterien. Die momentane Technologie ist nicht der richtige Weg. Herrstellung und Entsorgung sind nicht ausgewogen. Solange Kinder die hochgiftigen Zutaten in Entwicklungsländern mit den blanken Händen ausgraben müssen und schwer erkranken, ist das für mich keine Alternative. Diese 🔋 sind zudem noch hoch gefährlich. Explosionsgefahr ist nicht zu unterschätzen. Bei einem Fahrzeugbrand gibt es riesige Probleme. Einige Tiefgaragen verbieten schon das Parken. Und was ist mit der Entsorgung, hoch problematisch.

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