Wirtschaft Thüringen will Autozulieferer in der Krise mit Lotsen unterstützen

Der Strukturwandel in der Automobilindustrie hin zur Elektromobilität macht etlichen Thüringer Unternehmen der Zulieferbranche bereits seit einiger Zeit zu schaffen. Die Corona-Pandemie verstärkt diese Situation noch. Nach dem Willen der Thüringer Landesregierung sollen Transformationslotsen ab Anfang 2021 den schwächelnden Wirtschaftszweig unterstützen. Die Thüringer CDU wirft der Landesregierung jahrelange Vernachlässigung dieser Branche vor.

Autozulieferer
Die Thüringer Landesregierung will den Autozulieferern mit Lotsen unter die Arme greifen. (Symbolfoto) Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Die Thüringer Landesregierung will den Strukturwandel in der Autobranche mit sogenannten Transformationslotsen unterstützen. Das verkündete Wirtschaftsminister Wolfgang Tiefensee (SPD) am Dienstag nach einer Kabinettssitzung. Ziel sei, zunächst vier bis fünf Stellen für die Lotsen bei der Landesentwicklungsgesellschaft (LEG) zu schaffen. Die Kosten dafür liegen laut Tiefensee bei rund einer Million Euro.

Lotsen für Autozulieferer in Thüringen

LEG-Chef Andreas Krey sagte, die Lotsen könnten die Autozulieferer etwa bei der Entwicklung und Herstellung neuer Interieur-Materialien oder neuer Sensoren unterstützen sowie bei der Beantragung staatlicher Fördermittel helfen. Voraussichtlich Anfang 2021 sollen die Lotsen ihre Arbeit aufnehmen.

Der Branchenverband Automotive Thüringen reagiert verhalten optimistisch auf das Vorhaben der Landesregierung. Letztlich müssten die Unternehmen den Strukturwandel selbst bewältigen. Nach Angaben der IG Metall ist angesichts der Probleme der Branche jede Hilfe willkommen.

CDU kritisiert mangelnde Unterstützung

Für die Thüringer CDU-Fraktion hingegen sind diese Pläne "Ausdruck jahrelanger Vernachlässigung dieses Industriezweiges". Eine Branchenstrategie dürfe nicht im Wesentlichen aus Beratern bestehen, die in den Betrieben Hinweise zur Produktion geben, sagte der wirtschaftspolitische Sprecher der Fraktion, Martin Henkel. Es räche sich laut Henkel, dass die Landesregierung "lieber über Wölfe und gendergerechte Sprache debattiere als über Wirtschaftspolitik". Dass zudem eine Koordinierungsstelle für Automotive im Wirtschaftsministerium über Monate hinweg unbesetzt geblieben sei, habe Thüringen weiterer Chancen beraubt.

Autozulieferer bereits vor Corona unter Druck

Nach Angaben von Tiefensee stecken viele Thüringer Autozulieferer zurzeit in existenziellen Schwierigkeiten. Neben Umsatzrückgängen wegen der Corona-Krise mache den Firmen auch der Druck zu schaffen, neue Antriebsformen und Fahrzeuge zu entwickeln. Erst am vergangenen Freitag veröffentlichte der Branchenverband Automotive Thüringen zusammen mit dem Chemnitz Automotive Institute eine Studie zum Thema "Auswirkungen der Elektromobilität - Beschäftigungseffekte auf kommunaler Ebene in Thüringen". Sie kommt zu dem Ergebnis, dass insbesondere Zulieferer für klassische Verbrennungsautos sich auf Umsatzrückgänge einstellen müssen. Profitieren hingegen würden Unternehmen, die an Entwicklungen für Elektroautos bauen. Diese ohnehin bestehende Strukturkrise sei durch die allgemeinen Auswirkungen der Corona-Pandemie auf die Autobranche noch beschleunigt worden, meint Rico Chmelik, Geschäftsführer des Branchenverbands Automotive Thüringen.

In der Zuliefererbranche im Freistaat arbeiten derzeit etwa 40.000 Beschäftigte. Bereits vor Ausbruch der Pandemie waren im vergangenen Jahr einige Unternehmen der Branche in Schwierigkeiten geraten, wie etwa die Autozulieferer JD Norman und Mitec aus Eisenach.

Quelle: MDR THÜRINGEN/DG

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 14. Oktober 2020 | 14:30 Uhr

5 Kommentare

Eulenspiegel vor 40 Wochen

Hallo ewald
Hier bedarf es ja wohl einiger Richtigstellungen. Nicht die Politik hat die Autoindustrie zerstört. Sondern die Autoindustrie. Denn schließlich hat sich die Autoindustrie seit Jahrzehnten geweigert Alternativen zu den Verbrenner zu entwickeln. Stadtessen haben sie ihre ganze Energie und auch Kapital eingesetzt um vorzutäuschen das sie die neuen Grenzwerte einhalten würden. Nach dem Motto es genügt voll und ganz wenn die Autos auf dem Prüfstand die Grenzwerte einhalten. Auf der Straße überprüft das keiner. Die Autoindustrie weiß seit Jahrzehnten das es so nicht weitergeht. Das andere Antriebe her müssen. Und was hat sie getan? Nichts! Und den Schwerpunkt E-Auto kam auch von der Autoindustrie.
Es wäre schön wenn sie der Politik nur die schelte zukommen lassen die sie auch verdienen.

Eulenspiegel vor 40 Wochen

Also diese Lotsen haben natürlich nur eine beratene Funktion.
Und an all die Skeptiker:
Stellt euch mal die DDR vor wie sie einmal war und den Trabi dazu. Und in jeder jeder größeren Stadt mindestens ein internationales Autohaus mit erschwinglichen Autos aus aller Welt.
Unmöglich? Da habt ihr Recht.

Altmeister 50 vor 40 Wochen

Erst freundliche staatliche Lotsen, später staatliche (Partei) Sekretäre/ Kommissare in der Firmenleitung mit Vetorecht ? Sozialismus ick hör dir trapsen.

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