AWO Thüringen Geschäftsführer im Saale-Holzland darf weiter machen - mit weniger Gehalt

Als – mit rund 200.000 Euro - deutlich zu hoch haben Thüringer Landesverband und Bundesverband der AWO das Gehalt des Kreisgeschäftsführers im Saale-Holzland-Kreis, Ralf Batz, eingestuft. Der soll nun einen neuen Vertrag, aber weniger Geld bekommen. Und im Fall des fristlos entlassenen Geschäftsführers der AWO-Tochter AJS gGmbH, Michael Hack, liegt nun ein Revisionsbericht vor. Der listet eine Reihe von Vorwürfen gegen den geschassten Manager auf.

Der wegen seines hohen Gehalts in die Kritik geratene Geschäftsführer des AWO-Kreisverbandes Saale-Holzland, Ralf Batz, soll weiter beschäftigt werden. Nach Informationen von MDR THÜRINGEN erhält Batz ab 1. Januar einen neuen Vertrag für seine Tätigkeit als Geschäftsführer des Kreisverbandes und der verbandseigenen Tochtergesellschaft. Dieser Vertrag soll den Vorgaben des AWO Governance Kodex entsprechen. Das bedeutet, dass Batz ab Januar ein deutlich niedrigeres Gehalt bekommt als derzeit. Batz hatte bislang rund 200.000 Euro Jahresgehalt bezogen. Nach Einschätzung des AWO-Bundesverbandes wären aber maximal 115.000 Euro angemessen.

AWO-Landesverband gegen neuen Vertrag

Nach MDR-Informationen ist die Entscheidung für eine Weiterbeschäftigung von Batz am Freitag gefallen - gegen das Votum des AWO-Landesverbandes. Dieser ist Minderheitsgesellschafter der AWO-Tochterfirma im Saale-Holzland-Kreis. Mehrheitsgesellschafter ist der AWO-Kreisverband, der diesen Beschluss durchgesetzt hat. Der AWO-Landesverband begründet seine ablehnende Haltung damit, dass das im Oktober gegen den Kreisverband eingeleitete Aufsichtsverfahren noch nicht abgeschlossen ist.

Der Vorsitzende des AWO-Kreisverbandes Saale-Holzland und sein Geschäftsführer Ralf Batz auf dem AWO-Landesausschuss am 25.07.2020 in Oberhof
AWO-Kreisgeschäftsführer Ralf Batz (re). und der Kreisvorsitzende Klaus-Dieter Kunze beim AWO-Landesausschuss am 25. Juli in Oberhof Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Zwei Vorstandsmitglieder des AWO-Kreisverbandes stehen selbst in der Kritik. Im Oktober hatte der Landesverband den AWO-Kreisvorsitzenden Klaus-Dieter Kunze und Schatzmeister Hans-Peter Perschke zum Rücktritt aufgefordert - was diese jedoch ablehnten. Grund waren bezahlte Tätigkeiten der Beiden für den Kreisverband. Das stellt nach Auffassung des Landesverbands einen Verstoß gegen die Satzung des Landesverbandes dar, wonach ehrenamtliche Führungskräfte der AWO nicht gleichzeitig geschäftliche Beziehungen mit den von ihnen geführten AWO-Gliederungen haben dürfen. Die beiden Vorstandsmitglieder hatten jedoch darauf verwiesen, dass die bezahlten Tätigkeiten vom Kreisvorstand genehmigt worden seien.

AJS nennt Vorwürfe gegen entlassenen Manager Hack

Im Fall des im Sommer fristlos entlassenen Geschäftsführers der AWO Alten-, Jugend- und Sozialhilfe (AJS) gGmbH, Michael Hack, hat die Revision durch externe Wirtschaftsanwälte eine Reihe von angeblichen Verfehlungen des Managers ans Licht gebracht. Wie AJS-Interimsgeschäftsführerin Katja Glybowskaja am Freitag mitteilte, wird Hack unter anderem die unberechtigte Inanspruchnahme von Altersteilzeit und Urlaub vorgeworfen. Außerdem soll er jahrelang seinen Dienstwagen unberechtigt für private Zwecke genutzt sowie "private Vorteile" angenommen haben. Laut Glybowskaja haben die Revisoren auch mehrfache Kompetenzverstöße, unkorrekte Spesenabrechnungen zum privaten Vorteil, die unberechtigte Nutzung einer Firmen-Kreditkarte für private Zwecke und Managementfehler festgestellt. Außerdem soll Hack "nahestehenden Personen" Vorteile verschafft haben.

Die Interimsgeschäftsführer der AJS gGmbH, Katja Glybowskaja und Andreas Krauße
Die Interimsgeschäftsführer der AJS gGmbH, Katja Glybowskaja und Andreas Krauße Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Laut Glybowskaja soll Hack auch den Aufsichtsrat der AJS "bei verschiedenen Sachverhalten" unvollständig und teilweise unzutreffend informiert haben. Details dazu wurden nicht genannt. Glybowskaja und ihr Co-Geschäftsführer Andreas Krauße kündigten am Freitag auch an, dass die AJS Regressansprüche gegen Hack geltend machen werde. Hack hat gegen seine außerordentliche Kündigung Klage eingereicht. Ein Verhandlungstermin steht noch nicht fest.

Hacks Anwalt spricht von "Skandal"

Hacks Anwalt Carten Sewtz erklärte auf Anfrage von MDR THÜRINGEN am Samstag, keiner er erhobenen Vorwürfe gegen seinen Mandanten träfe zu. Er sprach von einer öffentlichen Vorverurteilung. Es sei ein Skandal, dass seinem Mandanten nach 40 Jahren Betriebszugehörigkeit gekündigt worden sei, ohne einen Grund zu haben. Erst nach der Kündigung Hacks seien von der neuen AJS-Führung externe Rechtsanwälte für viel Geld engagiert worden, um Gründe für die Entlassung zu finden.

Michael Hacks Anwalt Carsten Sewtz
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Sewtz warf dem AWO-Regionalverband Mitte-West-Thüringen, dem AWO-Bundesverband und der Thüringer SPD vor, die AWO Thüringen in ihrem Sinne "auf Linie bringen" zu wollen. Schließlich habe der Regionalverband Mitte-West die "Federführung in der Thüringer AWO übernommen".

Ries und Ringmann akzeptieren geringere Gehälter

Im Fall des AJS-Geschäftsführers Achim Ries und des AJS-Prokuristen Sebastian Ringmann gab es nach Angaben der AJS-Interimsgeschäftsführung gütliche Einigungen. Mit beiden seien Arbeitsverträge vereinbart worden, die dem AWO Governance Kodex entsprechen, hieß es. Ries habe rückwirkend zum 1. Januar 2018 ein niedrigeres Gehalt akzeptiert und sei der AJS „finanziell stark entgegengekommen“. Der AWO-Bundesverband hatte in einem Prüfbericht vor einigen Monaten bemängelt, dass die Gehälter von Hack, Ries, Ringmann und der damaligen dritten AJS-Geschäftsführerin Antje Wolf zum Teil deutlich über den Summen lagen, die laut Governance Kodex als angemessen gelten. Der Kodex legt eine Orientierung an der Besoldungsgruppe A des öffentlichen Dienstes fest, in Ausnahmefällen an der Besoldungsgruppe B.

Am 5. Dezember hatte der AWO-Bundesausschuss eine überarbeitete Fassung des Governance Kodex beschlossen. Demnach sollen Jahresgehälter für Geschäftsführer von AWO-Gliederungen oder -Unternehmen die Summe von 141.624 Euro nicht überschreiten. Sollten höhere Gehälter festgelegt werden, ist eine Anhörung des Bundesverbandes zwingend vorgeschrieben. In "besonderen Einzelfällen" können höhere Gehälter vereinbart werden. Das maximal mögliche Jahresgehalt beträgt laut Kommentar zum Governance Kodex 234.000 Euro.

Prüfung von Geschäftsführer-Gehältern auf Kreisebene läuft noch

Im Sommer dieses Jahres hatte der Landesausschuss der AWO Thüringen in Oberhof beschlossen, dass die Kreis- und Regionalverbände die Gehälter ihrer Geschäftsführer offenlegen müssen. Die Unterlagen lägen dem Landesverband mittlerweile vor, sagte AWO-Sprecher Dirk Gersdorf MDR THÜRINGEN am Freitag. Derzeit laufe die "umfangreiche Auswertung". Über das Ergebnis werde der Gesamtvorstand voraussichtlich im Februar 2021 unterrichtet.

Quelle: MDR THÜRINGEN/dr

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 18. Dezember 2020 | 17:30 Uhr

13 Kommentare

Bernd1951 am 20.12.2020

Hallo MDR-Team,
Sie teilen mir mit, dass "Sie (sehen:) Wir sind unserem Informations- und Bildungsauftrag schon längst nachgekommen."
Dazu folgendes:
Es gab am 03.06.2020 auf den Webseiten von mdr Thüringen einen Beitrag von Dirk Reinhardt mit der Überschrift: "Thüringer Landesvorstand der AWO und Tochterfirma weiter in der Kritik".
Dort habe ich in einem Kommentar folgendes angemerkt:
- Ich kann leider nur meine Forderung nach einer Recherche durch den mdr wiederholen:
"Wer saß denn bei den Gehaltsverhandlungen auf der Arbeitgeberseite und hat die Gehälter ausgehandelt ? Und welche geldwerten Leistungen einschließlich Altersversorgung waren denn noch im Gehaltsvertrag enthalten ? Da sollte doch für Journalisten / Redakteure eine zu lösende Aufgabe sein." -
Ich hatte schon in vorherigen Kommentaren um eine Information dazu gebeten, deshalb steht in diesem Kommentar auch das Wort "wiederholt.".
Das ist jetzt ein halbes Jahr her und nicht "schon längst".

MDR-Team am 19.12.2020

Arbeitgeber im Fall des Geschäftsführers des AWO-Kreisverbandes SHK ist, wie im Artikel ausgeführt, der AWO-Kreisverband SHK. Im Fall der AJS gGmbH sind Arbeitgeber die Gesellschafter des Unternehmens, der AWO-Landesverband und der AWO-Kreisverband Erfurt. Siehe hierzu u.a. unseren Film "AWO außer Kontrolle - Selbstbedienung in der Thüringer Arbeiterwohlfahrt", ausgestrahlt am 09.1.2020 um 20:45 Uhr im MDR FERNSEHEN und jetzt abrufbar in der MDR-Mediathek. Sie sehen: Wir sind unserem Informations- und Bildungsauftrag schon längst nachgekommen.

Knute am 19.12.2020

Wer finanziert eigentlich diesen Verein?
Wenn dieser Sumpf ausgetrocknet werden soll, müssen die Sichgehaltzuschatzer im hohen Bogen rausfliegen.
Wie kann das sein, daß die Erwischten jetzt das "normale" Gehalt erhalten und weiter betrügen können?
Muss eigentlich irgendjemand sein zu viel Erbeutetes zurück zahlen?

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