Wohlfahrtsverband Neustart bei der Awo Thüringen: Vorstand gewählt

Nach neun Monaten hat die Awo Thüringen wieder eine Vorsitzende - Petra Rottschalk. Im Sommer 2020 waren der langjährige Vorsitzende Werner Griese und seine drei Stellvertreter zurückgetreten. Auslöser war unter anderem die anhaltende Kritik an einer Vertragsverlängerung für den Geschäftsführer der Awo-Tochterfirma AJS gGmbH, Michael Hack. Auch Intransparenz wurde dem Landevorstand immer wieder vorgeworfen.

Eine Frau bekommt Blumen
Petra Rottschalk, Vorsitzende des Awo-Ortsverbandes Rudolstadt und bisher stellvertretende Awo-Landesvorsitzende steht seit Freitag an der Spitze des Wohlfahrtsverbandes. Bildrechte: MDR/Stefanie Magiera

Die Awo Thüringen hat einen neuen Landesvorstand gewählt. Petra Rottschalk (SPD), Vorsitzende des Awo-Ortsverbandes Rudolstadt und bisher stellvertretende Awo-Landesvorsitzende steht seit Freitag an der Spitze des Wohlfahrtsverbandes. Auch drei neue Stellvertreter wurden gewählt. Bei den Beisitzern hingegen wird es eine Stichwahl geben.

Ich freue mich und bedanke mich herzlich für das Vertrauen. Zusammen mit den anderen Vorstandsmitgliedern wollen wir den begonnenen Weg des Neuanfanges fortsetzen.

Petra Rottschalk Vorsitzende der Awo Thüringen

Somit hat die Arbeiterwohlfahrt Thüringen nach neun Monaten wieder eine Vorsitzende. Im Sommer 2020 traten der langjährige Vorsitzende Werner Griese und seine drei Stellvertreter zurück. Auslöser war unter anderem die anhaltende Kritik an einer Vertragsverlängerung für den Geschäftsführer der Awo-Tochterfirma AJS gGmbH, Michael Hack. Auch Intransparenz wurde dem Landevorstand immer wieder vorgeworfen.

Hacks Gehalt stürzt Awo in Führungskrise

Laut Awo-Bundesverband war Michael Hack 2019 eine Erhöhung des Jahresbruttogehalts um 20.000 Euro zugestanden worden. Diese Erhöhung widersprach laut Awo-Bundesverband der intern geltenden Verhaltensnorm, dem Awo Governance Kodex. Allerdings habe Hacks Gehalt schon vor der Erhöhung mindestens 100.000 Euro über der als angemessen geltenden Grenze gelegen, hieß es einem einem Prüfbericht des Bundesverbandes.

Diese umstrittene Gehaltserhöhung aus dem Jahr 2019 genehmigten nach MDR-Recherchen der Awo-Landesverbandschef Griese und die damals Vorsitzende des Awo-Kreisverbandes Erfurt, Elvira Diebold. Auch Elvira Diebold trat im Zuge des Skandals zurück.

Langwierige Suche nach neuer Führung

Seitdem wird der Awo-Landesverband von drei neuen Stellvertretern geführt. Eine für November geplante Wahl eines neuen Landesvorsitzenden wurde wegen Corona verschoben. Schließlich kam es zur Briefwahl. Unter den Kreis- und Regionalverbänden hatte man sich auf aussichtsreiche Kandidaten geeinigt. So kandidierte Petra Rottschalk ohne Gegenkandidat für das Amt der Vorsitzenden. Umkämpft hingegen die Plätze dahinter: Vier Kandidaten bewarben sich auf drei Stellvertreter-Posten, auch für die sechs Beisitzer meldeten sich sieben Kandidaten.

Ergebnis der Briefwahl

Petra Rottschalk wurde nun von den 129 stimmberechtigten Delegierten mit 73 Prozent der Stimmen ins Amt gewählt. Die drei neuen Stellvertreter sind Ulrike Grosse-Röthig aus Weimar, Matthias Graul aus Saalfeld und Thomas Walter aus Gera. Als Beisitzer wurden Dr. Katja Ludwig aus Jena, Anika Gruner aus Nordhausen, Jörg Bacher aus dem Altenburger Land, Ralf Bumann aus Hildburghausen und Thomas Krauß aus Gotha gewählt. Zwischen den beiden Kandidaten Andreas Häusler aus Hermsdorf und Denny Möller aus Erfurt kommt es zu einem zweiten Wahlgang um die letzte Beisitzer-Position. Dieser soll bis 25. März abgeschlossen sein, teilt der Landesverband mit.

Menschen beim Auszählen von Wahlzetteln
Die Stimmen der 129 stimmberechtigten Delegierten wurden sorgfältig ausgezählt. Bildrechte: MDR/Stefanie Magiera

Das Awo-Geflecht durchbrechen

Petra Rottschalk, im Hauptamt Fachdienstleiterin für Kultur, Jugend, Tourismus und Sport der Stadt Rudolstadt, freut sich auf die Zusammenarbeit. Der neue Vorstand werde aus ganz neuen Gesichtern bestehen. "Es ist die nächste Awo-Generation, die nun die Geschicke des Wohlfahrtsverbandes lenken wird", erklärt die 59-Jährige gegenüber MDR THÜRINGEN.

Ihr wichtigstes Ziel: "die Verantwortlichkeiten bei dem größten Awo-Unternehmen, der AJS gGmbh zu entflechten." Der Aufsichtsrat solle gestärkt werden und dessen Mitglieder sollen nicht wirtschaftlich vom Unternehmen abhängig sein, was in der Vergangenheit nicht immer der Fall war.

Geschäftsführer des Awo-Landesverbandes geht im März

Ihre erste Sitzung des Awo-Landesverbandes leitet Rottschalk am 15. März. Dann wird es auch um den Posten des neuen Geschäftsführers gehen. Ulf Grießmann hatte bereits im Sommer 2020 angekündigt, seinen Posten nach der Vorstandswahl abzugeben. Sein Vertrag endet zum 31. März.

Derweil ermittelt die für Wirtschaftskriminalität zuständige Staatsanwaltschaft Mühlhausen weiter zum Verdacht der Untreue gegen den Ex-AJS Geschäftsführer Michael Hack. Er und seine Frau Petra Köllner-Hack - Geschäftsführerin der AJS-Tochterfirma Awo Soziale Dienste gGmbH Gotha - haben ihrerseits Klage gegen ihre Entlassung eingereicht. Ein Verhandlungstermin steht laut Landgericht Erfurt noch nicht fest.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR THÜRINGEN JOURNAL | 26. Februar 2021 | 19:00 Uhr

2 Kommentare

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