Thüringer AWO-Skandal Gericht weist Kündigungsklage von Ex-Manager Hack ab

Er galt lange Zeit als mächtigster Mann in der Thüringer Arbeiterwohlfahrt (AWO), im August 2020 wurde Michael Hack im Skandal um überhöhte Manager-Gehälter und mangelnde Transparenz bei dem Wohlfahrtsverband entlassen. Er hatte bis dahin den Tochterkonzern AJS gGmbH geführt. Gegen seine Kündigung geht Hack juristisch vor. Doch das Verfahren steht für ihn bislang unter keinem guten Stern.

Der frühere AWO-Manager Michael Hack ist mit einer Klage gegen seine Entlassung vor Gericht gescheitert. Das Landgericht Erfurt wies sie am Mittwoch als unzulässig ab. Hack habe den falschen Adressaten verklagt, begründet der Richter sein Urteil.

Richter: Klage hätte gegen Aufsichtsrat gehen müssen

Hack war im August vergangenen Jahres im Zuge der Affäre um zu hohe Managergehälter und mangelnde Transparenz bei der Thüringer Arbeiterwohlfahrt als Chef der AWO-Tochter AJS gGmbH entlassen worden. Gegen diese Kündigung wehrte er sich juristisch. Hack und sein Anwalt Carsten Sewtz haben jedoch laut Landgericht einen formalen Fehler gemacht: Die Klage hätte sich gegen den Aufsichtsrat der AJS richten müssen, weil dieser laut Gesetz und Satzung des Unternehmens für die Vertretung der AWO-Tochter bei Streitfällen zuständig sei. Hack hatte jedoch die neue Geschäftsführung der AJS verklagt.

Arbeitsgericht verwies ans Landgericht

Dieser formale Fehler war laut Justiz nicht der erste in dem Verfahren. Hack hatte seine Klage zunächst beim Arbeitsgericht Erfurt eingelegt. Dieses hatte den Fall an das Landgericht Erfurt verwiesen. Als Geschäftsführer einer GmbH sei Hack nicht als Angestellter zu betrachten, so die Begründung des Arbeitsgerichts. Relevant sei daher in seinem Fall nicht das Arbeitsrecht, sondern das Gesellschafts- und Aktienrecht.

Zentrale Figur in AWO-Affäre

Hacks Anwalt kündigte auf Anfrage von MDR THÜRINGEN an, Revision vor dem Oberlandesgericht Jena einlegen zu wollen. Er wirft der AJS seit Monaten vor, die Kündigung immer noch nicht begründet zu haben. Die AJS hatte argumentiert, sie werde dies vor Gericht tun.

Zentrale der Awo in Erfurt
Die Zentrale der Arbeiterwohlfahrt (AWO) Thüringen in Erfurt Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

In einem Revisionsbericht der AJS von Ende 2020 wird Hack unter anderem vorgeworfen, Dienstwagen und Kreditkarte des Unternehmens privat genutzt und Personen aus seinem Umfeld begünstigt zu haben. Außerdem soll er unberechtigt eine Altersteilzeit-Regelung für sich in Anspruch genommen haben. Scharfe Kritik hatte es in der AWO an Hacks Jahresgehalt von rund 300.000 Euro gegeben. Dieses war vom AWO-Bundesverband als unangemessen hoch eingeschätzt worden.

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Quelle: MDR THÜRINGEN/dr

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR THÜRINGEN JOURNAL | 27. Oktober 2021 | 19:00 Uhr

5 Kommentare

ElBuffo vor 5 Wochen

Solche selbstherrliche Klientel ist mitunter auch für Anwälte eine schwere Nuss. Wahrscheinlich überblickt der Ex-Manager nicht mehr alle, vermutlich teils selbst und nicht mit dem Ziel größtmöglicher Transparenz geschaffenen Strukturen. Wenn dann vielleicht auch noch gewohnheitsmäßig ohnehin auf die Einhaltung der Regeln verzichtet wurde, kann man sich da auch selbst drin verheddern.

Alexa007 vor 5 Wochen

Sorry, die Minister scheinen nicht mehr als 200 T€ zu verdienen. Eine entsprechende Tätigkeit wäre daher vermutlich unangemessen.

Alexa007 vor 5 Wochen

Eigenlich müsste sich der ehemalige regionale Sozialfunktionär mit Bundesministergehalt sich doch einen sehr guten Anwalt leisten können.

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