Nach Kritik an hohen Vorstandsgehältern Thüringer Awo beruft neue Geschäftsführung für Tochter AJS gGmbH

Die wegen überzogener Gehälter zurückgetretene Geschäftsführung der AWO-Tochterfirma AJS gGmbH wird durch zwei neue Manager ersetzt. Wie das Unternehmen am Freitag mitteilte, sollen Andreas Krauße und Katja Glybowskaja mit sofortiger Wirkung als Interimsgeschäftsführer die Geschäftsführung übernehmen. Krauße ist derzeit Geschäftsführer des AWO-Kreisverbandes Saalfeld-Rudolstadt, Glybowskaja ist stellvertretende Vorsitzende des AWO-Regionalverbandes Mitte-West-Thüringen. Beide sollen die AJS zunächst für maximal ein Jahr leiten.

Die Gesellschafterversammlung sei damit "dem Vorschlag der meisten Thüringer Awo Gliederungen" gefolgt, aus den eigenen Reihen für ein Jahr eine Interimsgeschäftsführung zu berufen, teilte die AJS weiter mit. Spätestens im Juni 2021 solle dann die dauerhafte Besetzung der Geschäftsführung geregelt sein. Glybowskaja und Krauße hätten ein Arbeitskonzept vorgelegt, das auf einen "zukunftsorientierten und verantwortungsvollen Neuanfang" setze. Sie wollten Vertrauen schaffen, Transparenz herstellen, Wertschätzung vermitteln und wirtschaftliche Stabilität sichern. Krauße kündigte an, alle Governance-Richtlinien und die Leitlinien und Werte der Awo seien dabei "unser wichtigster Kompass".

Neben den beiden Interimsgeschäftsführern soll auch eine neue Prokuristin für die AJS berufen werden. Sie soll laut Mitteilung zusätzlich zum derzeitigen AJS-Prokuristen Sebastian Ringmann berufen werden. Eine Name wurde nicht genannt.

Scharfe Kritik an bisheriger Geschäftsführung

Die bisherigen Geschäftsführer Michael Hack, Achim Ries und Antje Wolf scheiden - laut Awo auf eigenen Wunsch - zum 30. Juni aus der AJS gGmbH aus. Hack und Ries wollten ursprünglich Anfang 2021 gehen, Wolf sollte sie nach den bisherigen Plänen ersetzen. Alle drei stehen seit Monaten wegen ihrer Bezüge in der Kritik. Diese sind nach Einschätzung des AWO-Bundesverbandes "unangemessen" hoch. So ist das Jahresbruttogehalt von Hack mit rund 300.000 Euro mehr als doppelt so hoch wie die vom Bundesverband als angemessen eingeschätzte maximale Summe von 140.000 Euro. Der Bundesverband beruft sich dabei auf den seit 2017 geltenden Governance Kodex des Sozialverbandes, laut dem sich die Bezahlung an der Vergütung im öffentlichen Dienst orientieren soll. Auch die Bezüge von Ries und Wolf liegen deutlich über den als "angemessen" bezeichneten Summen. Auch das Gehalt von AJS-Prokurist Ringmann ist nach Ansicht des Awo-Bundesverbandes zu hoch.

Die Geschäftsführer hatten ihre Gehälter in einer an den Bundesverband gerichteten Stellungnahme im Mai damit verteidigt, dass sie mit denen von Krankenhäusern oder kommunalen Unternehmen vergleichbar wären. Schließlich beschäftigte der AJS-Konzern rund 5.400 Menschen und erziele einen Jahresumsatz von rund 220 Millionen Euro. Der AWO-Bundesverband sowie mehrere Thüringer Regional- und Kreisverbände kritisieren jedoch die große Diskrepanz zwischen der Bezahlung der Geschäftsführer und derjenigen der Mitarbeiter vor allem in den unteren Tarifgruppen. Das sei mit dem gemeinnützigen Charakter des Sozialverbandes und seiner Unternehmen nicht vereinbar.

Quelle: MDR THÜRINGEN/dr

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 19. Juni 2020 | 18:00 Uhr

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