Sozialverband Rottschalk will neue Awo-Vorsitzende in Thüringen werden

Seit Monaten ist die Arbeiterwohlfahrt ohne Vorsitzenden, nachdem der damalige Verbandschef Werner Griese nach verbandsinternen Vorwürfen der Intransparenz zurückgetreten war - und mit ihm drei Stellvertreter. Seitdem wird die Awo Thüringen sozusagen kommissarisch geführt. Nun soll ein neuer Landesvorstand per Briefwahl gewählt werden. Das Wahlergebnis soll Ende Februar feststehen.

Der neue Landesvorstand der Arbeiterwohlfahrt Thüringen soll Ende Februar feststehen. Weil eine Wahlversammlung wegen der Corona-Pandemie nicht als Präsenzveranstaltung abgehalten werden kann, wird die neue Verbandsführung per Briefwahl gewählt. Die Briefe mit den Kandidatinnen und Kandidaten würden noch in dieser Woche per Post an die 130 Delegierten verschickt, teilte Awo-Sprecher Dirk Gersdorf MDR THÜRINGEN am Donnerstag auf Anfrage mit. Am 26. Februar werde die Wahlkommission die Stimmen auszählen. Danach hätten die gewählten Kandidatinnen und Kandidaten noch 24 Stunden Zeit für die Erklärung, ob sie ihre Wahl annehmen.

Rottschalk will Awo-Landesvorsitzende werden

Einzige Kandidatin für den Landesvorsitz ist die Vorsitzende der Awo Rudolstadt, Petra Rottschalk. Sie ist seit Juli vergangenen Jahres auch stellvertretende Landesvorsitzende der Thüringer Arbeiterwohlfahrt. Für die drei Stellvertreter-Posten gibt es vier Bewerber: die derzeit amtierenden stellvertretenden Landesvorsitzenden Matthias Graul und Thomas Walter sowie Ulrike Grosse-Röthig vom Regionalverbandes Mitte-West und Andreas Häusler vom Kreisverband Saale-Holzland. Außerdem kandidieren sieben Frauen und Männer für Beisitzer-Posten.

Eine Frau
Einzige Kandidatin für Landesvorsitz: Petra Rottschalk Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Nach verbandsinternen Vorwürfen der Intransparenz war ein Großteil des vorherigen Awo-Landesvorstandes zurückgetreten, unter anderem im Mai vergangenen Jahres der damalige Landesvorsitzende, Werner Griese. Im Juli waren dann in Oberhof drei stellvertretende Landesvorsitzende gewählt worden, die den Verband seitdem führen. Die Wahl des neuen Landesvorsitzenden sollte eigentlich im November stattfinden, war aber wegen der Corona-Pandemie abgesagt worden.

"Rebellin" Zanker verzichtet auf Kandidatur

Claudia Zanker kandidiert nicht erneut für den Vorstand des Awo-Landesverbandes Thüringen. Die Kreisvorsitzende der SPD Bad Langensalza ist seit 2016 Beisitzerin im Awo-Landesvorstand. Mehrfach hatte Zanker in den vergangenen Jahren die Strukturen und Machenschaften in der Arbeiterwohlfahrt intern und öffentlich kritisiert, sie sprach von "Vetternwirtschaft und persönlichen Abhängigkeiten".

Claudia Zanker
Claudia Zanker Bildrechte: MDR/Lisa Beck

Die Entscheidung, nicht zu kandidieren, sei ihr nicht leicht gefallen, sagte sie MDR THÜRINGEN. Die vergangenen Jahre seien enorm arbeitsintensiv gewesen und hätten sie persönlich "oft an die Grenzen des Leistbaren gebracht". Nun wolle sie "den Weg frei machen für einen Neuanfang mit einem unbelasteten Vorstand, dem es gelingt, den Umbruch verantwortungsvoll weiterzuführen".

Sie selbst glaubt, in den vergangenen Jahren viel erreicht zu haben. Nun gelte es den einmal beschrittenen Weg weiterzugehen, hin zu mehr Transparenz, einer weiteren Aufarbeitung und zu angemessenen Vorstandsgehältern. Zanker will sich auf ihre weiteren Ehrenämter konzentrieren, so auch auf ihre Aufgabe im Regionalverband Mitte-West. Eine mögliche Rückkehr in andere Gremien der Awo schließt sie nicht aus.

Gehälter-Affäre erschüttert den Verband

Die Thüringer Arbeiterwohlfahrt wird seit Monaten von einer Affäre um überzogene Manager-Gehälter erschüttert. Im Zentrum der Kritik steht die ehemalige Geschäftsführung der Awo-Tochterfirma AJS gGmbH um den früheren Chef Michael Hack. Ihm und weiteren Führungskräften hatte der Awo-Bundesverband in einem Prüfbericht unangemessen hohe Gehälter attestiert.

Hack war im August vergangenen Jahres fristlos entlassen worden. Sein Anwalt hatte im Herbst auf Anfrage von MDR THÜRINGEN darauf verwiesen, dass Hacks Gehalt von den damaligen Gesellschaftern der AJS, dem Awo-Landesverband und dem Awo-Kreisverband Erfurt, genehmigt worden sei. Verantwortlich waren damals die Vorsitzenden der beiden Verbände, Werner Griese und Elvira Diebold. Die Staatsanwaltschaft Mühlhausen ermittelt unter anderem wegen des hohen Gehalts gegen Hack und weitere Beschuldigte wegen des Verdachts der Untreue.

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Frank Albrecht, Geschäftsführer des AWO Regionalverbandes Mitte-West Thüringen 30 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Exakt - Die Story | 09. Dezember 2020 | 20:45 Uhr

3 Kommentare

ralf meier vor 23 Wochen

Hallo Erichs Rache, zumindest ist es die einzige Kandidatin. Das spricht für eine gute Vernetzung im Hintergrund. Ob es der Sache dienlich ist, wage ich zu bezweifeln

Erichs Rache vor 23 Wochen

"Vetternwirtschaft und persönlichen Abhängigkeiten"

Wer hätte das gedacht. Dann ist Frau Rottschalk wohl die richtige Kandidatin für den Awo-Landesvorsitz. :-)))

Erichs Rache vor 23 Wochen

@ralf meier

In der Tat. Das System "Vetternwirtschaft und persönlichen Abhängigkeiten" muss am Laufen gehalten werden. :-)))

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