Rohstoff- und Energiekrise Bäcker in Thüringen müssen Preise anheben

Thüringens Bäcker kämpfen mit steigenden Rohstoff- und Energiekosten. Kunden müssen deshalb künftig ebenfalls mit einem Preisanstieg bei Backwaren rechnen. Auch der steigende Mindestlohn macht sich bemerkbar.

Eine Verkäuferin legt Ware in eine Bäckerei-Auslage
Backwaren werden in Thüringen in den kommenden Monaten teurer. (Symbolbild) Bildrechte: MDR/Grit Hasselmann

Thüringens Bäcker geben die Preissteigerungen bei Rohstoffen, Energie und Personal nur zögerlich an die Verbraucher weiter. Stefan Lobenstein, Präsident der Handwerkskammer Erfurt, sagte MDR THÜRINGEN, die Betriebe hätten Sorge, ihre Kunden zu verprellen. Die Preise würden daher von Betrieb zu Betrieb unterschiedlich angehoben. Auch bei gleichen Produkten gebe es dadurch unterschiedliche Preise.

Sinkende Nachfrage bei Backwaren

Nach Angaben Lobensteins, der selbst Bäcker und Konditor ist, macht sich bereits bemerkbar, dass sich die Kunden beim Einkaufen zurückhalten. Betroffen davon seien vor allem Produkte, die nicht unbedingt für den täglichen Bedarf nötig seien, etwa Snacks, Torten oder Kuchen.

Die Gefahr sei groß, dass weitere Preissteigerungen die Kunden noch mehr verunsicherten. Die Betriebe seien aber darauf angewiesen, sowohl bei den Grundnahrungsmitteln wie Brot als auch bei sehr gefragten Produkten wie Pflaumenkuchen Umsätze zu erwirtschaften. Falle ein Bereich weg, funktioniere das System der Preiskalkulation nicht mehr.

Hoffnung auf Preisnormalisierung bei Energie und Rohstoffen

Laut dem Sömmerdaer Bäckermeister Wolfgang Süpke haben sich die Preise für Energie mittlerweile fast verdoppelt. Die Kosten für Rohstoffe seien um 30 Prozent gestiegen. Er habe daher in diesem Jahr die Verkaufspreise in seinen Läden schon um insgesamt zehn Prozent anheben müssen.

Zwei Männer an einer Maschine in einer Bäckerei
Familie Süpke ist eine traditionsreiche Bäckerfamilie aus Thüringen. Bildrechte: MDR/Grit Hasselmann

Wenn ab 1. Oktober der Mindestlohn von zwölf Euro gelte, müsse er die Preise noch einmal erhöhen. Süpke wisse nicht, ob die Kunden das mittragen würden. Mit Einführung des höheren Mindestlohns sei er gezwungen, auch die Gehälter der Fachkräfte anzuheben. Es gehe auch darum, Fachkräfte zu halten.

Der Bäckermeister betreibt 14 Backfilialen in Thüringen. Er beschäftigt nach eigenen Angaben rund 80 Mitarbeiter.

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MDR (cfr)

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 01. August 2022 | 19:00 Uhr

62 Kommentare

emlo vor 9 Wochen

@OOOO: Und woher kommt die Rentner-Generation mit den niedrigen Renten? Nicht zuletzt durch die große Zahl von Arbeitnehmern, die zum Mindestlohn arbeiten müssen. Daher ist eine Anhebung des Mindestlohns auch ein Beitrag für etwas höhere Renten in der Zukunft.

Freies Moria vor 9 Wochen

@Tamico161: Hartz4 hat ganz sicher problematische Aspekte. Die Grundidee aber hat Deutschland damals vom kranken Mann Europas zu einem Leistungsträger befördert. Und damit ging es wieder aufwärts.
Heute brechen wir unter der Last zusammen, die wir uns selber aufbürden, dumm und unnötig das meiste davon - da erscheint Hartz4 eben wie sinnvolle realistische Politik!

Reuter4774 vor 9 Wochen

Den Wert des Produktes anerkennen ja, wenn allerdings das Kuchenstück trotz verdoppelte Preis nur noch ein Drittel der vorherigen Größe hat ist da auch viel Gewinnmaximierung dabei. Aber die Menschen müssen absehbar noch viel mehr einsparen und natürlich betrifft das dann auch diese " Luxuslebensmittel". ( oder Reisen, Gastronomie...) Und bei allem beklagen, Deutschland hat im Herbst 21 erst gewählt? Das haben wir selbst zu verantworten.

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