Bahnverkehr Ausbau der Bahnstrecke Erfurt-Nordhausen verzögert sich um Jahre

Der Ausbau der Bahnstrecke zwischen Erfurt und Nordhausen wird sich um mehrere Jahre verzögern. Das teilte die Deutsche Bahn mit. Grund seien geänderte rechtliche Bedingungen sowie Probleme mit dem Baugrund.

Blick aus dem Führerhaus auf das Gleis bei untergehender Sonne. 9 min
Bildrechte: MDR THÜRINGEN/Sabine Cygan
9 min

Mit dem ersten Zug des Tages nach Nordhausen. Sonnenaufgang, fliegende Wolken, Streckenwindungen und Haltestellen erleben. Steigen Sie ein!

Di 23.05.2017 15:00Uhr 08:33 min

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Eigentlich sollte die 67 Kilometer lange Strecke zwischen Erfurt und Nordhausen im Jahr 2025 so ausgebaut sein, dass Züge mit einem Tempo von bis zu 140 Kilometern pro Stunde fahren können. Doch daraus wird vorerst nichts, wie die Deutsche Bahn am Donnerstag in Leipzig mitteilte. Denn einige rechtliche Rahmenbedingungen hätten sich inzwischen geändert. Vier von sechs Bauabschnitte müssten komplett überarbeitet werden.

Als besondere Herausforderung gilt der Abschnitt Sondershausen-Greußen. Der Bahndamm müsste deutlich aufwendiger gebaut und mit einer zusätzlichen Schutzschicht versehen werden. Außerdem seien zusätzliche Wege und Zugänge sowie breitere Dämme entlang der Bahnstrecke vorgeschrieben. Dafür müsste die Bahn weitere Flächen erwerben.

Bahnstrecke Erfurt Nordhausen, Bahnübergang mit heranfahrendem Zug
Die Strecke Erfurt-Nordhausen soll ausgebaut werden. Bildrechte: MDR THÜRINGEN / Sabine Cygan

Bis Herbst 2022 erste Entwürfe

Zudem habe eine detaillierte Untersuchung des Baugrunds gezeigt, dass mehr Boden ausgetauscht werden muss, um die Stabilität der Gleise zu sichern. Laut Bahn soll bis Herbst die Entwurfsplanung für die Bauabschnitte Greußen-Kühnhausen-Erfurt Nord abgeschlossen sein. Erst dann könnten konkrete Angaben zum neuen Zeitplan und den Kosten gemacht werden.

Bahnhof Greußen
Der Bahnhof in Greußen. Bildrechte: MDR/ Sabine Cygan

Nordthüringen besser an ICE-Netz anbinden

Nach dem Ausbau der Strecke soll sich die Fahrzeit zwischen beiden Städten um 15 Minuten auf dann rund eine Stunde verkürzen. Außerdem wird Nordthüringen besser an das ICE-Netz rund um den Erfurter Hauptbahnhof angeschlossen sein.

Die Termin- und Kostenplanung für die noch anstehenden vier Bauabschnitte würden nun überarbeitet, erklärte die Bahn. Die Thüringer Landesregierung sei darüber informiert worden. Das Planrecht für den Abschnitt Sondershausen-Greußen soll noch vor Sommerbeginn beim Eisenbahn-Bundesamt (EBA) beantragt werden.

Karawanskij enttäuscht über Verzögerung

Infrastrukturministerin Susanna Karawanskij reagierte enttäuscht auf die Mitteilung der Bahn. "Das wird zu verständlichem Unmut bei den Bürgerinnen und Bürgern führen, die auf die Bahn angewiesen sind", sagte die Politikerin der Linken. Zudem binde das seit 2007 versprochene Projekt bis ins Jahr 2030 hinein Gelder vom Bund, die für andere Infrastrukturprojekte dringend gebraucht worden wären.

Das wird zu verständlichem Unmut bei den Bürgerinnen und Bürgern führen, die auf die Bahn angewiesen sind.

Susanna Karawanskij

Verkehrsministerin Susanna Karawanskij spricht vor einer Scheibe.
Verkehrsministerin Susanna Karawanskij reagierte enttäuscht über die Verzögerung. Bildrechte: dpa

Planung der Strecke seit 2014

Der Ausbau der eingleisigen und nicht elektrifizierten Strecke begann im Jahr 2014. Zwei Abschnitte sind bereits fertiggestellt: zwischen Nordhausen und Sondershausen (2016) und der Abschnitt Wolkramshausen-Sondershausen (2022).

Zudem seien Stellwerkstechnik erneuert, Bahnhöfe und Haltepunkte saniert und die Bahnsteige in Sondershausen mit neuen Aufzügen für einen barrierefreien Zugang ausgestattet worden.

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MDR, dpa (dvs)

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN | MDR THÜRINGEN JOURNAL | 19. Mai 2022 | 19:00 Uhr

5 Kommentare

Harka2 vor 6 Wochen

Es ist in der Tat beschähmend, wenn man sich dran erinnert wie in wenigen Jahren über ganz Deutschland ein Eisenbahnnetz aufgezogen werden konnte und heute dauert es Jahrzehnte, um auch nur ein zweites Gleis zu verlegen. Binnen weniger Jahre bauten unsere Vorfahren ein riesiges elektrisches Eisenbahnnetz vom schlesischen Industriegebiet über Mitteldeutschland bis runter nach Süddeutschland auf und heute mit aller neuer Technik schafft man es auch nach drei Jahrzehnten Absichterklärungen nicht mal zwischen Weimar und Gera den Fahrdraht aufzuhängen! Und dann ist es inzwischen auch keinen Projektanten mehr peinlich, wenn sich die Kosten hinterher verdoppeln und verdreifachen.

Jedimeister Joda vor 6 Wochen

In Zeiten der Computertechnik und künstlicher Intelligenz ist es nur zum schämen. Als die Eisenbahn gebaut wurde im vorletzten Jahrhundert war es ein Wunder das dieGleise hielten. Die haben noch gearbeitet und was zuwege gebracht. Heute ist das nicht mehr möglich. Ach wo sind wir hingekommen? Joda

Ovuvuevuevue Enyetuenwuevue Ugbemugbem Osas vor 6 Wochen

«Zudem habe eine detaillierte Untersuchung des Baugrunds gezeigt, dass mehr Boden ausgetauscht werden muss, um die Stabilität der Gleise zu sichern.» Und das stellt man jetzt fest, nach gefühlt 1000 Jahren Planung und Vorbereitung? Wir haben in Deutschland wirklich einen massiven Fachkräftemangel!

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