"Masterplan Schieneninfrastruktur 2030" Thüringen prüft Reaktivierung stillgelegter Bahnstrecken

Das Thüringer Verkehrsministerium hat den "Masterplan Schieneninfrastruktur 2030" aufgelegt. Damit möchte man prüfen, ob stillgelegte Bahnstrecken im eigenen Land reaktiviert werden können. Die Pläne treffen auf große Zustimmung.

Verwaiste Gleise liegen vor dem früheren Start- und Zielbahnhof der Höllentalbahn die seit Jahren stillgelegt ist.
Verwaiste Gleise vor dem einstigen Start- und Zielbahnhof der Höllentalbahn. Die Strecke zwischen Thüringen und Bayern ist seit Jahren stillgelegt. Bildrechte: dpa

Lichte liegt mitten im Thüringer Wald, Landkreis Sonneberg. Seit 2019 gehört die Gemeinde mit ihren 1.500 Einwohnern offiziell zur Stadt Neuhaus am Rennweg. Mitten im Ort befindet sich das Piesau-Eisenbahn-Viadukt: mehr als 30 Meter hoch, gebaut zwischen den Jahren 1911 und 1913.

Früher rollten hier Züge im Stundentakt, brachten Menschen, nahmen Güter mit. Heute ist die Brücke über die B281 Wahrzeichen des Ortes. Aber auch ein Mahnmal dafür, dass Lichte abgekoppelt vom Schienenverkehr ist. Keine Bahn wird kommen, das gilt seit 1997.

Welche Strecken geprüft werden

  • Ohratalbahn zwischen Gotha und Gräfenroda
  • Max- und Moritz-Bahn Probstzella und Neuhaus am Rennweg
  • Werrabahn zwischen Eisfeld (TH) und Lichtenfels (BY)
  • Höllentalbahn zwischen Blankenstein (TH) und Marxgrün (BY)
  • Rennsteigbahn zwischen Bahnhof Rennsteig und Themar
  • Pfefferminzbahn zwischen Buttstädt und Großheringen (Strecke in Betrieb, kein Personenverkehr)
  • Kyffhäuserbahn von Bretleben nach Bad Frankenhausen
  • Unstrutbahn zwischen Reinsdorf bei Artern (TH) und Wangen (ST) - (Strecke in Betrieb, kein Personenverkehr)

Masterplan Schieneninfrastruktur 2030

Das könnte sich allerdings bald ändern. Das Thüringer Infrastruktur- und Verkehrsministerium hat einen Masterplan Schieneninfrastruktur 2030 aufgelegt. Dabei sollen stillgelegte Strecken auf eine Reaktivierung überprüft und untersucht werden.

Die Max-und-Moritz-Bahn
Die Max-und-Moritz-Bahn Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Acht sind es insgesamt, darunter ist auch die Max- und Moritz-Bahn, zu der das Viadukt in Lichte gehört.

"Der Status der Strecken ist völlig unterschiedlich. Es gibt Strecken, die sind im Rahmen der deutschen Teilung abgebaut, zurückgebaut oder re-naturalisiert worden. Bei anderen Strecken liegen die Gleise noch und insofern müssen wir uns jede einzelne Strecke angucken", sagt Torsten Wilson, der im Ministerium die Stabsstelle Schienen-Infrastruktur 2030 leitet.

Mehr als 100 Kilometer möglich

1.509 Kilometer lang ist das betriebene Schienennetz in Thüringen im Moment. Mehr als 100 Kilometer könnten in den nächsten Jahren wieder dazu kommen. "Das Ergebnis ist im Prinzip, dass wir den Aufwand der Reaktivierung dem Nutzen gegenüberstellen und dann unterm Strich feststellen: Lohnt sich für Güter- und Personen-Verkehr die Wiederbelebung oder übertrifft der Aufwand den Nutzen", so Wilson zum Fall eines positiven Ergebnisses der Prüfung.

Wiederbelebung kann Lärmbelästigung reduzieren

Im Erfurter Landtag sieht man diese Bemühung mit Wohlwollen. Denn einerseits könnte die Wiederbelebung von Bahn-Anschlüssen dazu führen, dass Kommunen vom Straßenverkehr deutlich entlastet werden. "Bei der Max- und Moritz-Bahn in Südthüringen könnte eine Reaktivierung der Strecke dazu führen, dass der Güterverkehr, der jetzt dort über die Straße rollt und natürlich eine Lärmbelastung darstellt, auf die Schiene verlegt werden kann. Das wäre für die Anwohnerinnen und Anwohner definitiv eine Entlastung", sagt Laura Wahl, die verkehrspolitische Sprecherin der Grünen-Fraktion.

Auch Vorteile für Wirtschaft vor Ort

Andererseits kann eine reaktivierte Bahnstrecke auch die Wirtschaft vor Ort ankurbeln. Darauf hofft der verkehrspolitische Sprecher der CDU-Fraktion Marcus Malsch. Beispiele gibt es schon, sagt er: "Wir haben das im Wartburgkreis gesehen. Da gibt es einen großen Holzverwerter. Und die haben sich eine alte Bahnstrecke genommen, haben sich den Eisenbahn-Verein vor Ort genommen und lassen sich ihr Holz zuliefern. Der Bedarf ist da. Und wenn man dann feststellt, dass es dann für touristische Zwecke nur reicht und Draisinen dort fahren, ist es doch auch nicht schlimm".

Kritik am Masterplan

Was Marcus Malsch allerdings ärgert, nicht alle in Thüringen stillgelegten Strecken sind aktuell Bestandteil des Masterplans Schieneninfrastruktur. Ob sich daran noch etwas ändert, kann auch Torsten Wilson im Verkehrsministerium nicht sagen. Für die acht aufgeführten Strecken gilt: Bis Mitte nächsten Jahres soll eine Studie Aufschluss geben, ob und wie eine Wiederbelebung wirtschaftlich sinnvoll wäre.

Und dann: "Zum einen gehen wir damit zur Bahn. Zum anderen dient es aber auch uns im Freistaat Thüringen eine Orientierung zu bekommen, welche Strecken wir weiter vertiefen wollen mit unseren Untersuchungen und welche nicht."

Es ist also nicht gänzlich ausgeschlossen, dass über das Viadukt in Lichte im Landkreis Sonneberg demnächst wieder Züge rollen.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 14. Mai 2022 | 06:00 Uhr

2 Kommentare

Orsel vor 1 Wochen

Die Reaktivierung ist die eine Sache, das zusätzliche Personal ist aber auch nicht so einfach verfügbar, die Industrie generell kämpft mit dem Demografiewandel, da wird's schwer

MartinTruckenbrodt vor 1 Wochen

Für den lokalen Güterverkehr wäre die Höllentalbahn eigentlich das wichtigste Projekt. Die Max&Moritz-Bahn besitzt hier ein etwas kleineres Potential. Allerdings ist die Max&Moritz-Bahn sehr wichtig für den Personennahverkehr, für eine durchgängige Regionalbahn (Saalfeld-)Probstzella-Neuhaus/Rwg.-Sonneberg-Coburg. Wenn der neue RE Erfurt-Nürnberg 2024 kommt, wird dieser den jetzigen RE Sonneberg-Nürnberg schwächen. Der Ausgleich mit der Regionalbahn Probstzella-Coburg drängt also.

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