Zugausfälle und Verspätungen Erster Tag des Bahnstreiks - Erfahrungen der Reisenden in Thüringen

Bahnkunden in Thüringen müssen sich auch am Donnerstag auf zahlreiche Zugausfälle und Verspätungen einstellen. Der Streik der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer dauert noch bis Freitag, 2:00 Uhr. Die Erfahrungen nach dem ersten Tag sind unterschiedlich. Probleme gab es vor allem auf den Strecken, auf denen Regionalexpresszüge verkehren.

Bahnreisende stehen Schlange am DB-Reisezentrum am Erfurter Hauptbahnhof
Viele Reisende suchten am Mittwoch Hilfe im DB-Reisezentrum am Erfurter Hauptbahnhof. Bildrechte: MDR/Nicky Scholz

Der Streik der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) bei der Deutschen Bahn hat am Mittwoch den Zugverkehr in Thüringen stark beeinträchtigt. Aufgrund zahlreicher Zugausfälle und -verspätungen gab es viele Nachfragen der Kundinnen und Kunden auch am Erfurter Hauptbahnhof. Die Schlange vor dem DB-Reisezentrum zog sich durch die Eingangshalle bis vor das Bahnhofsgebäude.

Drehkreuz Hauptbahnhof Erfurt

Der Erfurter Hauptbahnhof ist ein wichtiger Knotenpunkt im deutschen Bahnverkehr und fungiert als ICE-Drehkreuz. Von und über Erfurt fahren Züge in alle Himmelsrichtungen. So strandete etwa ein Urlauber aus den USA in der Landeshauptstadt. "Ich bin um 9 Uhr in Frankfurt gelandet und jetzt bin ich in Erfurt und werde voraussichtlich nicht in den Anschlusszug kommen, da er ausgelastet ist", so der Reisende. "Es ist doof."

Gähnende Leere hingegen an den Gleisen sowie in der Buchhandlung gegenüber dem Reisezentrum. "Es kommt ja kein Mensch hierher - es kommt ja keine Bahn", so die Angestellte. Flaute herrschte auch am Taxistand. "Wir haben eigentlich mehr erwartet durch den Streik", sagte ein Fahrer. Mit seinen 23 Jahren Berufserfahrung habe er spekuliert, dass es besser laufen würde - "aber ganz im Gegenteil".

MDR THÜRINGEN-Reporter ist vor Ort

MDR THÜRINGEN-Reporter Nicky Scholz hat ausprobiert, ob und wie man am Streiktag von Erfurt nach Rudolstadt kommen kann. Zumindest auf dieser Strecke gab es keinerlei Probleme. Planmäßig hat er Rudolstadt nach einer Stunde und 22 Minuten erreicht.


Probleme gab es vor allem auf den Verbindungen, auf denen Regionalexpresszüge verkehren. Hier hat die Bahn einen Ersatzfahrplan eingerichtet. Der Ausstand trifft die Fahrgäste mitten in der reisestarken Urlaubszeit: In elf der 16 Bundesländer sind Schulferien. Betroffen sind auch grenzüberschreitende Verbindungen.

Gewerkschaft mit Streik-Auftakt zufrieden

GDL-Chef Claus Weselsky äußerte sich zufrieden mit dem Streik-Auftakt. Weselsky sagte MDR AKTUELL, der Arbeitskampf laufe hervorragend. Bereits nach vier Stunden Streik habe man um die 700 Züge zum Stillstand gebracht. In mehreren Stellwerken hätten auch Fahrdienstleiter mitgestreikt. Weselsky zufolge sind die Streik-Auswirkungen im Osten Deutschlands größer, da es im Westen noch Beamte gebe, die nicht streiken dürften.

Bahn kündigt "besondere Kulanzregelungen" an

Die Bahn rief wegen des Coronavirus zu Rücksichtnahme in den Zügen auf. Zudem kündigte die Bahn wegen des Streiks "besondere Kulanzregelungen" an. Bereits gebuchte Fahrkarten für betroffene Strecken behalten ihre Gültigkeit demnach bis zum 20. August, die Zugbindung entfällt. Auch eine kostenfreie Erstattung der Zugtickets ist möglich. 

Gestreikt wird bis Freitagmorgen

Bereits am Dienstagabend hatten die Lokführer im Güterverkehr die Arbeit niedergelegt. Dort stehen laut Bahnangaben momentan etwa 190 Züge im Rückstau, nur ein Viertel habe am Mittwoch fahren können. Die Aktionen sollen bis Freitagmorgen um 2 Uhr andauern. Bundesweit wurden wegen des Streiks drei Viertel aller Fernzüge gestrichen. Die GDL-Mitglieder streiken für höhere Gehälter und bessere Arbeitsbedingungen. Unter anderem verlangen sie eine Corona-Prämie von 600 Euro und 3,2 Prozent mehr Geld in zwei Stufen. Die Bahn will die Erhöhung nach Corona-Verlusten über eine längere Zeit strecken.

Quelle: MDR THÜRINGEN/gh,dpa

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR THÜRINGEN JOURNAL | 11. August 2021 | 19:00 Uhr

Mehr aus Thüringen