Bahnverkehr Mitte-Deutschland-Verbindung: Thüringen macht weiter Druck beim Bund

2017 sagte das Bundesverkehrsministerium die Elektifizierung der Mitte-Deutschland-Verbindung zwischen Weimar und Gößnitz zu. Außerdem sollen einige Abschnitte zweigleisig ausgebaut werden. Zuletzt wurde bekannt, dass der Bund das Projekt möglicherweise in Frage stellt. Thüringen sucht weiter das Gespräch.

Ein Intercity auf der Bahnstrecke Gera-Jena.
Die Mitte-Deutschland-Verbindung ist zwischen Weimar und Gößnitz nicht elektrifiziert und außerdem auf einigen Abschnitten eingleisig. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Thüringen will beim Thema Mitte-Deutschland-Verbindung weiter mit dem Bund im Gespräch bleiben. Infrastrukturministerin Susanna Karawanskij (Linke) sagte, die Landesregierung werde sich hier mit dem Bund abstimmen, die Deutsche Bahn werde an den Gesprächen ebenfalls beteiligt sein.

Karawanskij hat zudem nach eigenen Angaben das Bundesverkehrs- und das Bundeswirtschaftsministerium in einem Schreiben aufgefordert, die Finanzierungszusagen für die Elektrifizierung der Strecke zwischen Jena und Gera einzuhalten. Hier warte sie noch auf eine Antwort, so Karawanskij.

Susanna Karawanskij
Thüringens Infrastrukturministerin Susanna Karawanskij (Linke) Bildrechte: dpa

Positive Signale vom Bund

Das Bundeskanzleramt hatte am vergangenen Wochenende erneut zugesagt, dass der Bund am Weiterbau der Mitte-Deutschland-Verbindung festhalten will. Zuvor war bekannt geworden, dass der Bund möglicherweise das Projekt in Frage stellt.

Anlass ist eine neue Wirtschaftlichkeitsprüfung der Bahn. Demnach könnten sich die Kosten für die Elektrifizierung der Strecke von knapp 300 auf 600 Millionen Euro verdoppeln. In Thüringen wurde daraufhin Protest laut. Unter anderem Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) und der Ostbeauftragte Carsten Schneider (SPD) hatten den Bund aufgefordert, ihre Finanzierungszusagen für den Ausbau der Schienenstrecke einzuhalten.

Personenzug auf Bahnstrecke 1 min
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MDR THÜRINGEN JOURNAL Sa 15.01.2022 19:00Uhr 00:57 min

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Video

Was ist die Mitte-Deutschland-Verbindung? Als Mitte-Deutschland-Verbindung wird eine Eisenbahnlinie aus dem Rheinland über Westfalen, Hessen und Thüringen nach Sachsen bezeichnet. Zwischen Weimar und Gößnitz im Altenburger Land ist die Strecke nicht elektrifiziert und außerdem auf einigen Abschnitten eingleisig. 2017 sagte das Bundesverkehrsministerium die Elektifizierung zu. Thüringen fordert zudem, auf zwei kurzen eingleisigen Abschnitten zwischen Jena und Gera ein zweites Gleis legen zu lassen. Dass der Abschnitt Gera-Gößnitz einspurig bleibt, ist unstrittig.

Quelle: MDR(sar)

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 18. Januar 2022 | 22:00 Uhr

7 Kommentare

kleiner.klaus77 vor 16 Wochen

@GEWY
Um den Güterverkehr von der Straße auf die Schiene zu bringen, ist dies nur wirklich sinnvoll, wenn dies von Anfang an geschieht, dazu braucht es entsprechende Industriebetriebe mit Gleisanschluss und diese Industriebetriebe fehlen an der Mitte-Deutschland-Verbindung.

GEWY vor 16 Wochen

Sie haben aber schon gelesen, dass es mir hauptsächlich um den Güterverkehr auf dieser Strecke geht. Dass der Personenverkehr davon ebenfalls profitiert ist doch wohl klar. Egal ob Sie die Industrie an dieser Strecke groß oder klein nennen. Fakt ist täglich fahren 100 000 Fahrzeuge durch Sachsen und Thüringen auf der A4, davon ca. 17 000LKW die die A4 als Teil der Europastraße 40 die von Frankreich-Belgien (NL)-Deutschland -Polen-Ukraine und weiter. Darum geht es. Auch dem Klima geschuldet könnte ein großer Teil dieser Güter auf die Schiene. Dem Personenverkehr auf der von Ihnen genannten Strecke will doch keiner abschaffen. Alles andere was Sie schreiben ist doch nur das Ergebnis der "Abrüstungspolitik" der Mehdorn und Co. geschuldet.

kleiner.klaus77 vor 16 Wochen

@GEWY
Es war einmal, denn jetzt heißt die Hauptstrecke Frankfurt-Erfurt-Leipzig-Dresden und dies ist seit über 70 Jahren schon so.
Aus welchem konkreten Gründen sollte dies jetzt wieder anders werden, denn der Eisenbahn-Nahverkehr aus Thüringen endet in Altenburg bzw. Greiz oder Glauchau, denn die sächsische Landesregierung ist nicht an einer Verlängerung der entsprechenden Strecken interessiert!
Der Fernverkehr beschränkt sich auf magere 3 Züge am Tag pro Richtung, die dazu noch vom Land Thüringen selbst finanziert werden und was den Güterverkehr betrifft, es gibt keine größeren Industriebetriebe mit Gleisanschluss an der Strecke.
Im Übrigen halte ich den ökologischen Nutzen, die CO2-Bilanz und die Nachhaltigkeit eines elektrischen Streckenausbaus für sehr zweifelhaft, es sollten lieber Züge mit innovativen Antriebssystemen gefordert werden.

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