Ausbau in Frage gestelllt Kanzleramt will mit Bahn AG über Streckenausbau Weimar-Gößnitz reden

Im Streit um die Elektrifizierung der Bahnstrecke Weimar-Gera-Gößnitz gibt es diesmal positive Signale aus Berlin: Das Kanzleramt hat sich eingeschaltet und will sich bei der Bahn für das Projekt verwenden.

Der Hauptbahnhof Gera bei blauem Himmel.
Ohne Oberleitung: Der Hauptbahnhof von Gera. Bildrechte: IMAGO / imagebroker

Die Zitterpartie um den Ausbau der Bahnstrecke Mitte-Deutschland-Verbindung zwischen Weimar und Gößnitz im Altenburger Land scheint sich einmal mehr zugunsten Thüringens zu wenden. Nach Informationen von MDR THÜRINGEN hat Linke-Ministerpräsident Bodo Ramelow entsprechende Signale aus dem Bundeskanzleramt erhalten. Die Behörde von Kanzler Olaf Scholz (SPD) wolle kommende Woche mit der Deutschen Bahn Gespräche führen, nachdem der Konzern zuletzt die Wirtschaftlichkeit der Elektrifizierung der Strecke in Frage gestellt hatte.

Aus dem Kanzleramt wurde Ramelow signalisiert, dass es wohl auch ein kommunikatives Problem gebe. Die Deutsche Bahn müsse zwar bei den Kosten noch an ein paar Stellschrauben drehen. Das Bundeskanzleramt gehe aber davon aus, dass dieses Problem gelöst werden kann.

Geschätzte Kosten verdoppelt

Am Freitag war bekannt geworden, dass der Ausbau der Mitte-Deutschland-Verbindung in Frage steht. Anlass ist eine neue Wirtschaftlichkeitsprüfung der Bahn. Demnach könnten sich die Kosten für die Elektrifizierung der Strecke Weimar-Jena-Gera-Gößnitz von knapp 300 auf 600 Millionen Euro verdoppeln.

In Thüringen wurde daraufhin Protest laut. Unter anderem Ministerpräsident Ramelow und der Ostbeauftragte Carsten Schneider (SPD) hatten den Bund aufgefordert, ihre 2017 getroffene Finanzierungszusage für den Ausbau der Strecke einzuhalten.

Personenzug auf Bahnstrecke 1 min
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MDR THÜRINGEN JOURNAL Sa 15.01.2022 19:00Uhr 00:57 min

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Ramelow: Mehrkosten nicht nachvollziehbar

Ramelow sagte am Samstag MDR THÜRINGEN, es sei nicht nachvollziehbar, woher diese Kosten kommen sollen. Die Landesregierung bestehe auf der vertraglichen Zusage des Bundes, dass die Strecke elektrifiziert wird. "Es ist kein banaler Vorgang, der irgendwo an einer kleinen Bahnstrecke stattfindet, es geht um ein Symbol der Deutschen Einheit, es geht um eine Zukunftsentwicklung was auch Mittel- und Osteuropa miteinander verbindet."

Noch nicht abschließend geklärt ist laut Ramlow, ob das Land das zweite Gleis auf zwei kurzen Abschnitten zwischen Jena und Gera bezahlen muss. "Wir werden es daran nicht scheitern lassen", sagte Ramelow. "Aber was überhaupt nicht geht, ist die Elektrifizierung in Frage zu stellen." Dann würde das S-Bahn-Projekt von Halle nach Leipzig, Gera überhaupt keinen Sinn ergeben und auch der neue ICE-Doppelstock-Umsteigepunkt Jena massiv in Gefahr geraten, so der Thüringer Ministerpräsident.

Bodo Ramelow Ministerpräsident Thüringen 1 min
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MDR THÜRINGEN - Das Radio Sa 15.01.2022 18:17Uhr 00:24 min

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Was ist die Mitte-Deutschland-Verbindung? Als Mitte-Deutschland-Verbindung wird eine Eisenbahnlinie aus dem Rheinland über Westfalen, Hessen und Thüringen nach Sachsen bezeichnet. Zwischen Weimar und Gößnitz im Altenburger Land ist die Strecke nicht elektrifiziert und außerdem auf einigen Abschnitten eingleisig. 2017 sagte das Bundesverkehrsministerium die Elektifizierung zu. Thüringen fordert zudem, auf zwei kurzen eingleisigen Abschnitten zwischen Jena und Gera ein zweites Gleis legen zu lassen. Dass der Abschnitt Gera-Gößnitz einspurig bleibt, ist unstrittig.

Quelle: MDR(dvs,sar)

Mehr zum Projekt "Mitte-Deutschland-Verbindung"

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN | MDR THÜRINGEN JOURNAL | 15. Januar 2022 | 19:00 Uhr

14 Kommentare

Burgfalke vor 1 Wochen

Da soll es in der Zwischenzeit doch verschiedenste Regierungen gegeben haben oder ?

Nicht das "gestern" zählt, sondern die Gegenwart. Es ist müßig und sinnlos über das bisher nicht erreicht zu schreiben oder dem hier nachzuweinen.

Politisch sind derzeit gute Voraussetzungen hier etwas zu erreichen. Ob dies allerdings trägt, das muß sich zeigen!

kleinerfrontkaempfer vor 1 Wochen

Der "Bund" ist der größte Anteilseigner der Bahn. Da sollte doch ein anderer Ton und Ablauf herrschen als nur ein bißchen reden.
Wie paßt das bei der neuen Regierung in das Bild und Vorhaben von besserem ÖPNV, mehr Schienentransport und sonstiger Ökologie!?

O.B. vor 1 Wochen

Harka, Kanzler wird man nicht unter der Prämisse das mal allwissend ist. Er muss die Bahnverbindungen genauso wenig auswendig kennen wie er jede Strasse und ihren Verlauf kennen muss. Das es ein Gleisausbau bis ins Kanzleramt schafft ist eh schon traurig genug.

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