Verkehr Grüne wollen Radschnellverbindungen in Thüringen

In Thüringen soll nach dem Willen der Grünen ein Netz von Radschnellwegen entstehen. Nach einer von der Landtagsfraktion in Auftrag gegebenen Studie sind diese Wege vor allem für Berufspendler gedacht. Sie sollen Städte mit Gewerbegebieten, Bahnhöfen oder Verkehrsknotenpunkten verbinden.

Ein Fahrradfahrer fährt auf einer Radspur im Stadtverkehr
Die neuen Fernwege sollen überwiegend geradlinig verlaufen, deutlich breiter, mehrspurig und glatt asphaltiert sein. Bildrechte: dpa

Radschnellwege sind nach Ansicht der Thüringer Grünen-Fraktion ein gutes, aber bisher unbeachtetes Instrument, um attraktive Alltagsverbindungen für Pendlerinnen und Pendler zu schaffen. In Thüringen bietet sich der Bau von mindestens fünf solcher Radschnellverbindungen an, heißt es in einer am Mittwoch veröffentlichten Studie, die die Grünen-Landtagsfraktion beim Stadt- und Verkehrsplaner Martin Weidauer von der Fachhochschule Erfurt und Ingo Steckhan vom Planungsbüro VIA Köln in Auftrag gegeben hatte.

Baukosten für Radwege hoch

Laut Grünen ist das Radwegenetz in Thüringen bisher vor allem touristisch geprägt. Die Radschnellwege sollen nun ein neues Angebot für den schnellen Alltagsverkehr sein. Ziel ist es, den Anteil der Radfahrer am gesamten Verkehrsaufkommen bis 2030 auf 15 Prozent zu verdoppeln. Im Vergleich zu herkömmlichen Radwegen sollen die neuen Fernwege überwiegend geradlinig verlaufen, deutlich breiter, mehrspurig und glatt asphaltiert sein. Damit soll laut Studie auch der wachsenden Gruppe von E-Bike-Fahrern Rechnung getragen werden.

Allerdings sind die Baukosten für die sogenannten Velo-Routen hoch und auch der Flächenverbrauch ist vergleichsweise groß. Aus diesem Grund sollen die Schnellstraßen nur abschnittsweise auf bereits bestehenden Radwegen gebaut werden. Als erstes sollen die Routen ausgebaut werden, die heute schon den stärksten Pendlerverkehr haben.

Keine Initiativen des Landes Thüringen

Geht es nach den Wissenschaftlern und den Grünen, sollten vertiefende Studien des Freistaats die Umsetzbarkeit solcher Radwege etwa zwischen Jena und Stadtroda (16 km), Saalfeld und Rudolstadt (9 km) sowie Erfurt und Städten wie Weimar (22 km) und Arnstadt (19 km) genauer unter die Lupe nehmen. "Unser Ziel ist es, dass Thüringen auch im Alltagsradverkehr zum Fahrradland wird", sagte die verkehrspolitische Sprecherin Laura Wahl.

Kommunen haben noch keine Gelder angefragt

Wenn das im Radverkehrskonzept des Landes gesteckte Ziel, den Anteil des Radverkehrs von sieben auf 15 Prozent bis 2030 zu erhöhen, noch erreicht werden soll, seien erheblich mehr Anstrengungen notwendig. Trotz des Prüfauftrages im Thüringer Radverkehrskonzept und der Bereitstellung von Bundesfördermitteln in Höhe von 6,7 Millionen Euro für Thüringen seien keine Initiativen des Landes zur Umsetzung von Radschnellverbindungen erkennbar, kritisierte die Fraktion.

Noch seien diese Gelder nicht von den Kommunen angefragt worden, hieß es aus dem Verkehrsministerium. Eine Studie in Kooperation mit dem Ilm-Kreis sowie eine Studie der thüringenweiten Arbeitsgemeinschaft "Fahrradfreundliche Kommunen" zur Prüfung der Potenziale solcher Verbindungen seien bereits in der Mache.

Quelle: MDR THÜRINGEN/jn,dpa

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN | MDR THÜRINGEN JOURNAL | 05. Mai 2021 | 19:00 Uhr

48 Kommentare

emlo vor 29 Wochen

"Radfahrern muss ihre Verantwortung für andere Verkehrsteilnehmer vor Augen geführt werden, wie es in Autoverkehr seit 100 Jahren üblich ist." - Das ist echt der Witz des Tages! Sie sollten sich wirklich mal auf den Straßen umsehen. Verkehrsregeln werden von ALLEN Verkehrsteilnehmern gleichermaßen missachtet! Die Missetaten der Radfahrer haben Sie ja schon aufgeführt, aber auch Fußgänger und Autofahrer machen was sie wollen. Tempolimits einhalten, völlige Fehlanzeige, 20km/h drüber ist eher die Regel als die Ausnahme, am Blitzer wird nur mal kurz abgebremst. Blinken, was ist das?! Höchstens während man schon abbiegt, aber keinesfalls vorher. Park- und Halteverbote haben bestenfalls Empfehlungscharakter. Und wenn dann die Politesse kommt, schimpft man über die "Abzocker". Fußgänger rennen an den unmöglichsten Stellen blind (mit Handy vor den Augen) über die Straßen, Fußgängerampeln werden auch gern mal missachtet. Also: Bitte aufhören auf andere zu schimpfen!

emlo vor 29 Wochen

@Harka2: Ich darf anmerken, dass es mit der Regeltreue anderer Verkehrsteilnehmer keineswegs besser aussieht. Auch da ist der Kontrolldruck viel zu gering. Ihren "Rundumschlag" auf die Radfahrer halte ich daher für unangemessen.

Tacitus vor 29 Wochen

Nuhr gestern: "Während China 216 neue Flughäfen baut, glauben wir, dass das Fahrrad das Verkehrsmittel der Zukunft ist". Treffer versenkt.
P.S.
1. Ich fahre auch gern und oft Fahrrad, aber alles, wo es hingehört.
2. Das "wir" ist nicht korrekt- "Grüne" wäre treffender.

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