Hohe Baupreise Lieferengpässe und Preissteigerungen: Thüringer Handwerker fürchten Verluste

Immer mehr Thüringer Handwerker klagen über ausbleibende Lieferungen und steigende Preise. Für unterschiedlichstes Material im Baubereich muss heute deutlich mehr Geld bezahlt werden als noch vor wenigen Wochen oder Monaten. Die Handwerksbetriebe sind in Sorge, dass sie Termine nicht einhalten können oder sogar ganz die Arbeit einstellen müssen, wenn Zulieferungen ausbleiben. MDR THÜRINGEN hat sich auf Antwortsuche begeben.

Baustoffen werden teurer, Thüringer Handwerker fürchten Liefer-Engpässe.
Tischlermeister Wolfgang Jacob spürt seit wenigen Wochen deutlich verlängerte Lieferzeiten und stark gestiegene Preise. Die Türen-Teile, die er hier inspiziert, haben bis vor Kurzem noch etwa 20 Euro pro Meter gekostet. Inzwischen sind es 30 Euro. Bildrechte: MDR/Florian Girwert

Was ist teurer geworden?

Nicht alle, aber viele Baustoffe sind binnen Wochen oder Monaten stark im Preis gestiegen. Zum Beispiel kostet ein Absperr-Kugelhahn aus Messing, der für Installationen im Sanitärbereich verwendet wird, aktuell gut 33 Euro. Vor einem halben Jahr waren es noch 22 Euro, sagt Martin Riedel aus Gera, der einen Sanitär-Installationsbetrieb führt. Manche Dämmstoffe haben sich nach Angaben der Handwerkskammer Erfurt im Preis verdoppelt.

Baustoffen werden teurer, Thüringer Handwerker fürchten Liefer-Engpässe.
Martin Riedel ist Inhaber eines Sanitär-Installationsbetriebs in Gera. Der Kupferbogen links ist binnen sechs Monaten von 2,64 auf 3,31 Euro im Preis gestiegen. Bildrechte: MDR/Florian Girwert

Für Tischler oder Zimmerleute sind die Holzpreise binnen weniger Wochen steil nach oben geklettert. "Im Schnitt zwischen 15 und 20 Prozent sind die Preissteigerungen", sagt Tischlermeister Wolfgang Jacob aus Bürgel. Hinzu kommen teilweise deutlich verlängerte Lieferzeiten: Noch vor wenigen Wochen bestellte Jacob ab Lager und bekam binnen Tagen seine Lieferung. Inzwischen bekommt er oft zu hören, dass erst im August geliefert werden kann

Was heißt das für Bau-Handwerker?

Wo aktuell schon gebaut wird, können viele Projekte und Termine gehalten werden, weil die Handwerker mit Vorräten arbeiten. Schwierig wird es, wenn vor einigen Wochen erstellte Angebote zum Tragen kommen sollen. In dem Fall dürften Handwerker künftig öfter das Gespräch mit ihren Kunden suchen müssen, um die erhöhten Materialkosten weitergeben zu können. Sonst droht ein Verlustgeschäft: "Mit Beginn der Maßnahme verliert der Betrieb Geld", sagt Thomas Malcherek, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer in Erfurt.

Wenn dann noch Vertragsstrafen fällig werden, weil das Material zu spät kommt, würden Betriebe zusätzlich belastet. "Das bleibt eigentlich immer an den Betrieben hängen", sagt auch der Tischlermeister aus Bürgel. Er ist zugleich Handwerkskammerpräsident in Ostthüringen und bekommt derzeit viele besorgte Anrufe seiner Kollegen. "Wir haben uns an die Preise zu halten, die wir vor zwei Monaten angeboten haben. Die Lieferzeiten stehen auch. Also sind wir in der Haftung."

Werden Neubauten oder Sanierungen teurer?

In den kommenden Monaten ist vermutlich mit spürbaren Preissteigerungen, die über die üblichen 3 oder 5 Prozent pro Jahr hinausgehen, zu rechnen. Mancher Baubetrieb überschlägt, dass Bauprojekte binnen weniger Monate um zehn Prozent teurer werden könnten. Einzelne Unternehmer vermuten, dass das manche Finanzierung kippen könnte.

Mitunter könnten sich die Projekte aber auch nur verzögern. Viel hängt aber davon ab, wie die Entwicklung weitergeht. Ein Bauprojekt besteht allerdings nicht nur aus Material - auch die Arbeitsleistung ist eingepreist. Zudem sind nicht alle Materialien derart knapp geworden. Die Verbraucherzentrale Thüringen meldete auf Nachfrage, dass ihr noch keine Probleme mit plötzlichen Preissteigerungen für Hausbau-Projekte bekannt geworden sind.

Baustoffen werden teurer, Thüringer Handwerker fürchten Liefer-Engpässe.
Solches Leimholz aus Kiefer ist ab Lager nicht mehr zu bekommen. Stattdessen beträgt die Wartezeit mehrere Monate. Der Markt wird quasi leer gekauft. Bildrechte: MDR/Florian Girwert

Woher kommen die Preissteigerungen?

Darüber spekulieren die Betriebe selbst oft nur. Von den Großhändlern ist zu erfahren, dass die Nachfrage nach Baustoffen wegen eines Baubooms in den USA und China weltweit stark gestiegen ist. Das leert auch hier die Lager. Hinzu kommt, dass wegen der Corona-Pandemie manche Fertigung vorübergehend außer Betrieb war. Ein besonders strenger Winter im Süden der USA hat offenbar auch einige Kunststoff-Fertiger außer Betrieb gesetzt. Das führte zu Liefer-Engpässen bei der Herstellung von Kunststoff-Teilen. Mitunter wird auch Spekulation hinter den Preis-Steigerungen vermutet.

Welche Lösungsmöglichkeiten gibt es?

Die Handwerkskammern fordern, dass bei öffentlichen Aufträgen künftig von Festpreisen abgewichen werden kann. Wenn also bestimmte Rohstoffe verzögert oder stark verteuert lieferbar sind, sollen die Handwerker das Risiko nicht länger tragen, sondern die Preise leichter weitergeben können. "Das kann einigen Betrieben sonst das Genick brechen und zu Pleitewellen führen", sagt Thomas Malcherek, Chef der Erfurter Kammer. Tischlermeister Jacob, der Präsident der Ostthüringer Kammer, wünscht sich schnelles Handeln der Politik: "Hier sind dringend unsere Wirtschaftsminister am Zug, denn so kann es nicht weitergehen. Wir können keinen Ausverkauf in Deutschland machen, und hier können die Betriebe nicht arbeiten."

Ein Handwerker arbeitet an einer Holztür und bringt Leim auf einen kleinen Holzrahmen auf. 2 min
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MDR THÜRINGEN JOURNAL Sa 08.05.2021 19:00Uhr 02:16 min

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Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN | THÜRINGEN JOURNAL | 08. Mai 2021 | 19:00 Uhr

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