Statistisches Jahrbuch Die Thüringer werden immer weniger

Am Montag wurde in Erfurt das Statistische Jahrbuch 2021 vorgestellt. Demnach wurden in Thüringen weniger Kinder geboren, als Menschen gestorben sind. Auch der Zuzug in den Freistaat ließ nach. Für die Landespolitik ist der demografische Wandel eine große Herausforderung. Eine Trendwende ist vorerst nicht in Sicht.

Passanten laufen durch die Innenstadt in Suhl.
Suhl gehört zu den Städten in Thüringen, für die ein hoher Rückgang der Bevölkerung prognostiziert wird. Bildrechte: dpa

Die Thüringer werden immer weniger. Das geht aus dem neuen Statistischen Jahrbuch hervor, das Innenminister Georg Maier (SPD) und der Präsident des Statistischen Landesamtes, Holger Poppenhäger, am Montag vorgestellt haben.

Im vergangenen Jahr seien nur noch etwa halb so viele Kinder geboren worden, wie Menschen starben, sagte Poppenhäger am Montag in Erfurt. 2020 seien in Thüringen mehr als 30.000 Menschen gestorben, aber lediglich 16.000 Kinder auf die Welt gekommen. Das Geburtendefizit werde auch in den kommenden Jahren anhalten, lautet die Prognose.

Weniger Zuzug nach Thüringen

Laut Poppenhäger zogen im vergangenen Jahr rund 47.000 Menschen nach Thüringen, 13 Prozent weniger als vor der Corona-Krise. Gleichzeitig hätten knapp 46.000 Thüringer ihre Koffer gepackt - in der Regel für eine Arbeitsstelle oder Ausbildung anderswo. Unter dem Strich habe diese Wanderungsbewegung Thüringen ein Plus von etwa 1.400 Einwohnern gebracht. Mitte dieses Jahres lebten etwa 2,113 Millionen Menschen im Freistaat, ermittelten die Statistiker.

Demografischer Wandel als politische Herausforderung

Innenminister Maier bezeichnete den demografischen Wandel als eine der größten Herausforderungen, vor denen Thüringen und die Landespolitik stünden. Möglicherweise könne der Freistaat von der Digitalisierung und dem Trend zum Homeoffice profitieren. "Man muss nicht mehr dort wohnen, wo man arbeitet", sagte Maier mit Blick auf die Weggezogenen in benachbarten Bundesländern.

Wir müssen Thüringen für junge Familien attraktiver machen.

Georg Maier (SPD) Thüringer Innenminister

Aufgabe sei es, für gute Lebensbedingungen auch in schrumpfenden Regionen zu sorgen. Dazu zählten etwa die medizinische Versorgung, die Pflege und die Schulen. Auch der öffentliche Nahverkehr müsse trotz schrumpfender Bevölkerung weiter funktionieren.

Keine Trendwende in Sicht

Nach Prognosen verliert ein Großteil der Thüringer Regionen in den nächsten beiden Jahrzehnten zwischen 15 bis 20 Prozent seiner Einwohner. Das gelte unter anderem für den Kyffhäuserkreis, den Kreis Hildburghausen oder den Kreis Greiz.

Die Zahl ihrer Bürger halten oder leicht um maximal zwei Prozent erhöhen können laut Prognose bis 2040 nur die Städte Erfurt und Jena. Suhl dagegen müsse einen Rückgang von fast 30 Prozent verkraften.

Quelle: MDR THÜRINGEN/cfr

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 15. November 2021 | 16:00 Uhr

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