Parteitag in Ruhla AfD-Chef Höcke bleibt in Thüringen - Brandner als Spitzenkandidat bestätigt

Der umstrittene Landesvorsitzende der AfD, Björn Höcke, kandidiert nach eigenen Worten im September nicht für den Bundestag. Stattdessen wolle er den Bundestagsabgeordneten und Spitzenkandidaten Stephan Brandner unterstützen.

Der Thüringer AfD-Vorsitzende Björn Höcke zieht nicht als Kandidat in den Wahlkampf um den Bundestag. Er sagte MDR THÜRINGEN am Rande des Parteitags am Samstag in Ruhla, dass er sich mit seiner Arbeit auf Thüringen und die Landtagswahl in diesem Jahr konzentrieren wolle, wenn sie denn stattfinde. Im Bundestagswahlkampf will Höcke nach eigener Aussage den Abgeordneten Stephan Brandner auf dem obersten Listenplatz unterstützen.

Brandner erneut Spitzenkandidat für Bundestagswahl

Brandner wurde am Samstag bei der Versammlung im Wartburgkreis als Spitzenkandidat der Thüringer AfD für die Bundestagswahl bestätigt. Knapp 75 Prozent der Delegierten stimmten für den aus Nordrhein-Westfalen stammenden Rechtsanwalt: Er erhielt 212 von 286 abgegebenen Stimmen.

Liste der AfD Thüringen für die Bundestagswahl 2021

01. Stephan Brandner
02. Jürgen Pohl
03. Michael Kaufmann
04. Torben Braga
05. Marcus Bühl
06. Robby Schlund
07. Anton Friesen
08. Jürgen Treutler
09. Sascha Schlösser
10. Markus Klimpel

(Quelle: AfD Thüringen)

Nummer Zwei auf der Thüringer AfD-Landesliste zur Bundestagswahl im Herbst ist Jürgen Pohl. Der Rechtsanwalt bekam knapp 60 Prozent der abgegebenen Stimmen. Er setzte sich in einer Kampfkandidatur gegen Michael Kaufmann durch. Pohl ist seit 2017 Mitglied des Bundestages. Kaufmann wurde anschließend auf Listenplatz drei gewählt. Der Hochschullehrer ist seit März 2020 Vizepräsident des Thüringer Landtags. Auf Platz vier wurde Landtagsabgeordneter Torben Braga gewählt. Insgesamt wurden zehn Listenplätze besetzt.

Parteitag der Thüringer AfD in Tennishalle in Ruhla im Wartburgkreis
Delegierte sitzen während des AfD-Parteitags in Ruhla in einer Tennishalle. Bei der Versammlung wurde elektronisch über die AfD_Kandidaten für die Bundestagswahl im September abgestimmt. Bildrechte: MDR/Alexander Reißland

Die Bundestagswahl ist für den 26. September geplant. Am selben Tag soll in Thüringen auch ein neuer Landtag* gewählt werden. Die gesamte AfD war im März vom Bundesamt für Verfassungsschutz als extremistischer Verdachtsfall eingestuft worden. Verfassungsschutz-Präsident Thomas Haldenwang bezeichnete Höcke als Rechtsextremisten. Zwei Tage später entschied das Verwaltungsgericht Köln, dass das Bundesamt für Verfassungsschutz die AfD vorerst nicht als rechtsextremistischen Verdachtsfall einstufen und beobachten darf. Grund ist ein noch laufendes Eilverfahren der Partei gegen den Verfassungschutz.

Der Bundestagsabgeordnete Brandner hatte 2019 Schlagzeilen gemacht, weil er als Vorsitzender des Rechtsausschusses abgewählt wurde. Die Abgeordneten der anderen Parteien im Ausschuss hatten Brandner für nicht mehr tragbar gehalten.

AfD-Bundestagsmitglied Stephan Brandner aus Thüringen
AfD-Bundestagsmitglied Stephan Brandner während des Parteitags in Ruhla: Der Spitzenkandidat stammt ursprünglich aus Nordrhein-Westfalen. Bildrechte: MDR/Alexander Reißland

* Landtagswahl: Damit es in Thüringen im September eine Landtagswahl gibt, muss das Parlament in einer Sondersitzung seine Auflösung beschließen. Als Termin dafür ist der 19. Juli vorgesehen. In den vergangenen Wochen hatte es jedoch Zweifel an den Neuwahlen gegeben - unter anderem in der CDU.

Korrekturhinweis: In einer früheren Version des Artikels hatten wir geschrieben, dass die gesamte AfD im März vom Bundesamt für Verfassungsschutz als extremistischer Verdachtsfall eingestuft worden war. Das ist zwar korrekt, allerdings entschied das Kölner Verwaltungsgericht, dass der Verfassungsschutz die AfD vorerst nicht beobachten darf. Wir haben diesen Umstand entsprechend ergänzt.

Quelle: MDR THÜRINGEN/uka/mm, dpa

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN | MDR THÜRINGEN JOURNAL | 08. Mai 2021 | 19:00 Uhr

115 Kommentare

MDR-Team vor 6 Wochen

Laut Duden besagt das Adjektiv "umstritten" ein "in seiner Gültigkeit, in seinem Wert dem Streit der Meinungen unterliegend[en]" Sachverhalt . Wir möchten damit Aussagen, dass über Björn Höcke viel und stetig diskutiert wird.

Tacitus vor 6 Wochen

@Denkschnecke, Sie verwechseln 2 Dinge. Wenn Journalisten im ÖRR Parteipolitiker einer politischen Richtung in Nachrichten ständig mit negativen Attributen versehen, dann verletzt das den Rundfunkrahmenvertrag, der den ÖRR zur politischen Ausgewogenheit verpflichtet, und es werden Nachricht mit Kommentar vermischt.
Wenn nicht pc-gerechte Beiträge im MDr-Forum nicht erscheinen, dann verletzt das meiner Meinung nach die im §5 des GG garantierte Meinungsfreiheit. (Das gilt insbesondere auch für diesen Beitrag.)
Wollte das klarstellen, man kann schon mal durcheinanderkommen.

Denkschnecke vor 6 Wochen

Ganz offenbar ist in Deutschland die Meinungsfreiheit in Gefahr. Die "Cancel Culture" ergreift das ganze Land. Jetzt darf man Herrn Höcke als Journalist schon nicht mal mehr als "umstritten" bezeichnen. Oder wie?

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