Kaum Nachwuchs Immer weniger Thüringer Buchhandlungen bilden aus - nur elf Lehrlinge erlernen "Traumberuf"

Die mehr als 70 Thüringer Buchhandlungen haben immer weniger Auszubildende. An der Gutenberg-Schule in Leipzig sind es sechs, und am Mediacampus in Frankfurt-Seckbach werden fünf Buchhändler aus Thüringen ausgebildet.

Der  20-jährige Marius Kroha aus Wendehausen im Unstrut-Hainich-Kreis lernt seit letzten August in der Buchhandlung Strecker in Mühlhausen; ausgebildet wird er auch an der Gutenbergschule in Leipzig.
Der 20-jährige Marius Kroha aus Wendehausen im Unstrut-Hainich-Kreis lernt seit letzten August in der Buchhandlung Strecker in Mühlhausen; ausgebildet wird er auch an der Gutenbergschule in Leipzig.  Bildrechte: MDR/Claudia Götze

Bücher empfehlen, entstauben, Kellnern und Kuchen verkaufen. Der Beruf des Buchhändlers wird immer vielseitiger - trotzdem gibt es auch in Thüringen immer weniger Auszubildende. Nur jede siebente der mehr als 70 Buchhandlungen im Freistaat bildet derzeit aus. Nach MDR-Informationen gibt es zurzeit elf Lehrlinge aus dem Freistaat, die an den beiden Buchhändlerschulen in Leipzig und Frankfurt-Seckbach unterrichtet werden.

Die 1853 gegründete Buchhändler-Lehranstalt an der Leipziger Gutenberg-Schule hat derzeit so wenig Buchhändler-Auszubildende wie noch nie. "Wir haben aktuell insgesamt 27 Schüler in der Fachrichtung Buchhändler; hatten aber vor Jahren bis zu drei Klassen pro Jahrgang", sagt Schulleiter Christoph Zehler. Die Schüler in Leipzig kommen aus den neuen Bundesländern und Hessen.

Abiturienten oder ehemalige Studenten machen Ausbildung

Es könnten noch mehr sein; Azubis aus Thüringer Filial-Buchhandlungen wie Hugendubel, Lehmanns oder Thalia werden seit einigen Jahren im Mediacampus im Frankfurt-Seckbach unterrichtet. Die Schule gehört dem Börsenverein des Deutschen Buchhandelsverbandes. "Jede Ausbildung ist eine Herausforderung für jede Buchhandlung", sagt Heike Haupt vom Landesverband Sachsen-Anhalt und Thüringen des Börsenvereins.

Dort sind auch 42 größere und 28 kleinere Buchhandlungen aus Thüringen organisiert; dazu kommen die Filialen großer Buchhandelsketten. Viele Buchhandlungen haben nur ein bis zwei Mitarbeiter. Die müssten zusätzlich in der Lage sein, in guter Qualität auszubilden, so Haupt. 

Vor allem Abiturienten oder ehemalige Studenten machen eine Buchhändler-Ausbildung, so Schulleiter Zehler. Bei beiden Buchmessen in Leipzig und Frankfurt/Main betreuten die Azubis eigene Stände. Grundsätzlich werde ungebrochen viel gelesen, das belegen die Absatzzahlen der Verlage. 40.000 Neuerscheinungen pro Jahr seien auch für jeden Buchhändler eine Herausforderung.

Leonie Kostrzewa, 19, aus der Eckermann- Buchhandlung Weimar gehört zu den drei Thüringer Azubis aus dem 1. Lehrjahr an der Leipziger Gutenbergschule.
Leonie Kostrzewa, 19, aus der Eckermann-Buchhandlung Weimar gehört zu den drei Thüringer Azubis aus dem 1. Lehrjahr an der Leipziger Gutenbergschule. Bildrechte: MDR/Claudia Götze

"Der Kunde lässt sich gern ausführlich beraten. Er bestellt es dann im Internet, weil er nicht am nächsten Tag noch einmal hingehen will, um das bestellte Buch abzuholen", skizziert Zehler das deutlich veränderte Kaufverhalten. Das habe wirtschaftliche Auswirkungen; deshalb werde weniger ausgebildet und seit zehn Jahren vieles andere wie Kaffee, Kuchen oder Geschenke mitverkauft. 

Viele Buchhändler bilden nicht aus  

Der Wendehäuser Marius Kroha ist nach einem Schulpraktikum in der 11. Klasse auf die Idee gekommen, eine Lehre als Buchhändler zu machen. Dem 20-Jährigen hat der Kontakt zu den Menschen gefallen; außerdem hat er eine neue Beziehung zu Büchern erhalten. Der Beruf sei passend, weil er "Technik nicht kann". Neben seiner Ausbildung zum Buchhändler muss er in seiner Ausbildungs-Buchhandlung auch kellnern, Staub wischen, Staub saugen.

Wie viele Buchhandlungen haben sich Christian und Heike Strecker vor zwei Jahren mit einem Café in ihrer Mühlhäuser Buchhandlung ein zweites Standbein geschaffen; davon profitiert auch Marius. "Viele Buchhändler kommen gar nicht auf die Idee, jemanden auszubilden", sagt Heike Strecker. Der "tolle Ausbildungsberuf" sei aber finanziell nicht so attraktiv und einfach nicht so bekannt, vermutet sie. Außerdem werde nicht genug Werbung gemacht.

Für die Mühlhäuser Buchhändler Heike und Christian Strecker ist Marius Kroha der erste Lehrling; nach einem Praktikum haben sie ihm den Ausbildungsplatz angeboten.
Für die Mühlhäuser Buchhändler Heike und Christian Strecker ist Marius Kroha der erste Lehrling; nach einem Praktikum haben sie ihm den Ausbildungsplatz angeboten.  Bildrechte: MDR/Claudia Götze

Er habe ganz viel über den Umgang mit Kunden gelernt, sagt Marius Kroha. Er entwickle eine gute Menschenkenntnis und lerne ganz viel über den Büchergeschmack der Menschen kennen - der passe manchmal gut oder falle auch ganz anders aus, als er es auf den ersten Blick vermutet hätte. Marius denkt, dass derzeit vor allem junge Menschen Bücher neu entdecken. Deshalb werde es auch weiterhin Buchhandlungen geben. Außerdem sei die Ausbildung vielseitig ausgerichtet; so dass man auch in anderen Handelsbereichen arbeiten könne.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 07. März 2021 | 13:00 Uhr

5 Kommentare

Gotha2020 vor 5 Wochen

Das stimmt so nicht. Unser kleiner Buchladen & Antiquariat hier in Gotha hat mit Corona ganz schnell einen Onlineshop aufgebaut. Dort kann ich 24 Stunden alle Bücher, DVD´s, Zeitschrifen und und und bestellen und sehe gleich ob es am nächsten Tag im Laden laden abgeholt werden kann. Bis 16.00 Uhr bestellt kann ich die meisten Bücher am nächsten Tag abholen oder es wird mir an die Haustür geliefert von meinem Buchhändler. Wenn ich will kann die lieferung auch direkt mit DHL erfolgen.
Bei Amazon kauf ich jedenfalls nix mehr!

Berliner In Thueringen vor 5 Wochen

Corona wird dafür sorgen, dass gerade die kleinen Buchhandlungen schließen werden. Die haben keine Onblineportale. Es werden der große Monopolist Amazon und ein paar große Anbietermeist (Thalia, Hugendubel) . Schade, die kleinen sind nämlich in Spezialbereich richtig fit, die kennen sich aus, die sind mit Leib und Seele dabei. Aber war solls...

The Winner ist Amazon!

Gotha2020 vor 5 Wochen

Das ist sehr schade für Sie! gerade die kleinen privat geführten Buchhandlungen haben viel zu bieten. Ich genieße es individuell betreut zu werden. Jetzt während Corona bringt mein Buchhändler mir die Bücher an die Haustür vorbei. Wenn alle nur noch online lesen oder beim großen Amaz... bestellen brauchen wir uns nicht zu wundern wenn die Innenstädte immer leerer werdenun man zukünftig jeden einzelnen Bleistift oder Radiergummi nur noch im Internet bestellen kann weil es keine Läden mehr gibt. Außerdem zahlt mein Buchhändler wie ich in Thüringen Steuern und wendet keine Steuertricks wie die großen an. Das soll kein Vorwurf sein, ich habe früher selbst fast alles im Internet bestellt. Aber mal drüber nachdenken ob man nicht auch die Händler vor Ort unterstützen kann.

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