Kommunales Bürgermeister-Wahlen in Thüringen: Die Ergebnisse im Überblick

Bei den Bürgermeister-Wahlen in Thüringen hat die große Stunde der Einzelbewerber, Wählervereinigungen und kleineren Parteien geschlagen. Etablierte Parteien spielten keine große Rolle. Die Ergebnisse im Überblick.

Eine Wahlhelferin sortiert Stimmzettel
Am Sonntag wurde in 318 Thüringer Orten ein neuer Bürgermeister oder eine neue Bürgermeisterin gewählt. Bildrechte: dpa

Einzelbewerber, lokale Wählervereinigungen und kleinere Parteien stellen in Thüringen rund 76 Prozent der neu gewählten Amtsträger. Nur 20 Prozent der am Sonntag frisch gewählten Kandidaten stellt die CDU, jeweils ein bis zwei Prozent stellen SPD und Linke. Zwei von sieben hauptamtlichen Bürgermeisterposten müssen per Stichwahl entschieden werden.

In 318 Thüringer Orten hatten etwa 210.000 Thüringerinnen und Thüringer die Wahl gehabt. Neben sieben hauptamtlichen und 318 ehrenamtlichen Kommunalvertretern waren auch 117 Ortschafts- und Ortsteilbürgermeister zu wählen. Die Ergebnisse im Überblick:

Hauptamtliche Bürgermeister:

In Sonneberg haben die Wähler den bisherigen Bürgermeister Heiko Voigt (pl) mit 66,2 Prozent der Stimmen im Amt bestätigt. Zweitplatzierte ist Uta Bätz von der CDU mit 20,4 Prozent. Thomas Heine für die Linke erhielt 9,1 Prozent der Stimmen. Die parteilose Einzelkandidatin Regina Müller kam auf 4,1 Prozent. Die Wahlbeteiligung lag bei rund 44 Prozent. CDU-Bundesparteichef Friedrich Merz war erst vergangene Woche in die Kreisstadt gereist und hatte noch versucht, Bätz dort den Rücken zu stärken.

Bürgermeister Dr. Heiko Voigt (57) vor dem Rathaus
Sonnebergs wiedergewählter Bürgermeister Heiko Voigt. Er setzte sich gegen die CDU-Kandidatin durch, die auch von CDU-Parteichef Friedrich Merz unterstützt wurde. Bildrechte: IMAGO / Steve Bauerschmidt

In Leinefelde-Worbis kommt es zu einer Stichwahl am 26. Juni. Wie Wahlleiter Jürgen Unger MDR THÜRINGEN sagte, tritt Amtsinhaber Marko Grosa (CDU) gegen Christian Zwingmann (pl) an. Grosa erreichte 41,1 Prozent der Stimmen, Zwingmann 25,9. Insgesamt drei Herausforderer hatten sich mit Grosa zur Wahl gestellt.

Marko Grosa, 2018
Muss in Leinefelde-Worbis in die Stichwahl: Marko Grosa. Bildrechte: IMAGO / Karina Hessland

Auch im Amt Wachsenburg im Ilm-Kreis ist eine Stichwahl nötig. Im ersten Wahlgang bekam Matthias Eschrich, der gemeinsame Kandidat von CDU und dem Verein "Bürger aktiv", 48 Prozent der Stimmen. Auf Sebastian Schiffer, Kandidat von "Freie Wachsenburger Straßen-Schulen-Bürger" und Grüne, entfielen 42 Prozent.

In Dermbach im Wartburgkreis ist Thomas Hugk von der CDU mit 87,2 Prozent wieder zum Bürgermeister gewählt worden. Hugk war der einzige Kandidat und bekam rund 87 Prozent der gültigen Stimmen. An der Wahl beteiligten sich etwa ein Drittel der rund 6.150 Wahlberechtigten. Davon gaben zehn Prozent ungültige Wahlzettel ab. Knapp 13 Prozent schlugen andere Kandidaten vor, die allerdings maximal 24 Stimmen erhielten.

Die Stadt Werra-Suhl-Tal hat mit Maik Klotzbach einen neuen Bürgermeister. Der 37-Jährige erhielt 69,7 Prozent der Stimmen. Der stellvertretende Kreisvorsitzende der SPD war als Einzelkandidat angetreten. Lars Bergmann von der CDU erhielt 27,5 Prozent der Stimmen.

In Kranichfeld im Weimarer Land heißt der neue Bürgermeister Jörg Bauer, der für die Wählergruppe "Aktiv für Kranichfeld" kandidiert hatte. Der 48-jährige Berufssoldat, der nach eigenen Angaben der SPD angehört, setzte sich mit 88,2 Prozent deutlich gegen Thomas Torsten Jäger von der CDU durch.

In Wasungen, im Kreis Schmalkalden-Meiningen, ist Thomas Kästner mit 97 Prozent wiedergewählt worden. Kästner war als einziger Kandidat angetreten.

Schild mit Aufschrift "Wahllokal" auf einem Stuhl auf einem leeren Platz.
Nicht zu verfehlen: das Wahllokal in Dermbach. Bildrechte: MDR/Isabelle Fleck

Bürgermeister im Ehrenamt. Der Blick in die Thüringer Regionen

Die Erfurter Ortsteile Waltersleben und Berliner Platz haben neue ehrenamtliche Ortsteilbürgermeister. Wie die Stadt mitteilt, haben in Waltersleben Bianca Rudolph von der CDU und am Berliner Platz Klaus-Werner Fischer von der Linken die Wahl für sich entschieden. Ihre Vorgänger hatten ihre Ämter aus persönlichen Gründen niedergelegt. Bianca Rudolph erreichte in Waltersleben 77,3 Prozent der Stimmen. Klaus-Werner Fischer kam mit sicherem Abstand auf 60,7 Prozent. Beide hatten jeweils einen Gegenkandidaten. In Tottleben wurde Jens Scheidig als Bürgermeister mit knapp 83 Prozent gewählt.

In den Orten Geismar, Uder und Küllstedt im Eichsfeld bleiben die langjährigen CDU-Bürgermeister im Amt. Martin Kozber aus Geismar und Gerhard Martin aus Uder hatten bei der Wahl am Sonntag keinen Gegenkandidaten; sie kamen auf 85 beziehungsweise 98 Prozent der Stimmen. Auch die CDU-Landtagsabgeordnete Christina Tasch aus Küllstedt wurde mit 74 Prozent der Stimmen wiedergewählt. Gegenkandidat Christopher Drößler von der AfD kam auf 26 Prozent. In Gernrode setzte sich Sebastian Windolph (FWG) als neuer Bürgermeister gegen Christiane Farke (CDU) durch. In Geisleden siegte Marion Frant (CDU) mit 94,9 Prozent. Im Eichsfeld gab es insgesamt 45 Bürgermeister-Wahlen, bei acht davon gibt es in zwei Wochen Stichwahlen, weil keiner der Kandidaten mehr als 50 Prozent der Stimmen erhalten hatte.

Zehn ehrenamtliche Bürgermeister aus dem Kyffhäuserkreis sind schließlich bei der Wahl im Amt bestätigt worden. Wieder vorn lagen unter anderem Sebastian Koch aus Gehofen, Maik Steinacker aus Niederbösa und Denis Kiel aus Rockstedt. Uwe Ludwig aus Kalbsrieth erreichte bei seiner Wiederwahl mit 99,2 Prozent das beste Ergebnis. In Oberbösa hat mit Steffen Köhne der bisherige stellvertretende Bürgermeister mit 71 Prozent der Stimmen gegen Amtsinhaber Jens Steinacker gewonnen.

Der Chef der Verwaltungsgemeinschaft Bad Tennstedt, Thomas Frey, ist zum Bürgermeister von Wundersleben im Nachbarkreis Sömmerda gewählt worden. Bei seiner ersten Kandidatur als ehrenamtlicher Bürgermeister bekam Frey 58 Prozent der Stimme; Heldgard Bierbach von der CDU erreichte 42 Prozent. Der 55-Jährige Frey trat für die Faschingsfreunde Wundersleben an; seit 2016 leitet er hauptamtlich die Verwaltungsgemeinschaft Bad Tennstedt.

Im Unstrut-Hainich-Kreis sind acht ehrenamtliche Bürgermeister wiedergewählt worden. Nach dem vorläufigen Ergebnis bleiben in Bad Tennstedt und Rodeberg die CDU-Bürgermeister Jens Weimann und Klaus Zunke-Anhalt im Amt. Von den Wählern bestätigt wurden auch Jörn Sola in Blankenburg, Marko Wartmann in Großvargula, Denis Voigt in Haussömmern, Roland Schmöller in Urleben und Joachim Haase in Altengottern. Mit neun Stimmen Vorsprung vor Ralf Schwarzkopf konnte Jan Behner aus Kirchheilingen erneut gewinnen. In Hornsömmern muss Bürgermeister Heinz Schröder in die Stichwahl; er hat 48,5 Prozent der Stimmen erreicht, sein Herausforderer Andy Gröger dagegen 37,1 Prozent.

Generationenwechsel in Katzhütte: Nach 28 Jahren hat die Gemeinde in Saalfeld-Rudolstadt eine neue Bürgermeisterin. Dem vorläufigen Ergebnis zufolge holte die gelernte Wirtschaftskauffrau Ramona Geyer die meisten Stimmen. Sie erhielt rund 53 Prozent der Stimmen. Der bisherige Bürgermeister von Katzhütte, Wilfried Machold, trat aus Altersgründen nicht noch einmal Wahl an. Die Wahlbeteiligung lag bei rund 71 Prozent. Zur Wahl hatte sich auch Gemeinderatsmitglied Michael Zimmer gestellt. Er erhielt rund 47 Prozent der Stimmen.

In Ranis im Saale-Orla-Kreis ist Stadtratsmitglied Marcus Pavel (Freie Wähler) zum neuen ehrenamtlichen Bürgermeister gewählt worden. Pavel erhielt rund 74 Prozent der Stimmen. Er löst damit den langjährigen Bürgermeister Andreas Gliesing (Gewerbeverein) ab. Gliesing war fast 30 Jahre lang im Amt. Er hatte nicht mehr kandidiert. Ranis gehört zur Verwaltungsgemeinschaft Ranis-Ziegenrück. In Ziegenrück wurde Betriebswirt Chris Lange zum neuen ehrenamtlichen Bürgermeister gewählt. Er löst Horst Maschke (parteilos) ab, der zwei Amtszeiten lang Bürgermeister war.

In Goldisthal im Landkreis Sonneberg entscheidet erst eine Stichwahl über den neuen Bürgermeister. Keiner der drei Kandidaten konnte eine Mehrheit auf sich vereinen. Die Kandidaten Rocco Elsmann und Kay Machold treten bei dem Wahltermin in zwei Wochen erneut gegeneinander an. Elsman erhielt nach dem vorläufigen Ergebnis 45,6 Prozent der Stimmen. Machold kam auf 39,8 Prozent. Die Wahlbeteiligung lag bei 82,9 Prozent. Marion Knispel als dritte Kandidatin kam auf 14,6 Prozent und ist damit aus dem Rennen. Amtsinhaber Rainer Girbarth (pl) war nicht mehr angetreten.

Die Rhöndörfer Mehmels und Oberkatz (Landkreis Schmalkalden-Meiningen) haben auch ohne offizielle Kandidaten ihre Bürgermeister gewählt. Laut Statistischem Landesamt stimmten in Mehmels knapp 63 Prozent der Wahlberechtigten für den bisherigen Amtsinhaber René Gramann. Sie schrieben seinen Namen auf die Wahlzettel. Gramann, der keine Partei vertritt, sagte MDR THÜRINGEN, er nehme die Wahl an, auch wenn er nicht erneut angetreten sei. In Oberkatz wählten 80 von 118 Stimmberechtigten Detlef Nicolmann. Er hatte sich ohne offizielle Kandidatur erst in den vergangenen Tagen für das Amt des Ortsteilbürgermeisters ins Gespräch gebracht. In der Verwaltungsgemeinschaft Hohe Rhön tagt der Wahlausschuss am späten Montagnachmittag. Danach ist es an Nicolmann, die Wahl anzunehmen. Für Oberkatz war es schon die zweite Ortsteilsbürgermeisterwahl in Folge ohne Kandidaten. Das rund 270 Einwohner zählende Dorf ist ein Ortsteil der Stadt Kaltennordheim.

Bürgermeister-Wahlen: der Älteste, die Jüngste und ein gescheiterter Extremist

In Kloster Veßra im Kreis Hildburghausen hat Wolfgang Möller sein Amt verteidigt, er erreichte einen Stimmenanteil von 70,9 Prozent. Sein Gegenkandidat - der vom Thüringer Verfassungsschutz als Rechtsextremist geführte Tommy Frenck - verlor die Abstimmung klar; er vereinte 29,1 Prozent der abgegebenen Stimmen auf sich, wie das Landesamt für Statistik mitteilte. Die Wahlbeteiligung in dem Ort lag bei 83,4 Prozent.

In Lenterode im Eichsfeldkreis ist der mit 82 Jahren älteste Bürgermeisterkandidat der diesjährigen Thüringer Kommunalwahlen mit exakt 82 Prozent der Stimmen in sein Amt wiedergewählt worden: Von 100 gültigen Stimmen entfielen 82 auf Albert Herold. Er hatte keinen Gegenkandidaten - mit den 18 anderen Stimmen wurden also wählbare Personen aus dem Ort auf dem Wahlzettel eingetragen.

In Oechsen (Wartburgkreis) freut sich die jüngste Bewerberin um ein Bürgermeisterinnenamt in Thüringen über ihren Wahlsieg: Die 24-jährige Sina Römhild erhielt 84,1 Prozent der abgegebenen gültigen Stimmen.

100 Prozent für sieben Kandidaten

Während die Wahl in einigen Gemeinden knapp ausging, schafften es sieben Kandidaten in Thüringen, 100 Prozent der abgegebenen gültigen Stimmen auf sich zu vereinen: Jörg Kirchner in Lipprechterode (Kreis Nordhausen), Hartmut Fuchs in Rattelsdorf (Saale-Holzland-Kreis), Karsten Rücknagel in Schöps (Saale-Holzland-Kreis), Reiner Hartung in Tissa (Saale-Holzland-Kreis), Lutz Mordt in Keila (Saale-Orla-Kreis), Tino Riemschneider in Paska (Saale-Orla-Kreis) und Andreas Weber in Lederhose (Landkreis Greiz).

In insgesamt 26 Gemeinden sind Stichwahlen erforderlich. Die gesamten Ergebnisse der Bürgermeisterwahl 2022 in Thüringen können auf dieser Seite des Landesamtes für Statistik abgerufen werden.

MDR (mm,rom), dpa

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN | MDR THÜRINGEN JOURNAL | 12. Juni 2022 | 19:00 Uhr

13 Kommentare

DER Beobachter vor 15 Wochen

Ach, Hermannisierer + Daumengeber: Auch hier in Sachsen gabs ja sogar noch mehr richtungsweisendere Wahlen in diversen mehr Kreisen und Gemeinden am letzten Sonntag. Die AgD, "Freie" Sachsen etc. blieb überall entgegen ihrer Erwartungen und Hoffnungen und der Befürchtungen ihrer Kritiker weit unter den Erwartungen. Der Wähler vor Ort schaut halt lieber genauer hin...

Deputy vor 15 Wochen

@GuterMensch
Auch hier offenbaren Sie uns wieder Ihren mangelnden Durchblick. Nach "anderen Wahlkämpfen" geht es meistens um die Bildung von Koalitionen. Da können 20 % durchaus einen wesentlichen Mit-Gestaltungsanspruch begründen (sofern man nicht als AfD im Abseits steht). Bei der Wahl des Landrats oder des Bürgermeisters ist ein Amt an eine Person zu vergeben. Da zählt am Ende nur die absolute Mehrheit, also eine Zustimmung von mehr als 50 %.

GuterMensch vor 15 Wochen

@Ludwig58, wenn Parteien in anderen Wahlkämpfen so um 20% liegen sprechen sie von Erfolgen das sich ein Großteil der Wähler für ihre Politik ausgesprochen hat, nur mal so als Beisspiel !

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