Kommunales Mehr als 200.000 Thüringer zur Wahl eines Bürgermeisters aufgerufen

Fast 450 haupt- und ehrenamtliche Bürgermeister werden an diesem Sonntag in Thüringen gewählt. Zur Stimmabgabe aufgerufen waren rund 210.000 Wahlberechtigte ab 16 Jahren. Am Nachmittag lag die Wahlbeteiligung bei knapp 40 Prozent. Die Briefwahlquote ist deutlich gestiegen.

Frau an einer Wahlurne
Rund 210.000 Bürgerinnen und Bürger ab 16 Jahren sind aufgerufen, am Sonntag in Thüringen zu wählen. Bildrechte: Colourbox.de

Zehntausende Thüringerinnen und Thüringer konnten an diesem Sonntag bis 18 Uhr ihren Bürgermeister wählen. Bis 16 Uhr hatten etwa 39 Prozent der Wahlberechtigten ihre Stimme abgegeben. Das teilte das Landesamt für Statistik auf Basis einer Stichprobe mit ausgewählten Wahlbezirken mit. Das Zwischenergebnis bis zum frühen Nachmittag war identisch mit dem des Jahres 2016. Bei den Kommunalwahlen vor sechs Jahren hatte die Wahlbeteiligung am Schluss bei 52,4 Prozent gelegen. Rund 210.000 Wahlberechtigte in Thüringen waren an diesem Sonntag aufgerufen, ihre Stimme abzugeben.

Neben sieben hauptamtlichen und 318 ehrenamtlichen Kommunalvertretern waren auch 117 Ortschafts- und Ortsteilbürgermeister zu wählen. Landräte und hauptamtliche Bürgermeister stehen dann regulär in zwei Jahren zur Wahl, wie der Landeswahlleiter im Vorfeld mitteilte.

Zumeist ehrenamtliche Bürgermeister gewählt

Schild mit Aufschrift "Wahllokal" auf einem Stuhl auf einem leeren Platz.
Bis 14 Uhr hatten knapp 30 Prozent der Wahlberechtigten ihre Stimme abgegeben. Bildrechte: MDR/Isabelle Fleck

Gewählt wurde in den Gemeinden, in denen die Amtszeit der meist ehrenamtlichen Bürgermeister zum 30. Juni ausläuft. Insbesondere im Saale-Holzland-Kreis (67 Gemeinden), im Eichsfeld (49) und im Saale-Orla-Kreis (33) wurde in besonders vielen Gemeinden abgestimmt. Im Landkreis Greiz hingegen wurde nur in sechs von insgesamt 45 Gemeinden gewählt. In Nordhausen waren es fünf und in Sonneberg zwei.

In 224 Gemeinden stand am Sonntag nur ein Bewerber auf den Stimmzetteln - und in 22 überhaupt keiner. Dort konnten die Wählerinnen und Wähler den Namen ihres Wunschkandidaten eintragen. Sollte jemand auf diesem Wege die meisten Stimmen auf sich vereinen, besteht jedoch die Möglichkeit, die Wahl abzulehnen (mehr dazu in folgendem Audio-Beitrag).

Frauenquote ist etwas gestiegen

Parteipolitisch lässt sich von den Wahlen am Sonntag wenig ableiten: Unter den im Landtag vertretenen Parteien stellt lediglich die CDU mit 53 Bewerberinnen und Bewerbern einen größeren Anteil an Kandidaten. Von den insgesamt 406 Kandidaten für ein Bürgermeisteramt sind 340 Einzelbewerber oder bei anderen Parteien. Die Frauenquote liegt bei 18,7 Prozent und damit etwas höher als bei der letzten Bürgermeisterwahl 2016.

Kandidatur von Rechtsextremistem sorgt für Diskussion

Für Gesprächsstoff sorgt die Kandidatur des Thüringer Rechtsextremisten Tommy Frenck in der 300-Seelen-Gemeinde Kloster Veßra (Kreis Hildburghausen). Sollte dieser die Wahl gegen Amtsinhaber Wolfgang Möller gewinnen, bleibt abzuwarten, ob er sein Amt annehmen kann.

Die Thüringer Innenstaatssekretärin Katharina Schenk hatte im Vorfeld gesagt, im Falle eines Wahlerfolgs Frencks verbiete das Kommunalwahlgesetz, dass er sein Amt antrete, da er sich nicht auf dem Boden der demokratischen Grundordnung bewege. Frenck kündigte daraufhin rechtliche Schritte dagegen an.

Briefwahlquote gestiegen

Eine Umfrage bei ausgewählten Gemeinden hat nach Angaben des Landesamtes für Statistik vier Tage vor der Wahl ergeben, dass rund 10,9 Prozent der Wahlberechtigten die Briefwahlunterlagen angefordert haben. Dies sind mehr als doppelt so viele wie zu den Bürgermeisterwahlen im Jahr 2016 (4,6 Prozent).

MDR (dpa/rom)

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 09. Juni 2022 | 22:00 Uhr

5 Kommentare

camper21 vor 15 Wochen

Ich verstehe nicht, warum überhaupt noch Ortsteilbürgermeister gewählt werden. Entscheidungen können sie ohne Absprache mit dem Oberbürgermeister eh nicht treffen. Viele Ortsteile haben gar keinen Bürgermeister mehr, brauchen sie auch nicht, kostet nur Geld.

Erichs Rache vor 15 Wochen

@MDR-Redaktion

Ist bekannt.
Wer möchte schon in seiner Gemeinde der Löffel sein, der ehrenamtlich "die Suppe auslöffelt" die auf Landkreis- und/oder Landesebene eingeschenkt wird?

Erichs Rache vor 15 Wochen

"In 224 Gemeinden wird am Sonntag nur ein Bewerber auf den Stimmzetteln stehen - und in 22 überhaupt keiner."?????

Was ist denn da los?
Fachkräftemangel???

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