Zum Buga-Start Drei Gründe, warum Thüringen ein Land des Gartenbaus ist

Redakteurin Teresa Herlitzius in drei verschiedenen Aktionen.
Bildrechte: MDR/Daniela Dufft

Die Buga 2021 in Erfurt steht in den Startlöchern. Für das Gartenbau-Land Thüringen ist das ein Fest. Doch warum gilt Thüringen überhaupt als Land des Gartenbaus? Landeshistoriker Steffen Raßloff kennt sich mit der Thüringer Geschichte aus und hat u.a. zur Geschichte der Blumenstadt Erfurt geforscht. Im Interview nennt er drei Gründe, warum Thüringen ein Land des Gartenbaus ist.

#1: Thüringen ist die Heimat der Gartenschauen

Die Gartenschauen kommen aus Thüringen, sagt Historiker Steffen Raßloff. 1865 trafen sich in Erfurt erstmals Gartenexperten aus Deutschland und der Welt zur "Ur-Buga", wie er es nennt. Die "Allgemeine deutsche Ausstellung von Produkten des Land- und Gartenbaues" war damals "spektakulär". Erste Vorläufer der größeren Gartenschauen gab es bereits in den 1830er-Jahren.

#2: Die Blumenstadt Erfurt ist eine Metropole des Gartenbaus

Erfurt blickt auf eine lange Gartenbau-Tradition zurück, erklärt Raßloff. Durch die günstige Lage am südlichen Rand des Thüringer Beckens mit seiner fruchtbaren Schwarzerde konnten viele Pflanzen hier besonders gut angebaut werden. Darunter war vor allem im Mittelalter der Waid, der Erfurt im wahrsten Sinne des Wortes stinkreich gemacht hat. Denn um die Farbe aus dem Waid zu erhalten, wurde er mit Urin fermentiert.

Um 1900 erhielt Erfurt den Beinnamen "Blumenstadt", einfach weil die Stadt zu dieser Zeit Weltmarktführer im Bereich des Saatguts und der Samenzucht war. Diesen immensen internationalen Erfolg hatte Erfurt geschäftstüchtigen Thüringern zu verdanken, deren Familiendynastien zum Teil bis heute noch existieren. Zu ihnen gehören Christian Reichart, Ernst Benary, Friedrich Haage, Johann Christoph Schmidt, Franz Carl Heinemann und Niels Lund Chrestensen.

#3: Fruchtbarer Boden macht Gartenbau-Tradition erst möglich

Die Gartenbau-Tradition in Thüringen kann bis ca. 5.500 v.Chr. zurückverfolgt werden, erklärt Raßloff. Bereits damals war es der fruchtbare Boden im Thüringer Becken, der den Ackerbau und damit Siedlungen ermöglichte. Von der fruchtbaren Schwarzerde profitierte nicht nur Erfurt, sondern beispielsweise auch Bad Langensalza und Gotha, wo im Mittelalter ebenfalls Waid angebaut wurde.

Dr. Steffen Raßloff Historiker Dr. Steffen Raßloff ist gebürtiger Erfurter. Er ist Autor von "Blumenstadt Erfurt. Waid – Gartenbau – iga/egapark", "Geschichte Thüringens" und "Erfurt. 55 Highlights aus der Geschichte".

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR THÜRINGEN JOURNAL | 19. April 2021 | 05:00 Uhr

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