Bundeswehr Landeskommando-Kommandeur: Sehe keine Notwendigkeit für Wehrpflicht

Porträt Autor Dirk Reinhardt
Bildrechte: MDR/Dirk Reinhardt

Der Kommandeur des Bundeswehr-Landeskommandos Thüringen, Georg Oel, sieht die Debatte um eine Wiedereinführung der Wehrpflicht skeptisch. Die Bundeswehr verfüge gar nicht über die notwendigen Strukturen und Ressourcen, um Wehrpflichtige derzeit einziehen zu können, sagte der Oberst MDR THÜRINGEN.

Das betreffe beispielsweise die Ausbildung von Soldaten. Diese dauere bis zu zwölf Monate - und dann müsse der Wehrpflichtige die Bundeswehr möglicherweise schon wieder verlassen. "Wir sind professionell geworden mit unserer Freiwilligenarmee und das ist gut so." Er sehe weder die Notwendigkeit noch die militärische Zweckmäßigkeit für eine Wehrpflicht.

Bessere Ausstattung ist wichtiger

Im Zusammenhang mit dem Krieg in der Ukraine ist in den vergangenen Wochen in der Politik der Ruf nach Wiederbelebung der 2011 ausgesetzten Wehrpflicht in Deutschland laut geworden. Oel sagte, für die Bundeswehr stehe eine bessere Ausstattung im Vordergrund. Das betreffe vor allem die persönliche Ausstattung der Soldatinnen und Soldaten. Es fehle beispielsweise an modernen Helmen, Schutzwesten und Nachtsichtgeräten.

Oberst Georg Oel, Kommandeur Bundeswehr-Landeskommando Thüringen
Oberst Georg Oel, Kommandeur des Bundeswehr-Landeskommandos Thüringen Bildrechte: MDR/Reinhard Müller

Einberufung von Reservisten derzeit nicht notwendig

Auch Reservisten müssten derzeit nicht damit rechnen, wegen der Ukraine-Krise eingezogen zu werden. Zwar gebe es durchaus Reservisten, "die sich bewerben und Gewehr bei Fuß stehen wollen". Es bestehe aber keine Notwendigkeit, sie einzuberufen.

Das Landeskommando Thüringen ist vor allem für die militärisch-zivile Zusammenarbeit in Katastrophenfällen zuständig. In den vergangenen zwei Jahren waren zahlreiche Bundeswehr-Soldatinnen und Soldaten im Corona-Hilfseinsatz in Behörden und medizinischen Einrichtungen tätig. Koordiniert wird dieser Einsatz unter anderem durch sogenannte Kreisverbindungskommandos der Bundeswehr in Landkreisen und kreisfreien Städten.

Außerdem ist dem Landeskommando eine Heimatschutzkompanie mit 120 Reservisten zugeordnet. Diese kann bei Bedarf für Sicherungsaufgaben, etwa im Objektschutz von Kasernen herangezogen werden. Der Dienst als Reservist sei grundsätzlich freiwillig, sagte Oel.

100 Milliarden Euro für die Bundeswehr

Die Bundeswehr soll 100 Milliarden Euro Sondervermögen für Investitionen und Rüstungsvorhaben erhalten. Das hatte Bundeskanzler Olaf Scholz Ende Februar angekündigt. Was genau mit dem Geld passieren soll, erklärt Johannes Peters vom Institut für Sicherheitspolitik in Kiel im Radio-Interview mit MDR THÜRINGEN.

MDR (dr)

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Fakt ist! | 21. März 2022 | 22:05 Uhr

76 Kommentare

Lavendel vor 35 Wochen

@part
Und wo sehen sie das Problem bei Wehrpflichtigen? Selbstverständlich können die auch zur Bündnisverteidigung eingesetzt werden. Machen sie sich einfach einmal schlau!

Die Frage ist doch eher, was will man mit eine Wehrpflicht erreichen und bringt das Erreichte dann wirklich etwas in Bezug auf die Ausbildungsnähe und den Einsatzwert.

PS:
Schon wieder so ein Verfassungsexperte der keine Ahnung vom Grundgesetz hat. Sie sind sicher nicht kompetent um Art 87a GG aus verfassungsrechtlicher Sicht zutreffend zu kommentieren

martin vor 35 Wochen

@tacitus: Das sehe ich für eine Parlamentsarmee einer Demokratie anders. Der Verteidigungsminister leitet zunächst einmal eine ziemlich große Behörde mit vielfältigen Aufgaben. Für die Fachkenntnisse gibt es die Fachleute. Für die militärischen Aufgaben gibt es insb. die Stäbe.

Und da finde ich es völlig richtig, dass der Chefsessel nicht von einem Ex-General ausgefüllt wird.

martin vor 35 Wochen

@ines w: Die Kritiker an der Sanierung der Gorch Fock bestreiten (meist) nicht den Nutzen eines Großseglers für die Kadettenausbildung. Sie bemängeln neben den Kosten insbesondere das Vorgehen. Richtig wäre gewesen, dass zunächst erst einmal eine ordentliche Bestandsaufnahme / Schadensanalyse durchgeführt worden wäre, um wenigstens eine halbwegs belastbare Größenordnung für die Instandsetzung zu erhalten. Und auf der Basis dann über Instandsetzung, Neubau , Kauf oder Charter zu entscheiden. Der - meiner Meinung nachvollziehbare - Vorwurf lautet ja, dass der tatsächliche Zustand bewusst verschleiert wurde, weil die instandsetzung von den Traditionalisten gesetzt wurde - koste es, was es wolle.

Mehr aus Thüringen

Wissenschaftsnacht im Leibniz-Institut für Photonische Technologien 2 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK