Bundeswehr Amtsantritt in Krisenzeit: Landeskommando Thüringen hat seit März neuen Chef

Porträt Autor Dirk Reinhardt
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Seit gut 100 Tagen wird das Landeskommando Thüringen der Bundeswehr von einem neuen Chef geführt: Oberst Georg Oel trat sein neuen Posten in Erfurt im März an. Zu seinen Aufgaben gehört die zivil-militärische Zusammenarbeit - und die spielte wegen der Coronakrise gleich eine zentrale Rolle für den 60-Jährigen.

In Zeiten von Corona fällt auch bei der Bundeswehr die Übergabe des Staffelstabes nur in kleinem Rahmen aus. Anstelle des geplanten Festaktes mit 200 geladenen Gästen im Rathaus zu Erfurt gab es für Oberst Georg Oel am 18. März zur Übernahme seines neuen Kommandos nur ein kleines Zeremoniell mit Vorgänger Norbert Reinelt und kommandierendem General.

Oberst Georg Oel, Kommandeur Bundeswehr-Landeskommando Thüringen
Oberst Georg Oel Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Im Gespräch mit MDR THÜRINGEN lässt es sich der neue Chef des Landeskommandos Thüringen der Bundeswehr nicht anmerken, ob er darüber traurig war. Ohnehin gab es für ihn in den ersten 100 Tagen auf seinem neuen Dienstposten im Landeskommando wohl Wichtigeres. Das Coronavirus griff auch im Freistaat um sich und bei der Bundeswehr trudelten nach und nach immer mehr Hilfsersuchen aus der Landesverwaltung und den Kommunen ein. Im Rahmen der zivil-militärischen Zusammenarbeit im Katastrophenfall kann die Bundeswehr zivile Stellen mit Personal und Technik unterstützen - auf Antrag und unter bestimmten, juristisch genau definierten Voraussetzungen.

"Wir haben unsere Verbindungskommandos aktiviert, und zwar dort, wo die zivilen Stellen die Krisenstäbe aktiviert haben." Im Innenministerium, im Landesverwaltungsamt und in acht Landkreisen und Kreisfreien Städten arbeiteten Soldatinnen und Soldaten der Truppe mit, berieten, stellten logistische und personelle Hilfe bereit. So halfen Bundeswehr-Sanitäter in Gera an einer mobilen Corona-Teststation aus, in Sonneberg und anderen Kommunen beteiligten sich Soldaten später auch an der Ermittlung von möglichen Risikopersonen, die mit Infizierten Kontakt hatten.

Ein Mann in einem Ganzkörperanzug und ein Bundeswehrsoldat und ein Auto sind in dem sogenannten Corona-Test-Drive-In in Gera zu sehen.
Mobile Corona-Test-Station in Gera Bildrechte: dpa

Manchen Antrag zur Hilfeleistung lehnte das Territorialkommando der Bundeswehr in Berlin ab. So etwa die erbetene Lieferung von doppelwandigen Zelten nach Jena oder den Wachdienst in der Erstaufnahmestelle für Flüchtlinge in Suhl im April. Später kamen dann doch noch zehn Soldaten in Suhl zum Einsatz und halfen unter anderem beim Renovieren und Einrichten von Unterkünften in der Erstaufnahmestelle.

"Es war jeder froh, dass wir geholfen haben"

Im Gespräch über die Arbeit der Bundeswehr hebt Oel die Reservisten, also ehemaligen Soldaten und Soldatinnen hervor, die wochenlang vor allem in Krisenstäben arbeiteten - ehrenamtlich. "Die wurden alle von ihren Arbeitgebern für diese Zeit freigestellt", betont der Kommandeur.

Die Hilfe der Bundeswehr werde geschätzt, meint Oel und verweist auf Gespräche mit dem Thüringer Ministerpräsidenten Bodo Ramelow und zahlreichen Landräten und Oberbürgermeistern in den vergangenen Wochen. "Es war jeder sehr, sehr froh, dass wir geholfen haben, dass wir uns engagiert haben, dass wir sie beraten haben", sagt er. Die Bundeswehr habe letztlich dabei geholfen, "hier in Thüringen Leben zu retten".

Auch auf diplomatischem Parkett im Einsatz

Das Kommando in Erfurt ist voraussichtlich der letzte Dienstposten in der Karriere des 60-jährigen Offiziers aus Bayern, die ihn nach langem Truppendienst bei den Gebirgsjägern auch ins Ausland führte. Im Vergleich zu Verwendungen etwa als Verteidigungsattaché in der deutschen Botschaft in Rom von 2013 bis 2016 oder als Kommandeur eines multinationalen Ausbildungsverbandes im Nordirak dürfte die Thüringer Landeshauptstadt ein eher beschaulicher Dienstort sein.

In seinem Büro in der Henne-Kaserne zeigt Oel Fotos von Terminen auf diplomatischem Parkett in Italien, von Begegnungen mit Staatslenkern und Generälen. Und von seinem Einsatz im Nordirak, wo er für die Ausbildung von kurdischen Peschmerga-Kämpfern für deren Kampf gegen die Terrororganisation Islamischer Staat (IS) verantwortlich war. Gewisse Parallelen etwa zwischen der Arbeit an der deutschen Botschaft in Italien und seinem Kommando in Erfurt sieht Oel durchaus. "Hier in Thüringen bin ich der Vertreter der Bundeswehr im Land Thüringen. Und eine vergleichbare Position hatte ich als Verteidigungsattaché in Rom auch."

Vor seinem Amtsantritt in Erfurt habe er Thüringen nur wenig gekannt, sagt Oel. Nur ein Kuraufenthalt in Masserberg und einige Besuche von Sportwettkämpfen in Oberhof. Auch in den ersten 100 Tagen auf seinem neuen Posten in Erfurt habe er  wegen der coronabedingten Einschränkungen nur wenig von Thüringen kennenlernen können. "Aber Erfurt lebt ja jetzt langsam wieder auf und vor kurzem hatte ich ein schönes Wochenende mit meiner Frau hier."

Für seine rund 80 Männer und Frauen umfassende Truppe werde es in den nächsten Wochen - je nach Corona-Lage - darum gehen, wieder langsam in den Dienstalltag zurückzukehren. Denn Abstandsregeln und Homeoffice waren auch im Landeskommando in den vergangenen Monaten an der Tagesordnung. Verschobene Ausbildungen etwa für Reservisten müssten nachgeholt, Material geprüft und gewartet werden. "Wir fahren den Grundbetrieb langsam wieder hoch."

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR THÜRINGEN JOURNAL | 26. Juni 2020 | 19:00 Uhr

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