Umfrage Kaum Grund zu Kritik: Nahverkehr zufrieden mit Elektrobussen

Weil zwei ihrer drei E-Busse keinen TÜV mehr bekommen haben, hat die Meininger Busbetriebs GmbH ihre E-Flotte aus dem Verkehr gezogen. Nach einer aktuellen Umfrage von MDR THÜRINGEN sind Thüringer Nahverkehrsgesellschaften jedoch mit ihren E-Bussen grundsätzlich zufrieden.

Ein Elektrobus an der Ladestation.
Im Großen und Ganzen sind Thüringer Busunternehmen zufrieden mit ihrer E-Flotte. Ein Kritikpunkt aber sind die hohen Ladekosten (Symbolbild). Bildrechte: imago/Udo Gottschalk

Laut der Städtischen Nahverkehrsgesellschaft Suhl/Zella-Mehlis (SNG) ist der Reparatur- und Wartungsaufwand der E-Busse nicht höher als bei den Diesel-Modellen. Gleiches berichtet das Busunternehmen Salza-Tours, das schon seit 2016 in Bad Langensalza mit E-Bussen unterwegs ist.

Im Stadtgebiet von Suhl und Zella-Mehlis fahren seit knapp anderthalb Jahren drei große E-Omnibusse. Das entspricht rund zehn Prozent der Flotte.

Erwartungen zum Teil übertroffen

In Teilen übertreffe die Leistung der Fahrzeuge sogar die Erwartungen, so der örtliche Betriebshofleiter der SNG. Etwa, was den Energieverbrauch auf bergiger Strecke angeht: "Anders als die Diesel-Busse holen die E-Busse, wenn es bergab geht, ja Energie rein." Und das in einem größeren Umfang als erwartet.

Anfängliche Zweifel, dass E-Busse für die Rennsteigregion nicht geeignet wären, hätten sich zerstreut. Das Warten und Reparieren der E-Busse übernimmt die SNG selbst vor Ort in der eigenen Werkstatt unter Anleitung eines Mitarbeiters der Herstellerfirma.

Positive Bilanz im Eichsfeld, "Luft nach oben" in Eisenach

Auch die Eichsfeld Werke ziehen nach gut einem Jahr Erfahrung mit vier elektrisch betriebenen Bussen für Heiligenstadt eine positive Bilanz. Laut Planungschef Marcel Gunkel sind die Busse sowohl im Winter als auch im Sommer ohne größere Probleme durchgefahren.

Ein Elektrobus steht an einer Haltestelle
In Heiligenstadt sind seit einem Jahr vier Elektrobusse im Einsatz. Bildrechte: dpa

Die zwei E-Busse, die das Verkehrsunternehmen Wartburgmobil in Eisenach einsetzt, sind dagegen laut Geschäftsführerin Sina Fleischmann etwas störanfälliger als die Dieselbusse. Hinzu käme, dass sie für eine Reparatur nach Holland zum Hersteller gebracht werden müssen.

Dennoch sei Wartburgmobil insgesamt zufrieden mit der Leistung der Fahrzeuge, sodass zwei weitere E-Busse bestellt worden seien. Diese sollen im Stadtverkehr von Bad Salzungen zum Einsatz kommen.

Ausbau der Flotte oder Kosten-Kontrolle?

Auch die Verkehrsbetriebe Nordhausen, die Stadtwerke Jena und Salza-Tours haben angekündigt, ihre E-Flotte auszubauen. Im April 2023 soll der Bestand in Nordhausen von sechs auf sieben E-Busse wachsen. In Jena soll die E-Flotte im Februar kommenden Jahres von drei auf fünf Busse aufgestockt werden.

Jena hat neue E-Busse angeschafft.
In Jena sollen künftig fünf E-Busse fahren. Bildrechte: MDR/Olaf Nenninger

Die Verkehrs- und Betriebsgesellschaft Gera und die Omnibusverkehr GmbH Ilmenau planen, ihre ersten E-Busse in den nächsten Monaten in Betrieb zu nehmen. Die Standorte Suhl/Zella-Mehlis und Meiningen wollen auch mehr Elektromobilität. Ohne neue Förderprogramme reiche aber das Geld nicht, heißt es.

Laut Mario König, dem Geschäftsführer von Salza-Tours in Bad Langensalza, kosten reine Elektrobusse mehr als doppelt so viel wie vergleichbare Dieselbusse. Dazu kämen die hohen Kosten für die Ladeinfrastruktur.

Mängel bei kleinen E-Bussen in Meiningen

Die Meininger Busbetriebs GmbH (MBB) haben jedoch angekündigt, künftig zwei große E-Omnibusse dauerhaft anmieten zu wollen. Bisher war nur ein Bus für den Zeitraum von einem Jahr angemietet worden. Laut Geschäftsführer Mirko Peter sei die Testphase erfolgreich gewesen.

Die drei kleinen E-Busse aus der Flotte der MBB werden dagegen aus dem Verkehr gezogen. Nach Angaben des Busunternehmens haben sie große technische Mängel. Zuletzt seien zwei der Fahrzeuge nicht durch den TÜV gekommen. Laut dem MBB-Geschäftsführer sei nicht der Motor, sondern die Fahrzeugkonstruktion das Problem.

Förderung des Landes noch bis 2023

Die nordrhein-westfälische Stadt Geilenkirchen, die das Modell auch nutze, habe ebenfalls massive Probleme, so Peter. Das Meininger Busunternehmen will nach eigenen Angaben den vollen Kaufpreis und Schadensersatz vom Hersteller einfordern. Der Kauf war mit über 900.000 Euro Landesmitteln gefördert worden.

Insgesamt hat das Land bisher 35 E-Busse gefördert. Nach Angaben eines Sprechers aus dem Umweltministerium läuft die Förderrichtlinie für Modellprojekte noch bis Ende 2023.

MDR (fra)

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Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Das Fazit des Tages | 29. Juli 2022 | 19:00 Uhr

19 Kommentare

Fakt vor 25 Wochen

@Britta Weber:

Nicht ganz richtig.
Es wurde zwar in Mannheim ein Projekt mit einem bestimmten Bustyp eingestellt, trotzdem will der Betreiber Rhein-Neckar-Verkehr laut mehrerer regionaler Zeitungen (u.a. der "Mannheimer Morgen") zunächst weitere 30 E-Busse und 48 Brennstoffzellen-Busse anschaffen und bis Anfang der 2030er Jahre die gesamte Flotte auf alternative, abgasarme Antriebe umstellen.

Britta.Weber vor 25 Wochen

@Fakt, die Stadt Mannheim hat das Projekt E-Busse nicht weitergeführt, in das über 5 Millionen investiert wurde.
So, so, laut Wikiedia hat einer der besten deutschsprachigen Zeitungen (vielleicht sogar die beste), die NZZ, Sympathien der Rechten. Soll das etwa heißen, die Rechten seien wahrheitsliebender und klüger als die Linken, und das noch von Wikipedia festgestellt. Oje.

Fakt vor 25 Wochen

@Hobby-Virologe007:

Und was soll im Winter groß passieren?
Bei uns, und so wird es wohl allgemein üblich sein, gibt es an den Endhaltestellen Ladestationen, an denen die Busse per Dach-Stromabnehmer ihre Akkus aufladen. Ein Bus braucht ergo nicht einen Tag ohne Ladung durchhalten, er wird über den Tag regelmäßig je nach Bedarf geladen - ganz einfach.

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