Kultur Feiern für Geimpfte und Genesene: Wie Jenaer Clubs in den 2G-Betrieb gestartet sind

Seit Anfang Oktober können Betreiber von Diskotheken die 2G-Regel in ihren Clubs umsetzen. Demnach erhalten nur Besucher Zutritt, die vollständig gegen das Coronavirus geimpft oder von Covid-19 genesen sind. Wie das bisher funktioniert hat, hat MDR THÜRINGEN bei drei Jenaer Clubs in Erfahrung gebracht.

Johannisstraße in Jena am Abend mit Warteschlange
Zur ersten Veranstaltung mit 2G-Regel herrschte auch im Rosenkeller großer Andrang. Weil der Corona-Check an den Eingang zum Hof verlegt wurde, staute sich die Warteschlange in der Johannisstraße. Bildrechte: Andreas Tran

Jena ist für viele Dinge bekannt. Für die "Keksrolle" als höchstes Gebäude Ostdeutschlands, für einen Fußballclub, der früher mal eine richtig große Nummer war, und natürlich für seine Studierenden. Allein an der Friedrich-Schiller-Universität und an der Ernst-Abbe-Hochschule sind zusammen weit mehr als 20.000 Menschen eingeschrieben. Und das bei einer Einwohnerzahl von knapp über 110.000.

Neben dem Besuch von Lehrveranstaltung ist die Studienzeit aber auch für das Leben abseits der Hörsäle bekannt. Oder sollte zumindest dafür bekannt sein, denn seit März 2020 und dem Ausbruch der Corona-Pandemie ist das praktisch Schnee von gestern. Denn nicht nur ein Großteil der Lehrveranstaltungen wurde vor die heimischen Bildschirme verlegt - auch die Clubkultur lag die vergangenen anderthalb Jahr nahezu brach.

Nachtleben in Thüringen: Neue Verordnung bringt Möglichkeiten

Ein Lichtblick - sowohl für die Veranstalter als auch für die potenziellen Gäste - kam Anfang Oktober mit der neuen Thüringer Landesverordnung. Denn die erlaubt es Clubs, unter Einhaltung der 2G- oder 3G-plus-Regel wieder zu öffnen. Nach Absprachen einigten sich die Betreiber in Jena auf 2G und konnten in den vergangenen Tagen die ersten Erfahrungen sammeln.

Noch mehr Club-Interesse als ohnehin schon erwartet

Natürlich war für die Clubs in Jena zu erwarten, dass es nach einer so langen Zeit ohne Tanzlustbarkeiten zu einem großen Andrang kommen würde. Dass dieser aber so groß sein würde, wie er letztendlich war - das erstaunte auch den erfahrensten Betreiber. "Das geballte Interesse an Live- und Diskokultur hat uns schon überrascht, aber auf der anderen Seite auch motiviert", sagt Steffen Bernhardt, besser bekannt als "Alf", vom Jenaer F-Haus. Es habe die Clubs aber auch darin bestätigt, dass es der richtige Schritt gewesen sei, wieder aufzumachen. Auch unter 2G-Bedingungen.

Ähnliches weiß auch Andreas "Andi" Tran vom Rosenkeller zu berichten. Der 31-Jährige ist dort seit zehn Jahren aktiv und organisiert als Kulturkoordinator alle Veranstaltungen. "Wenn man sich die Zusammensetzung der Gäste anschaut, waren es bei uns bestimmt 95 Prozent Studierende. Nach den 19 Monaten Pandemie sind das jetzt drei Semester, die noch nicht feiern waren", erzählt Andi. "Allein die Uni hat, glaube ich, über 7.000 Erstsemester gemeldet. Da kommen schon viele Leute zusammen auf die wenigen Clubs."

Nach 19 Monaten Pandemie sind das jetzt drei Semester, die noch nicht feiern waren.

Andreas "Andi" Tran Rosenkeller Jena

Die erste Veranstaltung mit 2G habe er sehr positiv erlebt. Die Leute seien entspannt und einfach nur glücklich gewesen, endlich mal wieder feiern zu können. "Klar war der Kontrollaufwand höher", berichtet Andi. "Wir haben das am Einlass stationsweise aufgebaut mit den ganzen Check-ins und Nachweisen, die hinterlegt werden müssen. Aber die Gäste hatten damit null Probleme." Die Party sei trotz längerer Wartezeiten ausgelassen und stressfrei verlaufen.

Stau in Jena bis zum Westbahnhahnhof

Für einen Einlass mit verschiedenen Stationen hat sich auch das Jenaer Kassablanca entschieden - allerdings erst zur zweiten Veranstaltung am vergangenen Wochenende. Davor - zur "Schönen Freiheit" am Mittwoch - war es teils zu etwas chaotischen Szenen gekommen. "Es war draußen sehr früh schon sehr voll. Wir hatten hier 8.30 Uhr - wir haben um 22 Uhr die Tür geöffnet - schon 30 bis 50 Leute vor dem Club", schildert Geschäftsführer Thomas Sperling. "Wir hatten alle nicht damit gerechnet, dass es so früh schon so viele Leute sind."

Eine Warteschlange vor dem Kassablanca in Jena
In mehreren Reihen staute sich die Warteschlange vor dem Kassablanca, zeitweise bis zum Jenaer Westbahnhof. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Eigentlich sei geplant gewesen, den 2G-Check eine halbe Stunde vor Öffnung vor dem Kassablanca zu machen. Weil die Gäste da aber schon zu Hunderten gewartet hätten, sei das so nicht mehr möglich gewesen, erzählt Sperling. "Es hat sich eine Woche vorher schon angebahnt, dass die Veranstaltung Interesse weckt. Aber dass es so immens ist und dass die Leute so geballt kommen, damit haben wir nicht gerechnet."

3G-Plus für Clubs nicht praktikabel

Die drei Clubs wollen die 2G-Regel vorerst beibehalten. "2G ist das einzige Konzept, mit dem wir überhaupt eine Öffnung zulassen können, weil wir damit eine Auslastung von 100 Prozent fahren dürfen", sagt beispielsweise Andi vom Rosenkeller. Bei 3G werde die Auslastung derart beschränkt, dass es sich einfach nicht lohnen würde aufzumachen. "In den Rosenkeller passen 350 Gäste, aktuell belassen wir es aber bei 300. Alles, was die Besucherzahl auch nur minimal beschneidet, macht die Veranstaltungen dann auch schnell unwirtschaftlich. Vor allem, wenn man den Personaleinsatz bedenkt", erklärt er.

Ähnlich sieht das auch "Alf" vom F-Haus. "2G oder 3G ist entscheidend für Kapazitäten. Wir wollten in einer kleinen Stadt wie Jena eine einheitliche Linie fahren", sagt er. Natürlich sei ihm der Normalzustand auch lieber und er finde es schade, dass manche Gäste deshalb wegblieben. "Wir haben die Regeln nicht gemacht", ergänzt er. Aber im Moment gebe es keine andere Möglichkeit, wieder Kulturräume zu schaffen.

Dass es da Für und Wider gibt, ist uns bewusst. Aber es ist für uns der einzige derzeit praktikable Weg, um wieder Kulturräume zu schaffen.

Steffen "Alf" Bernhardt F-Haus Jena

Das wird auch im Kassablanca so gesehen. "Es funktioniert nur so, dass die Menschen, die zum Feiern kommen, auch so feiern können, wie vor dem März 2020. Feiern mit Maske und Abstand geht einfach nicht, man braucht die Ausgelassenheit", sagt Thomas Sperling.

Quelle: MDR THÜRINGEN

64 Kommentare

Fakt vor 29 Wochen

@Freies Moria:

Heftige Impfreaktionen sind nichts Neues. Zwar nicht nach meinen Covid-Impfungen, aber nach einer Pneumokokkenimpfung im letzten Jahr hatte ich auch Schüttelfrost und Fieber und habe mich für einen Tag wie ausgek.... gefühlt. Mediziner halten dies i. d. R. übrigens für kein negatives Signal, sondern eher für eine positive Reaktion, zeigt es doch, dass der Körper reagiert und das Immunsystem arbeitet.
Was war nochmal so schlimm daran?

JanoschausLE vor 29 Wochen

Steffen1111
"... Aber man erkennt in unserer Gesellschaft die Tendenz zur Selbstüberschätzung und Ignoranz!.."
Gebe ich Ihnen vollkommen Recht, das sah und sieht man bei den Verquerdenkern, ihren rechten "Partnern" und deren angeblich "alternativen" politischen Arm, bemerkenswert zuletzt bei der konstituierenden Bundestagssitzung letzte Woche. Und der Thurigen-"Alternativ" - Chef behauptete im August 2020 beim MDR sogar, dass die Pandemie vorbei sei. Die wieder anschwelkenden Infektionszahlen vollkommen arrogant ignorierend. Und der Hirse von dieser Fraktion selbst im Dezember 2020 noch im zdf, als wir bereits täglich in Deutschland weit über 1000 corona-Tote zu beklagen hatten.

JanoschausLE vor 29 Wochen

Herr Precht musste aber nicht intensivmedizinisch behandelt werden. Ja, kann sein, dass, wie bei einer Bekannten, der Körper heftig reagiert. Schüttelfrost, Fieber, nach 12 Stunden vorbei. Bei mir war es ein schwerer Arm. Ein Bekannter lag im Frühjahr ohne Impfung zwei Wochen auf der ITS im Koma, der lässt sich, wenn er denn kann, impfen. So, was lässt sich besser aushalten?

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