Bildung Drittes Corona-Abitur: Wie sich Thüringens Schulen vorbereitet haben

Das Abitur-Zeugnis ist ein wichtiges Dokument auf dem weiteren beruflichen Karriereweg. Doch wird auch in Pandemie-Zeiten ein Abitur abgelegt, dass sich nicht verstecken muss? Und wie gelingt es, innerhalb eines Bundeslandes die Prüfungen vergleichbar zu gestalten, wenn doch an vielen Schulen improvisiert werden muss? Diese Frage bewegt MDR AKTUELL-Hörerin Almut Reissland aus Zella-Mehlis.

Abiturienten eines Gymnasiums schreiben in einer Turnhalle die Abiturprüfung in Deutsch.
Auch in diesem Jahr kollidieren die Abitur-Prüfungen wieder mit der Corona-Pandemie. Bildrechte: dpa

MDR AKTUELL-Hörerin Almut Reissland ist nah dran am Thema – ihr Sohn macht in diesem Jahr sein Abitur. Seine Schule, das Friedrich-König-Gymnasium in Suhl, habe ihn gut vorbereitet, schätzt die Mutter ein, aber in Gesprächen mit anderen Eltern erfuhr sie auch: "Dass es eben an anderen Schulen anders gelaufen ist, dass da auch wesentlich weniger Online-Unterricht gemacht wurde."

Teils sehr unterschiedliche Situation an Thüringer Schulen

Das kann Jessica Aniol, Gymnasiallehrerin in Weimar, nur bestätigen. Als Vorsitzende der AG Bildung im Thüringer Lehrerverband weiß sie, wie froh die Kollegen waren, dass die meisten in diesem Schuljahr wieder in Präsenz unterrichten konnten. "Es gab einzelne Schulen, die vielleicht zwei bis drei Wochen geschlossen waren. Und wir wissen auch, dass einzelne 11er- und 12er-Kurse in Quarantäne geschickt wurden. Das konnte man mit der Thüringer Schulcloud auffangen, indem man eben Material hochgeladen hat oder Online-Unterricht angeboten hat. Aber das kann man nicht flächendeckend auf Thüringen beziehen."

Sie habe selbst oft genug über schlechte Internetverbindungen geflucht, sei sich unsicher gewesen, ob sie im Weimarer Land auch wirklich alle erreicht hat. Das Kultusministerium beschloss deshalb eine Abmilderungsverordnung. Minister Helmut Holter erklärt, was das für die Abiturienten bedeutet: "Wir haben ja die Schulen bereits am Schuljahresbeginn darauf vorbereitet mit unserer Schwerpunktsetzung. Damit ist klar, welche Schwerpunkte im Abitur 2022 drankommen. Das zweite ist: die Prüfungen sollten ja Ende April beginnen. Jetzt starten wir am 19. Mai, so dass es fast drei Wochen mehr Vorbereitungszeit gibt."

Kultusminister Holter: Thüringer Abi bundesweit vergleichbar

Jessica Aniol findet auch die Erweiterung der Prüfungsaufgaben nützlich. "Beispielsweise in Deutsch haben wir eine Aufgabe mehr reinbekommen, so dass die Auswahlmöglichkeit für die Schüler größer ist." Solche zusätzlichen Wahlmöglichkeiten wird es in diesem Jahr auch in Mathe geben.

Und wie verhält es sich mit dem bundesweiten Aufgabenpool für Deutsch, Mathe, Englisch, Französisch sowie die naturwissenschaftlichen Fächer? Dazu sagt Minister Holter: "An dem orientieren wir uns im Moment weniger, sondern wir wollen tatsächlich abbilden, was auch in den vergangenen Schuljahren vermittelt werden konnte."

Auch wenn die Aufgaben vor allen von den Thüringer Lehrerinnen und Lehrern kommen, heiße das nicht, dass die Qualitätskriterien der Kultusministerkonferenz nicht eingehalten werden, so Holter. Daran lasse sich das Thüringer Abitur messen und sei bundesweit vergleichbar. "Die Erfahrungen der letzten Jahre zeigen, dass wir unsere Abiturienten und Abiturientinnen bestens vorbereitet haben, die Ergebnisse sprechen dafür."

Im letzten Jahr erreichten im Freistaat fast 100 Schülerinnen und Schüler mehr als 2020 ein Einser-Abitur. Und auch Lehrerin Jessica Aniol sieht keinen Grund pessimistisch auf den Abijahrgang 2022 zu schauen.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 15. Februar 2022 | 06:23 Uhr

2 Kommentare

Karl Schmidt vor 31 Wochen

@Atheist:
Nein, es gibt in Deutschland auch Luft, Wasser, Sonne.....

Atheist vor 31 Wochen

„Drittes Corona-Abitur“
Gibt es nur Abitur in Deutschland?

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