Corona-Pandemie Thüringer Ärztekammer hält Beschränkungen für Ungeimpfte für gerechtfertigt

In der Debatte um Einschränkungen für Ungeimpfte hält die Thüringer Landesärztekammer Einschränkungen für gerechtfertigt. Aufgrund der Folgeschäden für etwa Restaurants sei Impfen "moralische Pflicht für Erwachsene".

Demonstration der Querdenken-Bewegung gegen die Anti-Corona-Maߟnahmen der Bundesregierung, Leipzig, Augustusplatz, 7.11.2020 Schild mit einer stilisierten und durchgestrichenen Spritze und der Aufschrift Gesundheitsdiktatur Nein, Danke
Wer sich nicht impfen lassen will, soll von bestimmten Lebensbereichen ausgeschlossen werden, das fordert die Landesärztekammer. Bildrechte: imago images/opokupix

Die Präsidentin der Landesärztekammer, Ellen Lundershausen, hält einen Ausschluss von nicht gegen Covid-19 geimpften Erwachsenen etwa von Kino- oder Restaurantbesuchen für gerechtfertigt - in deren eigenem Interesse.

Moralische Pflicht für Erwachsene

Ein solcher Schritt sei "nur konsequent, da sie davor geschützt werden, sich mit einer für sie lebensbedrohlichen Krankheit anzustecken oder selbst andere anzustecken", erklärte Lundershausen, die auch Vizepräsidentin der Bundesärztekammer ist, gemeinsam mit dem Leiter des Ethikzentrums an der Universität Jena, Nikolaus Knoepffler.

Beide sehen angesichts der Folgeschäden der Pandemie in Gestalt etwa von Restaurant-, Laden- und Schulschließungen zudem eine "moralische Pflicht für Erwachsene, sich impfen zu lassen". Das gebiete die Verantwortung für sich selbst und andere.

Lockdown schränkt Rechte anderer ein

Bei verweigerten Restaurantbesuchen von "Impfpflicht durch die Hintertür" oder gar "Freiheitsberaubung" zu sprechen, sei nicht richtig. Ausgenommen von der moralischen Impfpflicht seien aber Menschen, bei denen medizinische Gründe gegen die Impfung sprächen, heißt es.

Bei einem neuerlichen Lockdown mit Schließungen von Geschäften, Gaststätten, Fitnessstudios Schulen oder Kindergärten würden die Rechte vieler anderer Menschen eingeschränkt, sagten sie. Gerade Kinder und Jugendliche seien dann wiederum die Leidtragenden, weil ihnen Bildungsmöglichkeiten entgingen.

Kanzleramtsminister Helge Braun (CDU) hatte Ende Juli der Bild am Sonntag gesagt, bei einem hohen Infektionsgeschehen müssten Ungeimpfte ihre Kontakte reduzieren. Er hatte das unter anderem auf Restaurants, Kinos und Sportstätten bezogen. In seiner eigenen Partei war der CDU-Politiker damit auf Ablehnung gestoßen. Unions-Kanzlerkandidat Armin Laschet sagte, er lehne sowohl eine Corona-Impfpflicht als auch indirekten Druck ab. Auch die Thüringer SPD, FDP, AfD und Linke wiesen den Braun-Vorstoß zurück.

Quelle: MDR THÜRINGEN/jn,dpa

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 04. August 2021 | 16:00 Uhr

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