Mehr Angaben gefordert Corona-Beirat kritisiert Warnsystem in Thüringen als zu langsam

Thüringens neue Corona-Regeln sollen außer Inzidenz auch Bettenbelegung in Kliniken berücksichtigen. Doch diese zwei Werte allein reichten als Frühwarnindikatoren nicht aus, kritisierte jetzt der Corona-Beirat.

Daniel Reuter und Nadja Heumann stehen in der Klinik und Poliklinik für Anästhesiologie und Intensivtherapie der Universitätsmedizin Rostock an einem Intensivbett.
Wie viele Betten in Normal- und Intensivstationen werden gebraucht? Für solche Prognosen sind nach Ansicht des wissenschaftlichen Beirats auch Informationen zu Alter und Impfstatus nötig. Bildrechte: dpa

Der Wissenschaftliche Beirat der Landesregierung kritisiert das vor einem Monat eingeführte Corona-Frühwarnsystem des Landes als zu langsam. Es könne nicht früh genug vor einer eskalierenden Situation in den Krankenhäusern warnen, heißt es nach Angaben der Nachrichtenagentur dpa in der aktualisierten Herbstempfehlung des Beirats.

Auch Prognose für Intensivstationen nicht sicher genug

Außerdem sei die Inzidenzangabe zur Belegung der Krankenhausbetten ohne Altersangaben und Impfstatus wiederum kein Anzeichen für die zu erwartende Belegung der Intensivstationen. Für präzisere Voraussagen müssten über die Inzidenz hinaus Alter und Impfstatus erhoben werden. Die neue Empfehlung wurde Ende August erstellt und liege der dpa vor.

"Leider hat der Wissenschaftliche Beirat in den letzten Wochen keinen eigenen Vorschlag für ein Thüringer Indikatorensystem vorgelegt", erklärte ein Sprecher des Gesundheitsministeriums. Man nehme die "nachträgliche Kritik an unserer auf bundesweit abgestimmten Positionen beruhenden Entscheidung" daher zur Kenntnis.

Seit dem 23. August gilt in Thüringen ein neues Frühwarnsystem. Demnach sind für Auflagen in den Kreisen und kreisfreien Städten neben den Infektionszahlen auch die Zahl der Corona-Patienten in den Krankenhäusern entscheidend. Steigen die Werte über eine Basisstufe, gelten bis zu drei Warnstufen nach einem Ampelsystem.

Grafik zum Corona-Warnsystem in Thüringen ab 24. August
Grafik zum Corona-Warnsystem in Thüringen, das seit dem 24. August gilt. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Beirat für neuen Umgang mit der Pandemie

Generell sieht der Beirat mit Blick auf die fortschreitende Impfkampagne die Zeit für einen Paradigmenwechsel im Umgang mit der Pandemie gekommen. Alle Menschen über zwölf Jahren hätten die Möglichkeit, sich mit einer Impfung gegen das Coronavirus zu schützen, heißt es in dem Bericht. "Damit haben wir eine grundlegend veränderte Situation für die Bewertung der Maßnahmen in der Pandemie."

Auch in der aktualisierten Herbstempfehlung spricht sich der Beirat gegen anlasslose Corona-Testungen und auch gegen Quarantänemaßnahmen für Kinder aus. Grund: "Im Gegensatz zu Erwachsenen erkranken Kinder und Jugendliche aber sehr selten schwer", heißt es im Bericht. Da sich Erwachsene impfen lassen können, seien Testungen von Kindern ohne Symptomen "nicht mehr gut zu begrüßen".

Quelle: MDR THÜRINGEN/csr,dpa

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 02. September 2021 | 14:00 Uhr

14 Kommentare

Peter vor 13 Wochen

DermbacherIn: Sie schreiben von Solidarität. Dann empfehle ich, auch solidarisch zu sein. Gesundheitsminister Spahn hat das heute auch eingefordert: "Die Impfmuffel und diejenigen, die noch überlegen oder sich verweigern, haben auch eine Verantwortung für die unter Zwölfjährigen, die sich nicht impfen können."

DermbacherIn vor 13 Wochen

Wieder werden Szenarien durchgespielt und Wellen vorausgesagt!
Mit Zahlen kann man wunderbar spielen, es geht permanent um eine Massen-Impfung, kein Mittel ist zu schade, um dieses Ziel zu erreichen, pauschal sollen alle Bürger "durchgeimpft" werden, wer das nicht möchte, ist nicht mehr tragbar für die Gesellschaft. "OFF Limits" für Ungeimpfte ist das Wunschdenken mancher Geimpften.
Das Vertrauen in diese Impfstoffe, scheint sich auch bei Geimpften in Grenzen zu halten!
Diese Solidarität, ich schütze auch meine Mitmenschen mit einer Impfung, scheint in Anbetracht der Auffrischimpfungen ein wenig übertrieben.
Das Augenmerk nur auf Nichtgeimpfte zu legen, ist aktuell angesagt!
Von was möchte man ablenken?

DermbacherIn vor 13 Wochen

Des Weiteren sollte man zur Beurteilung der epidemiologischen Lage mehr Wert auf den Immunitätsstatus in der Bevölkerung legen, als sich nur auf die Durchimpfung zu konzentrieren.
Dazu wären von den verantwortlichen Stellen repräsentative Stichproben notwendig, die labortechnischen Voraussetzungen (Immunitätstest: Antikörper & T-Zellen) sind laut Pressemitteilung des Berufsverbandes deutscher Laborärzte gegeben.

Mehr aus Thüringen