21.01.2022 Corona-News: Trotz vieler Verstöße auf Demonstrationen - Wenige Bußgeld-Bescheide in Thüringen verschickt

+++ Wenige Bußgeld-Bescheide trotz vieler Verstöße auf Demonstrationen +++ Keine Sanktionen für ungeimpfte Mitarbeiter im Gesundheitswesen gefordert +++ Für ab Zwölfjährige künftig Nasentests in der Schule +++ Skifahren am Lift in Oberhof nur noch mit 2G +++ Erneut unangemeldete Demonstrationen +++ Die Corona-News für Thüringen im Überblick +++

Demonstration gegen Corona-Politik
Auf unangemeldeten Demonstrationen gegen die Corona-Politik hat die Polizei in den vergangenen Wochen Tausende Ordnungswidrigkeitsverfahren eröffnet. Bislang sind aber erst wenige Bußgeld-Bescheide verschickt worden. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Thüringen | Hohe Belastung für Polizisten durch Corona-Demos

Seit Monaten sind Polizistinnen und Polizisten in Thüringen wegen unangemeldeter Demonstrationen gegen die Corona-Politik im Einsatz. Die Arbeitsbelastung ist hoch. Die Proteste stellen für die Einsatzkräfte auch eine zunehmende psychische Herausforderung dar.

Deutschland | Überregionale Corona-News

+++ Fast die Hälfte der Deutschen ist geboostert +++ Omikron-Booster wahrscheinlich ab Frühjahr verfügbar +++ Ampel-Abgeordnete kündigen Entwurf für allgemeine Impfpflicht an +++ Die überregionalen Corona-News +++

Neustadt/ Harz | Interview mit Lungenarzt

Die Lungenklinik in Neustadt/Harz ist Anlaufstelle für viele schwere Corona-Fälle in Nordthüringen. Mit ihrem ärztlichen Direktor, Dr. Frieder G. Knebel, sprechen wir einmal pro Woche. Diesmal geht es darum, wieviel Sauerstoff die Klinik in Neustadt verbraucht und was die Bürokratie in der Klinik anrichtet.

Thüringen | Erleichterungen für Schülerinnen und Schüler

Distanzunterricht, Quarantäne, geschlossene Schulen: Wegen den Folgen der Corona-Pandemie auf den Schulbetrieb sollen die Prüfungen an Thüringer Schulen auch in diesem Jahr erleichtert werden. Die Schüler sollen außerdem automatisch in die nächste Klassenstufe versetzt werden. Bildungsminister Holter stellte die Pläne einer sogenannten "Abmilderungsverordnung" am Freitag im Bildungsausschuss vor.

Viele Verstöße auf Demonstrationen - aber bislang wenige Bußgeld-Bescheide

Wegen Verstößen gegen Corona-Regeln bei Demonstrationen haben die zuständigen Landkreise und Städte bisher nur wenige Bußgelder verhängt. Eine Stichprobe von MDR THÜRINGEN ergab nicht mehr als eine Handvoll Bußgeld-Bescheide. Allerdings hat die Landespolizeidirektion zwischen Dezember und Januar mehrere tausend Ordnungswidrigkeitsverfahren nach Demonstrationen eröffnet.

Viele Regelverstöße und damit Ordnungswidrigkeiten müssen noch aufgearbeitet werden, hieß es. Die Zahl der tatsächlich erlassenen Bußgeld-Bescheide dürfte also noch steigen. Ein Grund für die Verzögerungen sind Probleme, die Taten zu erfassen und auszuwerten - wie beispielsweise in Erfurt. In Jena bereitet außerdem die Höhe der zu verhängenden Bußgelder Kopfzerbrechen. Der Bußgeldkatalog sei bei Versammlungen nicht eindeutig, so ein Stadtsprecher.

Auch der Landkreis Gotha verschickte noch keine Bußgeldbescheide. Insgesamt wurden zwar 20 Ordnungswidrigkeitsverfahren registriert, die entsprechenden Personen müssen jetzt aber noch angehört werden. Anders sieht es hingegen im Wartburgkreis aus. Dort wurden fünf Bußgeldbescheide versandt. Bis zu 250 Euro sind fällig.

Neben fehlendem Abstand und Mund-Nasen-Schutz registriert die Polizei immer häufiger Gewalt auf den Corona-Demonstrationen. Insgesamt wurden laut Landespolizeidirektion zwischen Dezember und Januar Strafverfahren im unteren dreistelligen Bereich eingeleitet. Dabei wird allerdings nicht unterschieden, ob sich die Anzeige gegen Demonstranten oder Polizisten handelt.

Thüringen | 2021 deutlich mehr Sterbefälle

In Thüringen sind im zweiten Corona-Krisenjahr einer vorläufigen Auswertung zufolge deutlich mehr Menschen gestorben als 2020 und den Jahren zuvor. 2021 gab es 34.721 Sterbefälle im Freistaat und damit knapp 4.500 mehr als im Jahr 2020, wie das Statistische Landesamt am Freitag mitteilte. Das entspreche einer Steigerung von 14,9 Prozent. Die endgültigen Zahlen zu 2021 werden im Mai veröffentlicht.

Gründe hierfür sehen die Statistiker neben der Corona-Pandemie auch in der alternden Bevölkerung in Thüringen. Den stärksten Anstieg bei Todesfällen hatte Thüringen auf dem Höhepunkt der Corona-Pandemiewelle im vergangenen Januar und Dezember verzeichnet. In der Altersgruppe der unter 65-Jährigen starben nach den vorläufigen Daten im vergangenen Jahr mehr als 4.700 Menschen - 10,4 Prozent mehr als im Vergleich des Mittels der Vorjahre. 20.519 Sterbefällen gab es den Angaben zufolge bei den über 80-Jährigen. Das entspreche einer Steigerung von 24,9 Prozent zu den Jahren zuvor.

Bad Lobenstein | Seuchenparlament tagt am 4. Februar

Das sogenannte Seuchenparlament wird in Bad Lobenstein voraussichtlich Mitte bis Ende Februar stattfinden. Wie der Organisator, Stadtratsmitglied Frank Weidermann (AUF), sagte, können sich bis zu 20 Menschen für die Teilnahme bewerben. Das Seuchenparlament werde dann am Abend für etwa drei Stunden tagen. Geplant seien mehrere Sitzungen. Organisiert werde die Versammlung von Ehrenamtlichen, die entscheiden, welche Bewerber an der Versammlung teilnehmen dürfen.

Bei der Auswahl sollen der regionale Bezug und ein möglichst breites Meinungsspektrum ausschlaggebend sein. Beim Seuchenparlament handelt es sich um ein Gesprächsformat, bei dem Menschen mit unterschiedlichen Meinungen zu Corona-Regeln Gehör finden und miteinander ins Gespräch kommen können. Der Dialog soll der Spaltung der Gesellschaft entgegenwirken. Zum ersten Mal ist ein solches Treffen in Thüringen am 4. Februar in Bad Berka geplant. Das Seuchenparlament wird von der Bundeszentrale für politische Bildung unterstützt.

Thüringen | Kliniken gegen Sanktionen für ungeimpfte Mitarbeiter

Thüringens Krankenhäuser fordern einen Verzicht auf Sanktionen gegen ungeimpfte Mitarbeiter. Die Vorsitzende des Landeskrankenhausgesellschaft, Gundula Werner, sagte MDR THÜRINGEN, andernfalls werde mit Beginn der Impfpflicht Mitte März ein Teil des Personals ausfallen. Etwa 17 Prozent der Beschäftigen könnten keinen Immunitätsnachweis vorlegen. Das werde sich negativ auf die Versorgung der Patienten auswirken. Die Landeskrankenhausgesellschaft fordert daher das Gesundheitsministerium auf, keine Beschäftigungsverbote zu verhängen.

Das Bundesinfektionsschutzgesetz sehe vor, dass die Gesundheitsämter der Kommunen in diesen Fällen einen Ermessensspielraum hätten. Eine Sprecherin des Thüringer Gesundheitsministeriums sagte MDR THÜRINGEN, die einrichtungsbezogene Impfpflicht betreffe und beschäftige alle Bundesländer. Sie sei auch am Samstag Thema bei der Gesundheitsministerkonferenz. Es müsse hier ein bundeseinheitliches Vorgehen geben.

Weida | Spontane Impfaktion im Bürgerhaus

Eine kurzfristige Sonderimpfaktion wird am Samstag in Weida (Landkreis Greiz) angeboten. Zwischen 17 und 19 Uhr werden im Bürgerhaus als Erst-, Zweit - oder Boosterimpfungen Biontec oder Moderna verimpft, heißt es aus der Stadtverwaltung. Eine Anmeldung sei nicht nötig.

Saale-Holzland-Kreis | Kostenlose Masken für Einwohner

Kostenlose medizinische Gesichtsmasken und FFP-2-Masken sollen im Saale-Holzland-Kreis verteilt werden. Nach Angaben des Landratsamtes in Eisenberg stellt der Bund die Masken zur Verfügung. Sie sollen über die örtlichen Verwaltungen der Städte und Gemeinden verteilt werden. Es stünden pro Einwohner 6 medizinische Masken zur Verfügung.

Thüringen | Seit zwei Jahren unter Pandemiebedingungen: Die Arbeit im Rettungsdienst

Seit Corona ist auch für die Rettungsdienste die Arbeit deutlich schwerer geworden. Über Pfleger und Ärzte in den Krankenhäusern wird viel geredet, über Rettungskräfte eher wenig. Ein Besuch der Retter in Eisenberg.

Altenburg | Landkreis schafft Luftfilter und CO2-Ampeln für Schulen an

Der Landkreis Altenburger Land hat 530 Luftfilter und sogenannte CO2-Ampeln angeschafft. Diese werden derzeit an Grundschulen und Förderzentren sowie in deren Horträumen aufgestellt. Das teilte das Landratsamt mit. Das Land stellte dafür 150.000 Euro zur Verfügung. Demnächst sollen auch die Speiseräume mit Filteranlagen ausgestattet werden. Allerdings werden dafür noch geeignete Geräte gesucht.

Zuerst wurden Grundschulen und Förderzentren des Altenburger Landes ausgerüstet, weil es eine uneingeschränkte Impfempfehlung erst für Kinder ab zwölf Jahren gibt. Zudem sei das Einhalten der Corona-Regeln für geistig und körperlich eingeschränkte Schülerinnen und Schüler in Förderzentren schwierig, so das Landratsamt. Die Kohlendioxid-Messgeräte geben einen Anhaltspunkt, ab wann die Fenster geöffnet werden sollten. Demgegenüber reinigen die Filteranlagen die warme Raumluft.

Thüringen | Schüler ab 12 Jahren sollen künftig Nasentests machen

Thüringer Schüler in den höheren Klassen sollen für Corona-Tests künftig selbst einen Nasenabstrich nehmen. Für Kinder und Jugendliche ab zwölf Jahre sollen nach den Winterferien Antigen-Schnelltests für die Nase benutzt werden statt wie bisher Lollitests, die im Mund angewendet werden, sagte ein Sprecher des Thüringer Bildungsministeriums. Der genaue Start der Umstellung steht noch nicht fest und hängt unter anderem von neuen Testlieferungen ab. Für Kinder unter zwölf Jahren bleibt es beim bisherigen Verfahren mit Lollitests.

Von den Tests für die Nase verspreche man sich auch bei einer mittleren Viruslast eine hohe Empfindlichkeit beim Erkennen einer Corona-Infektion. Sie hätten auch finanziellen Vorteil, wie eine Kostenaufstellung zeigt: Für die Zeit nach den Winterferien hat das Bildungsministerium 2,35 Millionen Tests für die Nase bestellt - für 5,4 Millionen Euro. Außerdem wurde eine Bestellung von 2,45 Millionen Lollitests ausgelöst. Kosten: 11,5 Millionen Euro. Lollitests sind demnach fast doppelt so teuer wie die Tests für die Nase.

Ob sich nach den Winterferien auch die Anzahl der wöchentlichen Tests an den Schulen erhöht, ist noch unklar. Derzeit wird an Thüringer Schulen zwei Mal pro Woche getestet. In anderen Bundesländern gibt es teils drei oder mehr Tests pro Woche.

Inzidenz steigt - bundesweit niedrigster Wert

Thüringen ist trotz eines Anstiegs weiterhin das Bundesland mit der deutschlandweit niedrigsten Corona-Inzidenz. Das Robert Koch-Institut (RKI) gab die Zahl der wöchentlichen Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner am Freitag mit 264,5 an. Am Vortag lag der Wert noch bei 240,9. Innerhalb des Freistaats verzeichnet das RKI für das Weimarer Land (412,0) und die Stadt Jena (447,9) die höchsten Infektionsraten. Am niedrigsten - in Thüringen sowie am zweitniedrigsten in ganz Deutschland - ist die Inzidenz im Landkreis Sonneberg mit 168,3.

Die Thüringer Gesundheitsämter meldeten dem RKI 1.240 Corona-Neuinfektionen und 18 weitere Todesfälle im Zusammenhang mit Corona. Damit sind seit Beginn der Pandemie 308.067 Infektionen registriert worden, 6.334 Menschen starben.

Jena | Impfen an mehreren Orten möglich

Die Stadt Jena weitet ihre Impfkampagne auf weitere Ortsteile aus. So soll am kommenden Samstag von 9 bis 12 Uhr im Ortsteilbüro Winzerla ohne vorherigen Termin geimpft werden. Am Samstagnachmittag zwischen 13 und 16 Uhr gibt es dieses Angebot auch im Jugendclub Polaris im Stadtteil Jena-Nord. Laut Stadtverwaltung sind Erst-, Zweit- oder Dritt-Impfungen möglich.

Gemeinsam mit der Kassenärztlichen Vereinigung Thüringen (KVT) betreibt die Stadt bereits seit Anfang Dezember das Impfzentrum am Abbe-Campus, das täglich von 9 bis 18 Uhr geöffnet ist. Ein Kinderimpfzentrum ist im Volkshaus eingerichtet. Nach Terminvereinbarung werden dort von Montag bis Samstag jeweils bis 14 Uhr Kinder von fünf bis elf Jahren geimpft. Zwischen 14 und 18 Uhr wird dann freies Impfen für Familien angeboten. Die Jenaer Impfzentren stehen allen Interessierten offen.

Oberhof | Liftfahrt nur noch mit 2G möglich

Eine Liftfahrt am Oberhofer Fallbachhang ist ab Freitag nur noch mit 2G-Nachweis möglich. Wie die Betreiber mitteilten, werden Tickets für das Skigebiet nur noch an geimpfte und genesene Wintersportler verkauft. Bisher war für die Liftfahrt die 3G-Regel vorgeschrieben. Für den Skiverleih und den Imbiss war bereits seit Saisonbeginn die 2G-Regel in Kraft. Grund für die strengeren Corona-Regeln sind nach Angaben der Betreiber aktuelle Vorschriften.

Gera | Impfzentrum bleibt

Das Kultur- und Kongresszentrum Gera bleibt weiterhin ein Impfzentrum. Wie die Stadtverwaltung Gera mitteilte, ist diese Nutzung bis Ende Februar verlängert worden. Die Pandemiebekämpfung habe höchste Priorität, so der Krisenstab der Stadt. Alle für Februar geplanten Veranstaltungen im KuK Gera sind verschoben oder abgesagt worden. Impftermine können über das Impfportal der Kassenärztlichen Vereinigung oder telefonisch vereinbart werden.

Thüringen | Sechs unangemeldete Versammlungen gegen Corona-Politik

In Thüringen haben am Donnerstag erneut Menschen gegen die politischen Maßnahmen während der Corona-Pandemie demonstriert. Auf sechs unangemeldeten Demonstrationen in Thüringen versammelten sich insgesamt 860 Teilnehmende, wie die Polizei mitteilte.

In Greiz demonstrierten nach Angaben der Polizei 500 Personen, in Wernshausen 120, in Dermbach 58, in Roßleben-Wiehe 70 und in Kleinschmalkalden 50 Personen. Auf dem Erfurter Domplatz trafen sich 62 Menschen zu einer nicht angemeldeten Versammlung in Form einer Lichterkette. Gegenproteste konnten nicht festgestellt werden. Die Polizei leitete vier Strafanzeigen wegen Verstoßes gegen das Versammlungsgesetz ein.

Was bisher geschah | Corona-News von Donnerstag, 20.01.2022

Quelle: MDR/dpa (jml)

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN | MDR THÜRINGEN JOURNAL | 21. Januar 2022 | 19:00 Uhr

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