17.01.2022 Corona-News vom 17. Januar: 87 Proteste gegen Corona-Politik

+++ Tausende bei unangemeldeten Demonstrationen +++ Kritik an 2G+ in Gastronomie +++ "2G-Bändchen" soll Einkaufen in Erfurt erleichtern +++ Mehrheit bereitet Spaltung der Gesellschaft Sorgen +++ Ministerium von neuen Regeln zum Genesenenstatus überrascht +++ Petition in Saalfeld gegen Corona-Demos gestartet +++ Corona-Tests in Kindergärten +++ Hildburghausen will Impfquote erhöhen +++ Alle Nachrichten zum Coronavirus in Thüringen im Überblick +++

Menschen halten Plakate.
Teilnehmer einer angemeldeten Kundgebung gegen die Corona-Proteste unter dem Motto "Jena solidarisch" demonstrieren auf dem Holzmarkt. Bildrechte: dpa

So ging es am 18.01.2022 weiter

Deutsch­land | Gesundheitsminister wollen Erleichterungen für Arztpraxen

Die Gesundheitsminister der Länder wollen Arztpraxen in der Corona-Pandemie weiter entlasten. So soll eine Krankschreibung per Telefon ebenso möglich bleiben wie auch Folge-Verordnungen von Medikamenten. Auch sollen bestimmte Psychotherapie-Angebote weiterhin per Telefon stattfinden können. Das sagte Thüringens Gesundheitsministerin Heike Werner (Linke) nach einer Videokonferenz am Montag.

Die Ministerrunde kritisierte zudem das Vorgehen des Robert-Koch-Instituts bei der Verkürzung des Genesenenstatus auf drei Monate. Es könne nicht sein, dass die Länder hier nicht vorab informiert und eingebunden würden. Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) will das laut Werner in Zukunft ändern. Konkrete Informationen zu Übergangesregelungen beim Genesenenstatus gab es noch nicht.

Wie Werner weiter sagte, tauschten sich die Minister zudem über mögliche Omikron-Szenarien für Deutschland aus. Demnach rechnen Experten damit, dass Omikron Deutschland ähnlich treffe wie die USA. Dort gebe es eine vergleichbare Altersstruktur der Bevölkerung und ähnliche Impfquoten. Daher sei damit zu rechnen, dass wie in den USA auch in Deutschland viele Menschen so stark an der Omikron-Variante erkranken, dass die Krankenhäuser und Intensivstationen stark belastet würden.

Thüringen | Erneut unangemeldete Demonstrationen gegen Corona-Politik

In Thüringen sind am Montagabend rund 18.000 Menschen gegen die Corona-Politik auf die Straßen gegangen. Die meisten Demonstranten zählte die Polizei mit 4.000 in Gera. In Nordhausen demonstrierten rund 1.000 Menschen. In Südwestthüringen gab es laut Polizei zehn nicht angemeldete Demonstrationen. Rund 3.000 Menschen versammelten sich unter anderem in Bad Salzungen, Meiningen und Hildburghausen.

In den meisten Städten gab es offenbar keine größeren Zwischenfälle - außer in Weimar. Dort stießen die etwa 70 Gegner der Corona-Politik auf über 200 Gegendemonstranten. Es gab nach MDR THÜRINGEN-Informationen Rangeleien. Die extra für den Abend angeforderte Bundespolizei griff durch: Sie kesselte die Corona-Politik-Gegner ein und nahm die Personalien auf.

Angemeldete Gegendemos gegen die Corona-Proteste gab es auch in Jena. Mehrere Dutzend Teilnehmer waren bei einer Kundgebung des Bündnisses "Jena solidarisch" auf dem Holzmarkt. Sie hatten laut Stadt eine Ausnahmegenehmigung, weil sich eigentlich derzeit nur 35 Menschen in Thüringen versammeln dürfen.

Einen Marsch mit Gesängen gab es in Gotha. Dort hatten sich bis zu 500 Menschen getroffen, um gegen die aktuelle Corona-Politik zu protestieren. Zeitweise mussten die Bundesstraßen 7 und 247 gesperrt werden.

Regeln zu Genesenen-Status werfen Fragen auf

Die Gesundheitsminister von Bund und Ländern beraten noch über die Corona-Lage. Bereits am Wochenende hatte das Robert-Koch-Institut weitgehend unbemerkt neue Richtlinien für Genesene veröffentlicht.

zwei Menschen halten ihre Handys aneinander 2 min
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MDR THÜRINGEN JOURNAL Mo 17.01.2022 19:00Uhr 02:08 min

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Kritik an 2G+Regelung

CDU und FDP im Thüringer Landtag haben sich gegen die geplante 2G+-Regelung in der Gastronomie in Thüringen ausgesprochen. Auch der Hotel- und Gaststättenverband Dehoga kritisiert die Pläne. Bei 2G+ haben nur Geimpfte und Genesene mit einem negative Corona-Test Zugang zu Restaurants und Cafés. Ausnahmen gibt es nur für "Geboosterte".

MDRfragt | Mehrheit bereitet Spaltung der Gesellschaft Sorgen

Die Diskussionen um die Impfpflicht und die Proteste dagegen polarisieren. Ein Großteil der MDRfragt-Teilnehmer sorgt sich daher vor einer Spaltung unserer Gesellschaft, wie die aktuelle Befragung zeigt.

Erfurt | "2G-Bändchen" soll Einkaufen erleichtern

Um den Kunden und Einzelhändlern das Einkaufen zu erleichtern, gibt es in Erfurt ab der nächsten Woche 2G-Bändchen für das Handgelenk. Somit müssen Zertifikat und Ausweis nur einmal vorgezeigt werden und dann kann nach Herzenslust geshoppt werden - ohne weitere Kontrollen. Das Pilotprojekt ist zunächst auf sechs Wochen beschränkt. Ob und wie es danach weitergeht, soll die Testphase zeigen.

Mittel-deutsch­land | Menschen ohne Impfschutz müssen mit Kündigung rechnen

Nur noch zwei Monate, dann gilt in Pflege- und Gesundheitsberufen die Impfpflicht. Wer keine Impfung und auch keine Genesung vorlegen kann, darf dann nicht mehr im Altenheim oder Krankenhaus arbeiten. Das könnte zum Problem werden, denn allein in Mitteldeutschland dürfte das ungefähr 200.000 Menschen betreffen, schätzen Branchenexperten. Müssen sie mit ihrer Kündigung rechnen? Und wenn ja, erhalten sie dann Arbeitslosengeld I?

Thüringen | Pandemie - Experte begrüßt Regeln zu kürzeren Genesenenstatus

Aus Sicht von Thüringer Pandemie-Experten sind die neuen Regelungen zur kürzeren Dauer des Genesenen-Status gerechtfertigt. Der Direktor des Instituts für Infektionsmedizin und Krankenhaushygiene an der Uniklinik Jena, Mathias Pletz, hält die Entscheidung für richtig, den Genesenen-Status von sechs auf drei Monate zu verkürzen. Im Gespräch mit MDR THÜRINGEN sagte Pletz, im Freistaat flache die Delta-Welle derzeit ab. Die Omikron-Welle, die sich von Dänemark her ausbreitet, stehe noch ins Haus. Da die meisten Thüringer nach einer Delta-Infektion genesen seien, könnten sie sich bereits nach wenigen Monaten neu mit der Omikron-Variante infizieren. Dies habe man aus den Erfahrungen in Südafrika gelernt.

Nachfrage nach Corona-Impfungen spürbar gesunken

In Thüringen ist die Nachfrage nach Corona-Impf-Terminen laut Kassenärztlicher Vereinigung zuletzt spürbar gesunken. Die regionalen Impfstellen seien inzwischen nicht mehr so ausgelastet wie noch vor wenigen Wochen, sagte der KV-Impfmanager Jörg Mertz. Aktuell seien im Vergabeportal impfen-thueringen.de 60.000 Impftermine verfügbar. Auch bei den niedergelassenen Ärzten sei die Nachfrage gesunken. Mertz sagte, einige Impfwillige wollten offenbar warten, bis ein Impfstoff auf den Markt kommt, der an Omikron angepasst ist. Damit sei allerdings erst im April oder Mai zu rechnen.

Krankenhausgesellschaft sieht Kliniken für Omikron-Welle gewappnet

Thüringens Kliniken sind laut Krankenhausgesellschaft auf steigende Patientenzahlen vorbereitet. Wie Geschäftsführer Rainer Poniewaß sagte, sieht er die Krankenhäuser gut gewappnet für eine mögliche Omikron-Welle. Poniewaß begrüßte, dass sich Mitarbeiter mittlerweile nach sieben Tagen aus der Quarantäne freitesten können. Ob es durch die ab Mitte März vorgesehene Impfpflicht weitere Personalengpässe gebe, könne er noch nicht abschätzen. Das sei von Region zu Region und von Klinik zu Klinik unterschiedlich. In Thüringen wurde zuletzt ein Omikron-Anteil von über 40 Prozent gezählt, die Inzidenz ist erneut gegen den Bundestrend auf nun 198 gesunken.

Gesundheitsministerium überrascht von neuen RKI-Regeln

Das Thüringer Gesundheitsministerium ist von den neuen bundesweiten Regeln zum Genesenenstatus überrascht worden. Laut einer Sprecherin des Gesundheitsministeriums werfen die neuen Regeln in der Praxis viele Fragen auf. Das Robert-Koch-Institut (RKI) hatte in seinen neuen Richtlinien den Status als Genesener von sechs auf drei Monate verkürzt. Die Regel gilt seit dem 15. Januar.

Doch was ist mit Menschen, deren App im Restaurant oder Geschäft einen Genesenenstatus ausweist und bei denen die Infektion aber länger als drei Monate zurückliegt? Reicht in diesem Fall eine einzige Impfung aus, um den 2G-Status wiederherzustellen? Wie und in welchem Zeitraum werden die entsprechenden Nachweise und Apps angepasst? Viele offene Fragen und ungeklärte Details, so eine Sprecherin des Gesundheitsministeriums zu MDR THÜRINGEN. Sie kritisierte die Kommunikation seitens des RKIs und sprach sich für einen Übergangszeitraum aus, in der die bisherigen Quarantäne- und Genesenenregeln weiter gelten sollen. Im Gesundheitsministerium erhoffe man sich mehr Transparenz und Klarheit von der Gesundheitsministerkonferenz am Montagabend.

Saalfeld | Bürger starten Petition gegen unangemeldete Corona-Proteste

In Saalfeld haben Bürger eine Petition gegen die unangekündigten Corona-Proteste gestartet. Zu den Initiatoren gehören Ärzte und Stadträte aus Saalfeld. Sie wollen damit nach eigenen Angaben Flagge gegen Falschaussagen, Lügen und Hetze zeigen. Außerdem wollten sie mit der Unterschrift ein Zeichen der Vernunft gegen Verschwörungsideologien und Rechtsextremismus setzen. Die Petition solle aber auch für ein solidarisches Miteinander und einen gemeinsamen Dialog werben.

Seit Start der Petition Ende vergangener Woche haben rund 1.500 Menschen ihre Unterschrift abgegeben. Zu den Unterzeichnern der Petition gehören Saalfelds Bürgermeister Steffen Kania (CDU), Saalfeld-Rudolstadts Landrat Marko Wolfram (SPD), Lokalpolitiker, Mediziner, Unternehmer und Künstler. Im benachbarten Saale-Orla-Kreis hat der Linken-Politiker Philipp Gliesing aus Pößneck im Internet ebenfalls eine Petition gegen die sogenannten "Corona-Spaziergänge" gestartet. Dort haben sich seit dem Beginn der Petition Mitte vergangener Woche rund 60 Menschen eingetragen.

Hildburg-hausen | Landkreis will Impfquote erhöhen

Hildburghausen ist thüringenweit Schlusslicht bei Erst- und Zweitimpfungen und beim Boostern gegen Corona. Medizinische Versorgungszentren sollen den Einwohnern künftig regelmäßig Impfangebote ohne Termin unterbreiten.

Bad Berka | 70 Interessierte bei erster Impfaktion

70 Bürgerinnen und Bürger haben eine erste Impfaktion im Zeughaus von Bad Berka (Weimarer Land) genutzt. Das teilte die Stadtverwaltung mit. Am Sonntag wurde der Lesesaal der Bibliothek erstmals zum Impfzentrum umgebaut. Für zwei Stunden wurden die Vakzine Moderna und Biontech verimpft. Die meisten davon waren Booster. Bei Bedarf können weitere Sonderimpfaktionen angeboten werden, teilte Bürgermeister Michael Jahn (CDU) mit.

Thüringen | Bundesweit niedrigste Inzidenz

Die Corona-Inzidenz in Thüringen ist erneut entgegen dem Bundestrend gesunken und liegt unter der Marke 200. Das Robert Koch-Institut (RKI) gab die Zahl der wöchentlichen Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner am Montag mit 197,9 an - nach 201,7 am Vortag. Damit ist Thüringen derzeit mit Abstand das Bundesland mit der niedrigsten Inzidenz. Bundesweit lag der Wert laut RKI am Montag bei 528,2.

Innerhalb des Freistaats verzeichnet das RKI für den Landkreis Greiz (94,1) die niedrigste Infektionsrate. Am höchsten ist sie in Jena (333,2). Die Thüringer Gesundheitsämter meldeten dem RKI 228 Corona-Neuinfektionen und drei weitere Todesfälle im Zusammenhang mit Corona. Damit sind laut RKI-Angaben 303.522 Infektionen registriert worden, 6.255 Menschen starben.

Kindergärten bieten Corona-Tests an

Seit Montag können Kinder ab drei Jahren in den Kindergärten auf das Coronavirus getestet werden. Die Einrichtungen müssen die Tests anbieten, die Teilnahme daran ist jedoch freiwillig. Schnelltests seien ausreichend vorhanden. Die Kosten dafür übernimmt das Land.

Was bisher geschah | Corona-News von Sonntag, 16.01.2022

Quelle: MDR/dpa (jml/fno)

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN | MDR THÜRINGEN JOURNAL | 17. Januar 2022 | 19:00 Uhr

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