Demonstrationen Tausende Thüringer gegen Corona-Politik auf den Straßen

In Thüringen sind Montagabend rund 15.000 Menschen aus Protest gegen die Corona-Politik auf die Straße gegangen. Schwerpunkt war laut Polizei wieder Ostthüringen. Zur mit Abstand größten Demonstration versammelten sich in Gera bis zu 4.000 Menschen. In Erfurt setzte die Polizei Pfefferspray ein.

Polizei steht demonstrierenden Menschen gegenüber
In Erfurt protestierten mehrere Hundert Menschen - ohne klar erkennbare Forderungen - gegen die Corona-Politik. Die Polizei nahm Personalien auf - nachdem zum Verlassen der Versammlung aufgefordert worden war. Bildrechte: MDR/Stefan Heine

In Thüringen sind Montagabend Tausende Menschen aus Protest gegen die Corona-Politik auf den Straßen unterwegs gewesen. Schwerpunkt war laut Polizei Ostthüringen. Die größten Demonstrationszüge gab es demnach in Gera mit 4.000 und in Altenburg mit 1.300 Teilnehmern. Jeweils 500 bis 600 Menschen versammelten sich in Saalfeld, Hermsdorf und Jena. Auch in Stadtilm zogen 700 Menschen durch die Straßen. Sonst blieb es laut Polizei in Südthüringen überschaubar. Die größte Demonstration in Westthüringen war die in Gotha mit 700 Teilnehmern. In Erfurt und Nordhausen versammelten sich jeweils etwa 400 Menschen.

Polizei setzt in Erfurt Pfefferspray ein

Der Polizei zufolge war keine dieser Versammlungen angemeldet. Die meisten Teilnehmer hielten demnach keinen Abstand und trugen keine Masken. Auch waren viele Familien mit Kindern dabei. Die Polizei erteilte Platzverweise und nahm Personalien auf.

In Erfurt lösten die Beamten eine Kundgebung von zunächst 400 Menschen auf. Etwa 150 Teilnehmer weigerten sich laut Polizei, den Juri-Gagarin-Ring zu räumen. Sie wurden eingekesselt, um ihre Personalien aufzunehmen.

Als mehrere Teilnehmer versuchten, eine Polizeikette zu durchbrechen, setzten Polizisten Pfefferspray und Schlagstock ein. Ein Beamter wurde bei der Attacke verletzt. Den Angaben zufolge versuchten Demoteilnehmer zudem, ein Polizeiauto anzuzünden.

Demo mit Feuerwerk - Pflegekräfte berichten aus Alltag

Insgesamt sei in 60 Orten zu Protesten aufgerufen worden. In sozialen Medien werden die Aktionen seit Wochen als "Spaziergänge" beworben. In Gera, wo bereits in der Vorwoche ein Aufzug ähnlicher Größenordnung durch die Stadt marschierte, bezog die Stadtverwaltung mit einem an die Fassade des Theaters projizierten Video Stellung zu dem illegalen Aufzug. Darin wurde die extreme Arbeitsbelastung der Pflegekräfte durch die Pandemie geschildert, auch Covid-19-Betroffene kamen zu Wort. Das Geraer Bündnis gegen Rechts stellte Kerzen im Gedenken an die Corona-Opfer auf.

Polizei steht demonstrierenden Menschen gegenüber
In Erfurt setzte die Polizei etwa 150 Personen fest und nahm Personalien auf. Bildrechte: MDR/Stefan Heine

Nach Angaben der Polizei hatten sich rund 4.000 Menschen aus Gera und Umgebung auf den Weg zu einem sogenannten Corona-Spaziergang gemacht. Nach Informationen von MDR THÜRINGEN waren unter ihnen auch Mitglieder faschistischer Vereinigungen sowie Reichsbürger. Der Zug blockierte den Verkehr auf den Hauptstraßen. In einigen Teilen der Stadt wurden Feuerwerke gezündet. Am Startpunkt des "Spazierganges" brannte ein Bengalfeuer. Die Demonstranten waren auf ihrer kompletten Tour ohne Maske und Sicherheitsabstände unterwegs.

Geras OB appellierte an Bevölkerung

Geras Oberbürgermeister Julian Vonarb (parteilos) hatte zuvor an die Bevölkerung appelliert, sich nicht an solchen Aufzügen zu beteiligen. In einer Erklärung zeigte er sich erschüttert darüber, "dass Menschen aus der Nachbarschaft nachweislich mit Rechtsextremen und Populisten gemeinsame Sache machen, indem sie solche Proteste initiieren oder organisieren und auch nicht davor zurückschrecken, ihre Kinder mitzunehmen."

Quelle: MDR(gh)

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 27. Dezember 2021 | 20:00 Uhr

Mehr aus Thüringen