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Thomas Ulbricht ist Inhaber vom LifeClub Fitness in Jena. Eine mögliche Testpflicht für Ungeimpfte bereiten ihm Bauchschmerzen. Bildrechte: MDR/Florian Girwert

Corona-Schwund in der Fitness-Branche

Fitness und Sport in Corona-Zeiten: So geht es der Branche

von Florian Girwert, MDR THÜRINGEN

Stand: 22. August 2021, 20:47 Uhr

Die Fitness-Branche gehörte zu den Opfern der Corona-Beschränkungen vom Spätherbst bis zum Frühjahr. Inzwischen läuft der Betrieb wieder, doch Spuren hat die Krise hinterlassen. Zudem fürchtet die Branche neuerliche Beschränkungen, die insbesondere ungeimpfte Personen treffen könnten. Dennoch gibt es auch Lichtblicke.

Zwölf Sportler liegen am Boden. Noch nicht vor Erschöpfung, aber im Yoga-Kurs an diesem Morgen gehören Übungen auf der Matte dazu, um Gelenke, Muskeln und Rücken in Form zu halten. "Die letzten drei Atemzüge geht ihr an eure Grenze", fordert Conny Luhde ihre Schützlinge auf, während die ihren Rücken lang und länger machen. "Streckt euch", sagt sie leise, aber bestimmt in den großen Raum hinein. Vereinzelt ist angestrengtes leises Stöhnen zu hören.

Noch vor einigen Monaten herrschte in diesen Räumen Ruhe. Während der strengen Corona-Beschränkungen bis ins Frühjahr hinein konnte Sport in geschlossenen Räumen nicht in Gruppen stattfinden. Fitness-Clubs wie das LifeClub im Turmsockel mitten in der Jenaer Innenstadt mussten geschlossen bleiben. Natürlich sei man wenigstens in Teilen auf Online-Angebote ausgewichen. "Wichtige Kurse haben wir online angeboten", sagt LifeClub-Inhaber Thomas Ulbrich.

Abgänge ja, Neumitglieder nein

Einen Mitgliederschwund allerdings konnte das nicht aufhalten. Während sich in normalen Zeiten Zu- und Abgänge die Waage halten, sah das während des Lockdowns anders aus. Die Mitgliederanwerbung lag weitgehend brach. Denn wer sich im Fitness-Studio anmeldet, will auch dort trainieren und keinen Fernkurs über den Laptop bekommen. "Für den Moment kann man die Leute damit halten", sagt Ulbrich. Inzwischen gebe es auch Hybrid-Kurse, bei denen vor Ort oder aus der Ferne gearbeitet werden könne. "Zum Anfang läuft das. Aber dann läuft es auch irgendwann aus. Der Sport vor Ort ist das Wichtigere", so sein Fazit.

169 Fitness-Studios gab es 2020 in Thüringen, teilweise über mehrere Standorte verteilt. 170.000 Menschen etwa seien Mitglieder in einem Fitness-Club, vermeldet der Arbeitgeberverband deutscher Fitness- und Gesundheits-Anlagen. Bis zum ersten Quartal rechnet der Verband allerdings mit einem Schwund um 25 Prozent in Deutschland, heißt es vom Verband auf Nachfrage von MDR Thüringen. Ganz genau will Ulbrich den Rückgang nicht beziffern, aber er sei deutlich spürbar.

Wer draußen trainiert hat, war im Vorteil

Eine ganz andere Situation erlebt Erik Eichholz. Der Personal Trainer kann sich über fehlende Nachfrage derzeit nicht beklagen: "Wir arbeiten fast nur draußen," berichtet der Inhaber der "Bewegungsmelder" aus Erfurt. Lauftraining oder Krafttraining unter Anleitung in Zusammenarbeit mit Ärzten, Physiotherapeuten, Masseuren bietet er an – teilweise für gezielte Wettkampf-Vorbereitung. "Und da reden wir nicht von VIPs, sondern auch von Studenten oder Krankenschwestern", sagt er. Das Training an der frischen Luft habe einen Schub gegeben – manche hätten während des Lockdowns das erste Mal Kontakt mit seinem Angebot gehabt.

"Wegen der hohen Nachfrage haben wir manchmal auch Terminschwierigkeiten", sagt er. Und das, obwohl etwa Trainingslager oder Veranstaltungen gar nicht stattfinden könnten. Einzeltraining draußen sei hingegen zu keiner Zeit ein Problem gewesen. Hier wird gezielt gearbeitet, um Verletzungen zu vermeiden und Belastungen gezielt zu steigern. "Das einzige, was uns abhalten kann, ist ein Gewitter."

Kostenpflichtige Tests könnten Kunden vertreiben

So eine Nachfrage würde auch das Fitness-Studio in Jena freuen. Hier hofft man, dass allzu große Beschränkungen im Herbst ausbleiben, damit die wirtschaftliche Lage sich wieder bessern kann. Die Sofort-Hilfen hätten zwar Löcher stopfen können und seien somit sinnvoll gewesen. Aber dauerhafte Mitglieder-Verluste könne man damit nicht kompensieren. Lieber würden die Jenaer ohne auskommen. Denn eigentlich sei ab Oktober die beste Phase mit der höchsten Nachfrage für die Branche.

Besonders kostenpflichtige Tests für ungeimpfte Personen könnten zum Problem werden, sagt Thomas Ulbrich: "Wenn sie zwei bis dreimal die Woche zum Training kommen und die Tests selber zahlen müssen, wird das schwer für uns." Viele würden sich dann eher zurückziehen als die Testpflicht zu befolgen. "Die machen dann gar keinen Sport mehr und treten sogar bei uns aus." Gehe man davon aus, dass unter den Mitgliedern ähnlich der Gesamt-Bevölkerung 20 bis 30 Prozent keine Impfung hätten und manche wohl auch keine wollten, dann sei das auch für seinen Betrieb ein Problem, wenn diese Kunden wegfallen. Miete, Technik und Personal müssen schließlich trotzdem finanziert werden.

Derweil haben die Yoga-Sportler ihren Früh-Sport abgeschlossen, sitzen beim Kaffee zusammen und plaudern angeregt. Diese Art von Geselligkeit kann ein Online-Kurs nicht bieten.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm:MDR THÜRINGEN - Das Radio | Regionalnachrichten | 22. August 2021 | 09:00 Uhr

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