Corona-Pandemie Einfach erklärt: Das bedeuten die Corona-Zahlen in Thüringen

Die vierte Corona-Welle hat Thüringen erreicht. Trotz Impfungen sind viele Intensivbetten belegt. Liegen mehr Ungeimpfte als Geimpfte auf Intensivstationen? Ist die Inzidenz bei Ungeimpften höher als bei denen, die vollständig geimpft wurden? Wie häufig gibt es Impfdurchbrüche? Die Antworten auf diese Fragen haben wir hier für Sie zusammengefasst.

Sieben-Tage-Inzidenz: Wie kommen die Daten in den Grafiken zustande?

Die Daten werden vom Thüringer Gesundheitsministerium wöchentlich veröffentlicht. Es werden alle Personen erfasst, deren Erkrankungsdatum innerhalb der betrachteten Woche liegen. Allerdings kann es bei manchen Fallmeldungen auch zu Verzögerungen kommen. Die entsprechenden Daten werden in solchen Fällen nachgetragen oder aktualisiert.

Die Sieben-Tage-Inzidenz ist die Anzahl der Neuinfektionen während der betrachteten sieben Tage pro 100.000 Einwohnern in ganz Thüringen. Diese Zahlen werden auf Basis der Daten des Robert Koch-Instituts dargestellt.

Covid-19-Erkrankte in Kliniken: Warum ist die Gesamtzahl in der Grafik höher als die Summe der Geimpften und Ungeimpften?

Als vollständig Geimpft gelten diejenigen, die mit einem Covid19-Impfstoff geimpft wurden und bei denen nach der letzten Impfung mindestens 14 Tage vergangen sind. Je nach Impfstoff kann sich die Anzahl der Impfungen zur Erlangung des vollständigen Impfschutzes unterscheiden. Personen mit unvollständigem Impfschutz zählen zwar zum Gesamtwert, jedoch nicht zu den Ungeimpften und nicht zu vollständig Geimpften.

Für die Berechnung der Inzidenzen, der Hospitalisierung und der Personen auf Intensivstationen werden nur Fälle berücksichtigt, zu denen vollständige Angaben zum Impfstatus vorliegen. So gibt es Personen, die keine Angaben zu ihrem Impfstatus machen können, beispielsweise weil sie mit einer schweren Covid-19-Erkrankung auf einer Intensivstation liegen und nicht ansprechbar sind. Die entsprechenden Daten bleiben zunächst offen und fließen nicht in die Angaben zu Geimpften oder Ungeimpften ein. Diesen Fälle können zu einem späteren Zeitpunkt nachgetragen werden.

Sieben-Tage-Hospitalisierungsinzidenz: Warum kann sich der Wert nachträglich noch ändern?

Die Anzahl der Menschen, die mit einer Covid-19-Erkrankung ins Krankenhaus kommen, werden vom Robert-Koch-Institut (RKI) in der sogenannten Hospitalisierungsinzidenz (oder Hospitalisierungsrate) erfasst. Sie zählt, bei wie vielen Menschen in den vergangenen sieben Tagen pro 100.000 Einwohner eine Covid-19-Erkrankung nachgewiesen wurde und die später ins Krankenhaus eingewiesen werden mussten.

Problematisch bei diesen Werten ist jedoch, dass das RKI die betreffenden Fälle nicht nach dem Tag der Krankenhauseinweisung statistisch erfasst, sondern nach dem Meldedatum eines Covid-19-Falles. Das heißt, dass ein gestern eingewiesener Covid-19-Patient, dessen Infektion aber bereits seit zehn Tagen bekannt ist, nicht in der tagesaktuellen Hospitalisierungsrate erfasst wird. Stattdessen werden die Hospitalisierungsraten, die den Tag des Testergebnisses erfassen, nachträglich angepasst.

Deshalb sind die vom RKI gemeldeten Hospitalisierungsinzidenzen der vergangenen Tage noch deutlich niedrig. Über nachträgliche Meldungen werden diese Werte ein bis zwei Wochen später immer wieder angepasst und dadurch deutlich höher, als zu Beginn. In der Hospitalisierungsinzidenz-Grafik (siehe oben) erscheint daher zunächst ein Abfall der Hospitalisiserungsinzidenz, da in den vergangenen sieben Tagen noch wenig Menschen eine Covid-19-Erkrankung bekommen haben und ins Krankenhaus eingewiesen wurden (Graph fällt). Dass die Lage sich entspannt ist jedoch ein Trugschluss, da sie im Nachhinein deutlich nach oben korrigiert wird.

Erkrankte auf Intensivstationen: Warum unterscheiden sich die Daten vom Gesundheitsministerium und die DIVI-Daten?

Das Gesundheitsministerium erfasst nur Daten von Personen, deren Wohnort sich in Thüringen befindet. Die Deutsche Interdisziplinäre Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin e. V. (DIVI) erfasst hingegen alle in Thüringen behandelten Patienten. Der Wert aus dem Intensivregister kann höher sein, weil die meisten Patienten länger auf der Intensivstation behandelt werden müssen. Das Gesundheitsamt erfasst hingegen nur Fälle, die neu gemeldet werden.

Zum Vergleich zwischen Geimpften und Ungeimpften

Geimpfte Personen werden wahrscheinlich seltener getestet als ungeimpfte Personen. Dies kann zu einer Unterschätzung bei den Fallzahlen bei Geimpften führen.

Weitere interaktive Grafiken und aktuelle Fallzahlen finden sich in unserem Coronavirus-Daten im Überblick, den regionalen Corona-Daten und den Überblicken zu Impf-Quoten und Intensivbetten.

Impfdurchbrüche

Es ist ein Missverständnis, dass geimpfte Menschen nicht mehr mit Covid-19 infiziert werden oder andere anstecken könnten. Weitere populäre Fehlschlüsse folgen. Mehr Informationen dazu finden Sie hier:

Quelle: MDR THÜRINGEN/kon/jn

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN | MDR THÜRINGEN JOURNAL | 12. November 2021 | 19:00 Uhr

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