Corona - und dann? Optimismus im Einzelhandel: "Wir kommen über die Runden"

Der regionale Einzelhandel kann mit vorsichtigem Optimismus in die Zukunft schauen. Zu dieser Einschätzung gelangte der Präsident des Handelsverbands Thüringen, Arnold Senft, in einem Interview mit MDR THÜRINGEN. In den Zentren vieler Kleinstädte sei die Lage der Geschäfte aber nach wie vor schwierig, denn der Online-Handel sei nicht für jeden eine Option gewesen. Für die Wiederbelebung der Innenstädte müsse die Politik gemeinsam mit den Händlern Konzepte entwickeln.

Die Einkaufsmeile Anger ist mit Menschen gefüllt
Durch die Öffnung von Geschäften und Gastronomie füllen sich die Innenstädte langsam wieder mit Menschen - wie hier in Erfurt. Bildrechte: dpa

Der Präsident des Handelsverbands Thüringen, Arnold Senft, blickt für den regionalen Einzelhandel vorsichtig optimistisch in die Zukunft. Im Interview mit MDR THÜRINGEN sagte er, er denke, dass die meisten Geschäfte trotz der Pandemie überleben werden. "Einen Abgesang des stationären Handels" werde es nicht geben.

Vor allem die staatlichen Überbrückungsgelder hätten "unheimlich geholfen". Sie seien in Thüringen rasch bei den Händlern angekommen. Wichtig sei jetzt, so sagte Senft, dass es im Herbst nicht erneut zu einem Lockdown komme. An eine solche Situation möchte Senft jetzt nicht denken, sie wäre ein "Alptraum". Schon aus diesem Grund plädiere er auch weiter für das Tragen einer Maske.

Innenstädte in Not

Allerdings seien nicht für alle Händler die Aussichten rosig. Viele Geschäfte hätten bereits vor der Pandemie wirtschaftliche Schwierigkeiten gehabt. Für sie habe es keine Finanzspritzen gegeben. Vor allem für Geschäfte in den Zentren der Kleinstädte sei die Lage teilweise sehr schwer. Senft appellierte an die Vermieter. Sie sollten auf Mieten verzichten oder die Mieten stunden.

Online-Handel als Lösung - aber nicht für alle

Den Online-Handel sieht Senft nicht als die große Gefahr. Viele stationäre Händler hätten in der Zeit der Pandemie ihre Waren auch im Internet verkauft. An einen Ausbau dieses Online-Handels glaubt Senft jedoch nicht. Für die meisten Einzelhändler in Thüringen rechne sich der alleinige Internet-Verkauf kaum.

Die Software verursache Kosten, besonders im Kleidungsverkauf betrage die Rücklaufquote nahezu fünfzig Prozent. Hier noch Gewinn zu machen, sei sehr schwierig. Wer meine, so sagte Senft, der Online-Handel sei der Segensbringer fürs Geschäft, der irre. Online-Handel sei "ein gutes Ventil", um das Geschäft zu überbrücken, aber kein Mittel, um es auf Dauer am Leben zu erhalten.

Eine Straßenszene mit Fußgängerzone und Geschäften
Für kleinere Geschäfte ist der Online-Handel oft keine Option. Bildrechte: MDR/Robin Hartmann

Auch jetzt, da die Geschäfte wieder geöffnet wurden, würden viele Kunden weiter über das Internet einkaufen. Das würden jüngste Zahlen zeigen. Trotzdem gebe es einen Trend, dass vor allem junge Menschen wieder in die realen Geschäfte gehen. Die Menschen suchten Kontakte und Unterhaltung, das hätten sie monatelang vermisst.

Ähnlich wie Gastronomie sei Einkaufen in realen Geschäften ein Ausdruck von Lebensqualität. Die Kunden hätten zudem verstanden, dass Waren im Internet nicht unbedingt günstiger seien als im stationären Handel. Und überhaupt seien viele Kunden das "ständige Hin- und Hertragen von Paketen zur Post Leid".

Senft: "Wiederbelebung braucht Konzepte"

Von der Politik wünschte Senft mehr Unterstützung für ein Wiederbeleben der Innenstädte. Hier sollten von allen - Einzelhändler, Gastronomen, Ärzten und Apothekern - gemeinsame Konzepte entworfen werden. Außerdem forderte er, verbindliche Regelungen für Sonntagsöffnungszeiten. Gesetzlich stünden den Händlern in Thüringen vier verkaufsoffene Sonntage im Jahr zu. Diese sollten bis Weihnachten auch tatsächlich möglich sein, um die Geschäftsumsätze wieder anzuheben. Preiserhöhungen dagegen seien kein Mittel. Das wäre ein falsches Signal für die Kunden und überhaupt gebe das der Markt momentan nicht her.

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Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 26. Juni 2021 | 06:00 Uhr

2 Kommentare

micha72 vor 16 Wochen

Naja, was hochbezahlte Vertreter irgendwelcher Verbände oder Journalisten erzählen ist uns völlig Wurscht. Diese Leute leben in ihrer Blase und haben keinen Plan vom wirklichen Kampf ums Überleben den man während 5 Monaten Lockdown durchmachen musste. Unser kleiner Laden war zwangsgeschlossen. Punkt. Staatlich zwangsgeschlossen! Zehntausende Euro Verlust. Punkt. Wo waren diese tollen Verbände während dem Lockdown. Nutzlos wart ihr. Wo werdet ihr sein wenn die Politik im Herbst wieder mit Lockdown droht? Wir kämpfen allein! Wir schaffen es allein, ohne euch!

aus Elbflorenz vor 16 Wochen

Zum Optimismus des Einzelhandels, erklärt von Vertretern der Spitzenverbände und verbreitet vom Öffentlich-Rechtilchen Rundfunk zähle einfach jeder mal die Geschäfte, die im letzten Jahr hat für immer schließen sehen und lasse seine Gespräche mit Gewerbetreibenden revue passieren, was die so über ihre wirtschaftliche Situation erzählt haben.

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