Corona-Pandemie Impfpflicht im Gesundheitswesen: Schließen auch Arztpraxen in Thüringen?

Ab Mitte März gilt wegen der Corona-Pandemie die Impfpflicht im Gesundheitswesen. Wie wirkt sich das auf die medizinische Versorgungslage in Thüringen aus? Werden Arztpraxen schließen müssen - und wenn ja, was kann ich tun, wenn meine betroffen ist?

Feierabend-Impfen im Imfzentrum in Weimar mit Johnson&Johnson
Impf-Aktion in Weimar: Bis zum 15. März müssen alle, die in der Gesundheitsbranche beschäftigt sind, vollständig gegen Covid-19 geimpft sein. (Archivfoto) Bildrechte: MDR/Grit Hasselmann

Bis zum 15. März müssen alle, die in der Gesundheitsbranche beschäftigt sind, vollständig gegen Covid-19 geimpft sein oder einen Genesenenstatus vorweisen. Ausnahmen aus medizinischen Gründen sind möglich. Diese Impfpflicht gilt für alle Beschäftigten, die in der Gesundheitsbranche tätig sind, also auch für Bürokräfte, Hausmeister, Küchenpersonal, selbst für Mitarbeiter hausfremder Firmen wie Handwerker oder Putzfirmen.

Mehrheit im Gesundheitswesen in Thüringen geimpft

Die Mehrheit der Beschäftigten im Gesundheitswesen in Thüringen ist geimpft. Silke Fließ, Sprecherin beim Thüringer Gesundheitsministerium, geht in den Pflegeeinrichtungen "von einer Impfquote bei den Beschäftigten zwischen 60 und 70 Prozent" aus. "Mit den Kliniken verhält es sich ähnlich", wobei hier die Impfquote wahrscheinlich höher liege. Am Uniklinikum in Jena beispielsweise seien rund 90 Prozent der 6.300 Mitarbeiter geimpft, wie das Klinikum auf Nachfrage von MDR THÜRINGEN mitteilte.

Wir rechnen nicht mit einer Verschlechterung der ambulanten Versorgung in Thüringen.

Matthias Streit Kassenärztliche Vereinigung Thüringen

Im ambulanten Gesundheitswesen habe sich ebenfalls die überwiegende Mehrheit der Mitarbeiter impfen lassen, teilte die Kassenärztliche Vereinigung Thüringen (KVT) mit. Wer zum Arzt müsse, werde nicht mit Engpässen rechnen müssen. Kein Arzt habe seine Zulassung zurückgegeben, auch wenn Einzelne angekündigt hätten, dann nicht mehr in der Praxis zu arbeiten, sagte Sprecher Matthias Streit. "Wir rechnen allerdings nicht mit einer Verschlechterung der ambulanten Versorgung in Thüringen."

Auch Notfallsanitäter in den Krankenwagen des Landes werden einsatzfähig bleiben, denn, so teilten das Deutsche Rote Kreuz und der Arbeiter-Samariter-Bund mit, alle Mitarbeiter seien geimpft.

Am häufigsten wird in Städten und Landkreisen ein Wegfall oder eine Ausdünnung einzelner Zahnbehandlungen und Leistungen erwartet.

Christian Junge Präsident der Landeszahnärztekammer Thüringen

Manche Zahnärzte hingegen werden ihre Behandlungen einschränken oder ihre Praxen schließen, teilte die Landeszahnärztekammer mit. Dreiviertel der Zahnärztinnen und Zahnärzte in Thüringen seien laut einer Umfrage der Kammer, an der sich ein Drittel der niedergelassenen Praxisinhaber beteiligte, geimpft, rund ein Viertel jedoch nicht. Christian Junge, Präsident der Landeszahnärztekammer Thüringen: "Am häufigsten wird in Städten und Landkreisen ein Wegfall oder eine Ausdünnung einzelner Behandlungen und Leistungen erwartet."

Roul Rommeiß
Roul Rommeiß, stellvertretender Vorsitzender der Kassenzahnärztlichen Vereinigung Thüringen: "Die Versorgung könnte zukünftig schwieriger werden." Bildrechte: dpa

Roul Rommeiß, stellvertretender Vorsitzender der Kassenzahnärztlichen Vereinigung Thüringen, sagte gegenüber MDR THÜRINGEN: "Ich kann nicht genau sagen, wie viele Praxen schließen werden müssen." Es sei zum gegenwärtigen Zeitpunkt noch nicht klar, ob es überhaupt so weit komme "oder ob die Menschen sich noch umentscheiden und sich doch impfen lassen. Wir weisen aber darauf hin, dass es zu Problemen kommen kann. Die Versorgung könnte zukünftig schwieriger werden".

Ob das Gesundheitsamt das tatsächlich tut, wissen wir noch nicht. Da ist zu beobachten, wie die Pandemie sich weiter entwickelt.

Roul Rommeiß stellvertretender Vorsitzender der Kassenzahnärztlichen Vereinigung Thüringen

Dass eine Praxis schließen muss, weil der Inhaber oder das Personal ungeimpft sind, sei jedoch nicht gesagt. Rommeiß: "Man muss das vorerst nur dem Gesundheitsamt mitteilen." Dieses könne dann, müsse aber nicht, ein Betretungsverbot für die ungeimpften Beschäftigten aussprechen. "Ob das Gesundheitsamt das tatsächlich tut, wissen wir noch nicht. Da ist zu beobachten, wie die Pandemie sich weiter entwickelt."

Arbeitgeber ist verpflichtet, ungeimpfte Beschäftigte ans Gesundheitsamt zu melden

Michael Goebel, Dresdner Fachanwalt für Arbeitsrecht, bestätigt das: "Da gibt es im Moment keine klare Rechtslage." Es sei nur klar, dass Mitarbeiter, die keinen Nachweis einer Impfung oder Genesung vorlegten, dem Gesundheitsamt gemeldet werden müssen, dazu seien die Arbeitgeber verpflichtet.

Am Ende muss es von den Behörden entschieden werden, die dazu autorisiert sind.

Roul Rommeiß stellvertretender Vorsitzender der Kassenzahnärztlichen Vereinigung Thüringen

"Das Dilemma der Praxen besteht darin zu entscheiden, wie gehe ich mit meinen ungeimpften Mitarbeitern um, ohne zu wissen, was wann genau eintritt. Es wird unterschiedliche Entscheidungen geben", sagt Roul Rommeiß, "auch von den Gesundheitsämtern". Da könne es zum Beispiel sein, dass eine Praxis ein Betretungsverbot bekomme, weil das Hygienekonzept lax sei, die andere Praxis nicht, weil das Hygienekonzept sehr gut sei. "Am Ende muss es von den Behörden entschieden werden, die dazu autorisiert sind."

Gesundheitsämter haben "Spielraum"

Das zuständige Gesundheitsamt habe "den Spielraum, Entscheidungen zur Teilnahme an der Versorgung entsprechend der Versorgungslage zu treffen", sagte denn auch Matthias Streit von der Kassenärztlichen Vereinigung Thüringens. Noch ist also vieles offen.

Quelle: MDR THÜRINGEN(caf)

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR THÜRINGEN JOURNAL | 19. Januar 2022 | 19:00 Uhr

5 Kommentare

thoralf1 vor 22 Wochen

Wie bitte soll man aber reagieren, wenn willkürlich vom RKI über Nacht der Genesenenstatus auf 3 Monate herab gesetzt wurde.

Und an das MDR, gilt dies jetzt wirklich, nur weil es das RKI empfiehlt? Oder ist eine Entscheidung der Regierung/Bundestag erforderlich?

Niemann vor 22 Wochen

Es ist kalt, eine große Augenscheibe im Pflegeheim geht zu Bruch, Eiseskälte zieht ein. Ein Handwerker wird zur schnellen Hilfe gerufen, doch an der Eingangstür abgefangen und hart gefragt, wo ist der Nachweis für 2G? Der Handwerker zuckt mit der Schulter und wird abgewiesen, Eiseskälte zieht weiter ein. Wenn Sie glauben das sei ein Märchen dann irren sie. Das ist die Zukunft in diesem Land.

kleiner.klaus77 vor 22 Wochen

Ich hoffe nur, dass man wieder miteinander spricht. Es kann doch nicht sein, dass man nicht versteht, wenn jemand eine Impfung ablehnt, weil er oder sie Angst vor den Nebenwirkungen hat, da ja auch die Impfung nur vor einem schweren Verlauf schützt und sonst nicht vor der Krankheit oder Übertragung.

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