Pandemie Corona-News vom 28. Januar: Thüringer Landkreise stellen berufsbezogene Impfpflicht infrage

+++ Polizei erhält Unterstützung bei Corona-Demos +++ Erfurt muss Shopping-Bändchen ändern +++ Inzidenz in Thüringen über 400 +++ Kreise kritisch bei Impfpflicht im Gesundheitsbereich +++ Bach-Festival in Arnstadt verschoben +++ Die Corona-News für Thüringen im Überblick +++

Thüringen | Polizei erhält mehr Unterstützung bei Corona-Demos

Thüringens Polizei wird für die Einsätze bei den unangemeldeten Demonstrationen gegen die Corona-Politik künftig mehr Unterstützung durch die Bundespolizei und Polizeieinheiten anderer Bundesländer bekommen. Das wurde auf der Innenministerkonferenz in Stuttgart zugesagt. Innenminister Georg Maier (SPD) zeigte sich mit diesem Ergebnis sehr zufrieden. Die Polizei arbeite schon jetzt am Limit, so Maier. Es seien intensive und wichtige Gespräche zu den Corona-Protesten geführt worden.

Maier warnte erneut vor nicht angemeldeten Protesten, die zum Teil von Rechtsextremisten organisiert und genutzt würden. Der Minister sieht eine "Bedrohung unserer Demokratie." Auf der Innenministerkonferenz wurde auch ein Besuch der Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD) vereinbart. Die Sozialdemokratin wird in der übernächsten Woche erwartet.

Erfurt | Stadt muss Shopping-Bändchen wieder ändern

Eine Woche nach der Einführung muss Erfurt seine 2G-Shopping-Bändchen schon wieder ändern. Das Gesundheitsministerium verlangt nach Angaben der Stadtverwaltung, dass die Bändchen nur einen Tag gültig sind. Das Erfurter System sah eine Woche Gültigkeit vor. 30.000 Stück lagen für die Testphase bereit. Nun müssen neue Bändchen mit Datum her. Das bedeutet für die Kunden, sie müssen täglich nachweisen, dass sie genesen oder geimpft sind. Ab Mittwoch soll es nun die neuen Bändchen geben, teilte das City-Management mit. Die erste Woche sei jedenfalls ein Erfolg gewesen. Viele Kunden hätten sich Bändchen geholt. Ähnliche Corona-Shopping-Angebote gibt es in Eisenach und Gera.

Thüringen | Die Regeln für Quarantäne und Isolation

In ganz Thüringen gelten einheitliche Quarantäne-Regeln für alle Virus-Varianten. Da Omikron zuletzt mehr als 80 Prozent der positiven Tests ausgemacht hat, wird auf eine labortechnisch aufwendige Sequenzierung verzichtet und davon ausgegangen: Wer Corona hat, der hat Omikron. Deswegen gelten die ehemals nur für Omikron geltenden Regeln nun pragmatisch grundsätzlich. Mehr dazu:

Landkreise stellen berufsbezogene Impfpflicht infrage

Der Thüringische Landkreistag stellt die berufsbezogene Impfpflicht infrage. Verbandspräsidentin Martina Schweinsburg (CDU) sagte nach einer Verbandssitzung, dagegen gebe es verfassungsrechtliche Bedenken. Es mache keinen Sinn, die berufsbezogene Impfpflicht vor einer allgemeinen und bundesweiten Impfpflicht einzuführen. Die Impfpflicht für medizinisches Personal sei im Herbst vergangenes Jahres beschlossen worden. Inzwischen gebe es aber beim Genesenenstatus und bei der Übertragung des Virus neue Erkenntnisse, so Schweinsburg. Der Bundestag müsse daher das Gesetz noch einmal überarbeiten und anpassen. Laut Schweinsburg ist der Landkreistag zudem der Ansicht, dass die berufsbezogene Impfpflicht nur für neu eingestellte Beschäftigte gelten könne. Das Personal, das im letzten Jahr eingestellt worden sei, habe nicht gewusst, dass ab März dieses Jahres eine Impfpflicht gilt.

Deutsch­land | Gebucht, aber nicht mehr genesen - was dann?

Seit knapp zwei Wochen gelten Menschen in Deutschland nur noch dann als genesen, wenn ihre Infektion maximal 90 Tage her ist – und nicht mehr sechs Monate wie bisher und wie in den meisten anderen europäischen Ländern. Das hat auch für unseren Hörer Oliver Lindner aus Rötha direkte Folgen: In der Annahme, noch als genesen zu gelten, hatte er eine Reise und zwei Konzerte gebucht. Die kann er nun nicht mehr antreten. Wer kommt für die entstandenen Kosten auf? Mehr dazu erfahren Sie hier:

Mühlhausen | 250 Euro Bußgeld nach Protest

Nach einem unangemeldeten Protestmarsch gegen Corona-Regeln in Mühlhausen muss ein Teilnehmer 250 Euro Bußgeld zahlen. Das Amtsgericht Mühlhausen hat den Einspruch des 57-Jährigen gegen den Bescheid des Landratsamtes verworfen. Laut Urteil nahm der Mann vor knapp einem Jahr an einer nicht angemeldeten Demonstration teil und verstieß damit gegen das Versammlungsgesetz. Der Betroffene gehörte zu insgesamt 14 Personen, die am Lentzeplatz in Mühlhausen von der Polizei eingekesselt und deren Personalien festgestellt wurden. Vor Gericht sagte der Mann, er sei "spazieren gegangen". Dem widersprach die Richterin. Die Filmaufnahmen seien eindeutig. Die Polizei habe am Startpunkt Obermarkt die Versammelten belehrt und darauf hingewiesen, dass jeder vorher nicht angemeldete Aufzug illegal sei. Am Lentzeplatz wurden die Demonstranten kurz darauf von der Polizei gestoppt.

Thüringen | FDP für höhere Inzidenz-Grenzwerte für 2G+ im Restaurant

Die FDP-Gruppe im Thüringer Landtag fordert höhere regionale Inzidenz-Schwellenwerte für Restaurantschließungen oder 2G+ in vielen Bereichen als bislang geplant. Dem Vorschlag zufolge sollen erst ab einer regionalen Inzidenz von 2.000 strengere Hotspot-Regelungen wie etwa 2G + in der Gastronomie greifen, teilte die Gruppe mit. Die Landesregierung plant laut einem Verordnungsentwurf, die bisherige Grenze von regional 1.000 wöchentlichen Neuinfektionen je 100.000 Einwohner beizubehalten. Dem Entwurf der Landesregierung zufolge soll lediglich die bislang geltende Inzidenz-Schwelle von 1.500 für strengere Einschränkungen, wie etwa Restaurantschließungen, auf 2.000 angehoben werden. Hier fordert die FDP, die Maßnahmen am Wert von 3.000 auszurichten.

Deutsch­land | Kekulé: Impfpflicht verschieben

Der Virologe Alexander Kekulé plädiert dafür, die Impfpflicht für Klinik- und Pflegepersonal zu verschieben. Für die sich ausbreitende Omikron-Welle komme die Impfpflicht im März viel zu spät, sagte Kekulé am Donnerstag MDR Aktuell. Wenn die Politik im November gehandelt hätte, wäre die Wirkung rechtzeitig gekommen. Es zeige sich immer deutlicher, dass die Omikron-Variante leichtere Verläufe bei Infektionen auslöse. «Das macht keine Überlastung der Intensivstationen.» Das Hauptproblem seien nun viele leichtere Fälle, bei denen zu diskutieren sei, ob sie überhaupt alle ins Krankenhaus müssten. Deshalb sollte seiner Meinung nach geprüft werden, ob die Impfpflicht für Personal zum richtigen Zeitpunkt komme. Er wäre dafür, die Übergangsfrist zu verändern. Gekippt werden sollte die Impfpflicht für Berufstätige in Kliniken und Pflegeeinrichtungen aber nicht. Mehr dazu hören Sie hier:

Schleiz | Feuerwehr wegen Demonstrationen bei Einsätzen behindert

Der Stadtbrandmeister von Schleiz, Ronny Schuberth, hat sich mit einem eindringlichen Appell an alle Beteiligten von Demonstrationen in der Stadt gewandt. Laut Schuberth wurde die Feuerwehr in den vergangenen Tagen mehrfach in der Einsatzbereitschaft gefährdet. Das sei lebensgefährlich, da oft Minuten über Leben und Tod entscheiden.

Wichtig sei es, dass die Kameradinnen und Kameraden ohne Probleme zum Feuerwehrhaus gelangen und dann mit den Einsatzfahrzeugen ausrücken und Menschen helfen können.

Dabei ist es völlig egal, ob die Hilfesuchenden geimpft, genesen oder getestet sind oder ob sie an Corona glauben oder nicht.

Ronny Schuberth, Stadtbrandmeister von Schleiz

Die Hilfe gelte allen Menschen in Schleiz, im Landkreis und auf der A9. Der Stadtbrandmeister appelliert daher an alle Menschen aus Schleiz und jene, die an den Protestzügen teilnehmen, aber auch an alle Ordnungs- und Sicherheitskräfte, die Zufahrt zu den Feuerwehren, insbesondere im Bereich der Oschitzer Straße freizuhalten.

Landrat kritisiert Form der Proteste

Nach unangemeldeten Protesten vor dem Schleizer Landratsamt hat Landrat Thomas Fügmann (CDU) die Form des Protestes kritisiert. Es müsse immer möglich sein, konstruktiv miteinander zu reden, so Fügmann. Hintergrund ist die jüngste unangemeldete Demonstration am Mittwoch. Rund 650 Menschen hatten vor dem Amt gegen die Corona-Regeln und eine mögliche Impfpflicht protestiert. Die Polizei hatte die Teilnehmer des unangemeldeten Protests am Marsch durch die Stadt gehindert.

Thüringen | Inzidenz wieder über 400

Die Sieben-Tage-Inzidenz liegt in Thüringen jetzt wieder über 400 - der Freistaat bleibt aber mit Abstand das Bundesland mit dem geringsten Corona-Infektionsgeschehen. Das Robert Koch-Institut (RKI) meldete am Freitag 402,2 wöchentliche Neuinfektionen je 100.000 Einwohner.

Die bundesweit geringste regionale Inzidenz wies am Freitag der Landkreis Greiz auf mit einem Wert von 228,6. Die meisten Neuinfektionen im Freistaat wurden im Weimarer Land mit 610 registriert. In Thüringen wird derzeit diskutiert, die Inzidenz-Grenze für die Schließung von Restaurants in Hotspot-Regionen von derzeit 1.500 auf 2.000 anzuheben.

Die Gesundheitsämter in Thüringen meldeten dem RKI binnen eines Tages 1.873 Corona-Neuinfektionen und 15 weitere Todesfälle. Damit wurden seit Pandemiebeginn 316.681 Corona-Infektionen in Thüringen gezählt und 6.388 Menschen sind im Zusammenhang mit dem Virus gestorben.

Jena | "Impfen vor Ort geht weiter

Die Stadt Jena setzt ihre Aktion "Impfen vor Ort" an diesem Wochenende fort. Wie die Stadtverwaltung ankündigt, steuern die mobilen Impfteams sieben Ortsteile an. Am Samstagvormittag wird im Feuerwehrvereinshaus in Lützeroda geimpft, am Mittag im Gemeindehaus Cospeda und danach in Isserstedt. Am Sonntag sind die Ziele Drackendorf, Ziegenhain, Wenigenjena und Jenaprießnitz. Impfwillige benötigen keinen Termin.

Sonneberg | Drive-in-Teststelle sonntags geöffnet

Die Drive-in-Teststelle im Sonneberger Ortsteil Hönbach erweitert erneut die Öffnungszeiten. Wie ein Sprecher des Landkreises mitteilte, können sich Interessenten ab sofort auch sonntags zwischen 17 und 19 Uhr testen lassen. Termine müssen nicht vereinbart werden. Das Testergebnis wird nach etwa 15 Minuten per Mail mitgeteilt.

Meuselwitz | Fußballspiel ohne Zuschauer

Fußball-Regionalligist ZFC Meuselwitz (Altenburger Land) muss auch das Heimspiel am Freitagabend ohne Zuschauer bestreiten. Nach aktuellem Stand sind voraussichtlich erst nach dem 6. Februar wieder bis zu 1.000 Zuschauer bei Fußballspielen erlaubt. Anstoß gegen den FSV 63 Luckenwalde ist 19 Uhr in der Bluechip Arena.

Arnstadt | Bach-Festival wird verschoben

Das Bach-Festival in Arnstadt muss verschoben werden. Die aktuelle Thüringer Corona-Verordnung und auch die pandemische Situation ließen eine seriöse Planung für den März nicht zu, teilten die Organisatoren mit. Das Festival soll nun im Sommer stattfinden. Wann genau, ist noch unklar. Es sollte eigentlich vom 17. bis 21. März stattfinden, unter dem Motto "Lied, Klang und Gesang". Bereits gekaufte Tickets können storniert werden.

Thüringen | Innenausschuss berät Handhabung bei Verstößen auf Demonstrationen

In Thüringen demonstrieren weiter Hunderte Menschen gegen die Corona-Politik. Derweil überlegt die Politik, wie sie im Fall von Regelverstößen reagiert. Die Behörden sind überfordert. Auch der Innenausschuss beschäftigte sich damit.

Thüringen | Die Corona-News vom 27. Januar 2022

Quelle: MDR (fno)/dpa

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN | MDR THÜRINGEN JOURNAL | 28. Januar 2022 | 19:00 Uhr

Mehr aus Thüringen