Geld als Anreiz Impfprämie statt Impfpflicht – ein Erfolgsmodell?

Carolin Voigt, Autorin, Redakteurin und Sprecherin
Bildrechte: MDR/Karsten Möbius

Mehr Menschen zu einer Corona-Impfung zu bewegen, bleibt bei einer Quote von derzeit knapp 74 Prozent vollständig Geimpften in Deutschland weiterhin ein Thema. In der Politik gilt die Impfpflicht als Schlüssel zum Ausstieg aus der Pandemie. Viele Unternehmen haben zwischenzeitlich aber einen anderen Weg eingeschlagen: Sie locken ihre Mitarbeitenden mit Impfprämien.

Ein Mann wird geimpft.
Mitarbeitende können sich teils auch beim Betriebsarzt impfen lassen. Bildrechte: dpa

  • Privatwirtschaftliche Unternehmen wie die Thüringer Böttcher AG bieten ihren Mitarbeitenden teils mehrere Tausend Euro, wenn diese sich gegen das Coronavirus impfen lassen.
  • Forschungsdaten deuten darauf hin, dass Prämien zu einer Impfung motivieren können.
  • Dem Unternehmerverband Sachsen zufolge können sich nicht alle Branchen solche Prämienzahlungen leisten.

5.000 Euro Prämie zahlt der Thüringer Büro-Versandhändler Böttcher AG Beschäftigten, die sich gegen Covid-19 impfen lassen. Für Vorstand Danilo Frasiak lag die Entscheidung für die Prämie vergangenen November auf der Hand: "Das Weihnachtsgeschäft ist im Versandhandel besonders stark. Und dann waren die Inzidenzen hier in Thüringen und in Sachsen besonders hoch. Auch bei uns gingen die Fälle hoch. Uns war es wichtig, das Geschäft gut zu bewältigen und auf Sicht möglichst wenige Ausfälle zu haben."

"Motivation" zur Auseinandersetzung mit Impfung

Frasiak betont, man habe dafür sorgen wollen, dass sich möglichst viele Beschäftigte intensiv mit dem Thema Impfen auseinandersetzen. Deswegen entschied man sich für die vergleichsweise hohe Prämie von 5.000 Euro. Bekommen haben die alle mindestens zweifach gegen Covid-19 Geimpften bei der Böttcher AG – auch die, die ihre Zweitimpfung schon vor Beginn der Aktion bekommen hatten.

Für Vorstand Frasiak hat sich die einmalige Investition von insgesamt drei Millionen Euro gelohnt: "Für uns auf jeden Fall ein großer Erfolg. Wir haben mehrere Abteilungen, die eine hundertprozentige Impfquote haben."

In den anderen Abteilungen liege die Impfquote im Schnitt zwischen 80 und über 90 Prozent. Im November seien es noch zehn Infektionsfälle im Unternehmen gewesen, in den letzten sechs Wochen nur noch einer, sagt Frasiak weiter. Kündigungen oder Unmut in der Belegschaft habe es nicht gegeben. Wer sich gegen die Corona-Impfungen entschieden habe, sei nicht benachteiligt gewesen. Danilo Frasiak bilanziert: "Ich kann nur jedem empfehlen, sich damit auseinander zu setzen – egal ob Privatwirtschaft oder Staat. Weil am Ende ist es eine Motivation, sich impfen zu lassen."

KIT: Je höher die Prämie, desto höher die Impfquote

Tatsächlich deuten Forschungsdaten darauf hin, dass Prämien zu einer Impfung motivieren können. Allerdings darf der Geldwert nicht zu niedrig sein. Das Karlsruher Institut für Technologie (KIT) kam vergangenen Sommer zu dem Schluss, dass es mindestens 100 Euro sein müssen. Und: Je höher die Prämie, desto höher die Impfquote.

Doch nicht alle Unternehmen sehen das Prämienmodell positiv. Pierre-Pascal Urbon ist Vorstandvorsitzender des Kommunikations-Dienstleisters Komsa AG mit Sitz in Hartmannsdorf und setzt auf eine andere Strategie: "Wir testen sehr viel und wir haben freiwillige Impfangebote. Nächsten Mittwoch wird bei uns zum Beispiel geboostert. Aber wir haben uns bewusst gegen eine Impfprämie entschieden, weil wir der festen Überzeugung sind, dass das eine Entscheidung der einzelnen Mitarbeiter ist. Und das muss ihnen so auch überlassen werden."

Nicht alle Branchen können sich Prämienzahlungen leisten

Zurückhaltend äußert sich auch Lars Schaller vom Unternehmerverband Sachsen: "Prinzipiell unterstützen wir alle Maßnahmen, die eine Impfung von Unternehmerinnen und Mitarbeiterinnen zu Folge haben. Wir sehen es aber insofern kritisch, dass es zahlreiche Branchen gibt, die es sich gar nicht leisten können, eine Impfprämie zu zahlen. In der ersten Welle haben wir das unterstützt und es sind viele Unternehmerinnen mitgegangen. Aber jetzt wird es natürlich auch langsam kritisch, was das Finanzielle anbetrifft."

Statistische Daten darüber, wie viele Unternehmen in Deutschland Impfprämien zahlen, liegen bislang nicht vor. Doch Recherchen ergeben: Die Böttcher AG aus Thüringen ist keineswegs ein Einzelfall. Vor allem bei mittelständischen Unternehmen fallen die Impfprämien jedoch in der Regel geringer aus und liegen zwischen 100 und 500 Euro.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL | MDR AKTUELL | 27. Januar 2022 | 06:09 Uhr

Mehr aus Thüringen